Die EU-Kommission plant ein Verbot der Haltung von Sika-Wild. In der Steiermark wären 35 Betriebe betroffen, die Landespolitik drängt auf eine Ausnahmeregelung.
Haltung, Zucht und Transport von Sika-Wild sollen laut Plänen der EU-Kommission in der Union ausnahmslos verboten werden. Hintergrund der rigorosen Maßnahme ist der Schutz heimischer Arten, das natürliche Verbreitungsgebiet des Sika-Wilds ist Ostasien inklusive Japan. Vom geplanten Verbot betroffen sind in der Steiermark rund 35 Betriebe – einer davon im Bezirk Leoben – mit etwa 700 Tieren, die bis August nächsten Jahres getötet werden müssten.
„Schaden in Millionenhöhe“
„Sika-Hirsche sind keine invasiven Monster, sondern die Lebensgrundlage zahlreicher steirischer Betriebe“, sagt Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer. „Wir reden hier von einem wirtschaftlichen Schaden für die Betriebe in Millionenhöhe. Invasive Arten bergen teils große Risiken, weil dadurch ungewollte Hybride mit heimischen Tierarten entstehen können. Die Intention der EU-Gesetzgebung ist also bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar. Wenn jetzt aber zahlreiche steirische Betriebe ihre Arbeit einstellen und die Tiere töten sollen, dann ist gut gemeint wieder einmal das Gegenteil von gut gemacht. Da hilft es den Betrieben auch nichts, wenn man ihnen sagt, dass sie ja anderes Wild einstellen können“, sagt Schmiedtbauer. Sie ist im Austausch mit den betroffenen Betrieben und mit Bundesminister Norbert Totschnig. Gemeinsam wollen sie eine Ausnahmeregelung für Österreich erwirken.
„Vorgaben nicht nachvollziehbar“
„Wenn es mit der Gatterhaltung die letzten hundert Jahre funktioniert hat, dann sollte es auch in Zukunft möglich sein, diese Art der Haltung weiter zu ermöglichen und gleichzeitig die heimischen Wildarten zu schützen. Der wirtschaftliche und soziale Schaden einer vollständigen Ausrottung der mittlerweile traditionsreichen Sika-Haltung wäre zu hoch, und genau für solche Fälle gibt es Möglichkeiten für eine Ausnahme“, argumentiert Schmiedtbauer. Tierschutzlandesrat Hannes Amesbauer unterstützt die Bemühungen um eine Ausnahmeregelung für Österreich: „Als Tierschutzlandesrat halte ich die völlig unnötige Tötung von hunderten Tieren für inakzeptabel. Die EU-Vorgaben sind in dieser Form überhaupt nicht nachvollziehbar. Wer regionale, kontrollierte und tiergerechte Gatterhaltungen, die seit Jahrzehnten bestens funktionieren, zerstört und gleichzeitig Wildfleisch über tausende Kilometer importiert, handelt weder nachhaltig noch im Sinne des Tierwohls“, so Amesbauer.





