Fischzüchter Hannes Igler über Erfreuliches und Herausforderndes für die Branche – und übers Comeback nach dem Hochwasser von 2024.
Auf dem Präbichl wurde gerade noch an der Fertigstellung der Erzbergbahn gearbeitet, als in Kalwang ein Zwölfjähriger seinen ersten Fischteich aushob. Man schrieb das Jahr 1890, und der junge Liesingtaler Karl Hinterer schuf die Keimzelle dessen, was heute die weithin bekannte Fischzucht Igler ist.
Der Betrieb
Karl Hinterer war der Urgroßvater des heutigen Inhabers Hannes Igler. Neben dem Hauptsitz samt Verkauf in Kalwang hat die Fischzucht auch Standorte in Mautern und im Kammerner Ortsteil Seiz, in der Leobener Innenstadt gibt es ein Verkaufslokal, das jeden ersten Freitag im Monat geöffnet hat. Gezüchtet werden hauptsächlich forellenartige Fische wie Regenbogen- und Lachsforelle, Arktischer Saibling, Elsässer, Bröding und Bachsaibling. Der Betrieb beschäftigt aktuell insgesamt acht Personen, ganz frisch fix mit im Team ist nach der Matura an der HTL Leoben Tochter Magdalena Igler.

Die Flut
Vor gut zwei Jahren war das Unternehmen aufgrund eines Katastrophenereignisses österreichweit in den Schlagzeilen. Ein verheerendes Hochwasser im Juli 2024 hatte alle Teiche ausgespült und auch die Becken im Bruthaus überschwemmt. Die Schlammflut hinterließ massenhaft tote Fische auf den Wiesen des ganzen Liesingtals. Sie wurden mit Unterstützung des Bundesheeres, der Feuerwehren und insgesamt mehr als hundert Freiwilligen eingesammelt. „Für die Hilfsbereitschaft sind wir ewig dankbar“, sagt Hannes Igler, „auch Gemeinde und Behörden haben uns sehr unterstützt.“ Zudem haben zahlreiche Menschen gespendet, um zu helfen.
Das Comeback
Rund 500 Tonnen Fisch pro Jahr betrug die jährliche Produktion vor der Katastrophe. „Aktuell liegt unser Ziel bei 150 bis 200 Tonnen“, sagt Hannes Igler. Denn nach dem Hochwasser war de facto ein kompletter Neustart nötig, und der dauert vom Ei bis zum Speisefisch mindestens zwei Jahre. „Anfangs sind wir mit wenigen Restbeständen und mit der Hilfe von Kollegen drübergekommen“, sagt Igler. Der Verkauf am Stammsitz in Kalwang lief nach rund eineinhalb Monaten wieder an.

Die Frische
Wobei der Verkauf in Kalwang an der absoluten Spitze der Frischeskala liegt. „Einmal wollte ein Kontrollor die Eisvitrine in unserem Verkaufsraum sehen“, erzählt Igler lächelnd, „aber so eine gibt’s gar nicht. Denn ein Speisefisch, den wir hier verkaufen, muss nicht gekühlt werden, er ist in der Minute davor nämlich noch geschwommen.“ Der Ab-Hof-Verkauf macht freilich nur einen kleinen Teil des Absatzes aus. Iglers Kunden stammen hauptsächlich aus der Gastronomie und der gewerblichen Verarbeitung, ein Partnerbetrieb aus Niederösterreich beliefert Wien dreimal täglich frisch. Setzlinge und Jungfische wiederum sind bei Besitzern von Hobbyteichen gefragt.
Das Klima
Im Kontrast zur Flut von 2024 war heuer die Wasserknappheit freilich auch in der Fischzucht ein Thema. „Es geht noch, aber wir sind ganz klar in einer Ausnahmesituation“, so Hannes Igler. „Was wir heuer an Niederschlägen hatten, war für einen Effekt aufs Grund- und aufs Quellwasser nicht ausreichend. Was nicht nur wir, sondern die Landwirtschaft insgesamt und nebenbei auch die Energiewirtschaft, wirklich bräuchten, wären frühe Niederschläge. Am besten Schnee auf den Bergen schon ab November“, sagt er. Und da Forellenartige maximal 15 Grad mögen, wird auch die Wassertemperatur ein Faktor. „Dafür kann man in der Obersteiermark jetzt auch Karpfen züchten, seit drei Jahren laichen sie auch bei uns richtig gut“, sagt der Züchter.

Die Jugend
„Es gibt Herausforderungen, und die sind teils groß, aber unterm Strich mag ich nicht jammern“, hält Hannes Igler fest. „Die Fische werden gebraucht, es gibt die Nachfrage, und wir haben nach wie vor sehr gutes Wasser.“ Zudem habe sich die Klientel in den vergangenen Jahren etwas gewandelt. „Die Kundschaft wird tendenziell jünger“, sagt Igler, „es ist offensichtlich, dass es ein gesteigertes Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein gibt. Wir haben im Vergleich zu früher definitiv mehr junge Familien, die bei uns einkaufen.“
Die Räuber
Und wie sieht es mit tierischen Fischliebhabern wie Otter und Reiher aus? „Einen Teich mit Jungfischen kann man separat sichern. Aber unsere 4,5 Hektar als Ganzes ottersicher einzuzäunen, dieser Gedanke wäre illusorisch, das bringst’ nicht zusammen“, sagt Igler und fügt an: „Wenn’s wo kleine Fische gibt, sind auch die Wildenten nicht zu unterschätzen. Ihr Bestand geht gerade wegen des Otters aber zurück, weil der auch aufs Gelege und auf Jungtiere geht.“






