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Startseite » Zug um Zug zum europäischen Spitzenunternehmen
Wirtschaft

Zug um Zug zum europäischen Spitzenunternehmen

Markus Hacklvon Markus Hackl5. Juli 202610 Minuten Lesezeit
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Zwei Männer sitzen einander im Gespräch gegenüber
Peter Wanek-Pusset im Gespräch mit Markus Hackl auf der Terrasse des Rooftop-Restaurants „Miramonti“ im Brucker Innopark (ehemals Wirtschaftspark), das mit zur Firmengruppe gehört. Foto: KD
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Im Gespräch mit Peter Wanek-Pusset, dem Gründer des obersteirischen Vorzeigeunternehmens Innofreight mit Sitz in Bruck an der Mur.

Nicht einmal 25 Jahre hat es gebraucht, bis Peter Wanek-Pusset sein Bahnlogistikunternehmen in Bruck von einem kleinen Büro zu einem europäischen Vorzeigeunternehmen mit einem Netzwerk aus 40 Firmen entwickelt hat. Im Gespräch erzählt er über die große Zukunftschancen durch grüne Technologien, den geplanten Terminal in Peggau und über mögliche Ausbaustufen in Bruck.

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Markus Hackl: Wie geht es Innofreight in an sich wirtschaftlich turbulenten Zeiten?
Peter Wanek-Pusset: Uns geht es eigentlich immer dann gut, wenn es der Wirtschaft gut geht. Und der Industrie, mit der wir zusammenarbeiten, der geht es gut. Ich spreche von der klassischen Rohstoffindustrie, von der „faden Industrie“. Ich finde es faszinierend, dass es diese Sparte schafft, auch in wirtschaftlich harten Zeiten erfolgreich zu sein. Wie es den Kunden geht, spüren wir an der Auslastung der Waggons und wie viele Züge von uns unterwegs sind. Unsere Auftragslage ist demnach sehr gut, es läuft gut für uns.

Hackl: Im kommenden Jahr gilt es 25 Jahre Innofreight zu feiern. Sie haben vor 24 Jahren sehr klein begonnen, das Unternehmen hat eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen. Wie schwer ist es, mit diesem schnellen Wachstum auf allen betrieblichen Ebenen Schritt halten zu können?
Wanek-Pusset: Lässt man die 24 Jahre Revue passieren, so war jede Phase anspruchsvoll, jede Zeit hatte ihre besonderen Herausforderungen. Was jetzt und für die Zukunft gilt: Wir müssen uns als Unternehmen stets den Bedürfnissen des Marktes bestmöglich anpassen: In den nächsten drei bis fünf Jahren wird sich der europäische Schienenmarkt massiv verändern. Die Staatsbahnen kommen immer mehr unter Druck und produzieren enorme Verluste, die Erneuerung des Fuhrparks ist ins Stocken geraten.

Der Innofreight-Chef bricht eine Lanze für die obersteirische Industrie. Foto: KD

Hackl: Drei bis fünf Jahre – wir sind also mitten drinnen in diesem Wandlungsprozess?
Wanek-Pusset: Es passiert in Europa gerade ähnliches wie in Amerika. Private Unternehmen sind dabei, den staatlichen Güterverkehr zu übernehmen. Staatsbahnen werden sich auf den Erhalt der Infrastruktur, wie Schienennetz und den Personenverkehr, konzentrieren. Auch unser Geschäftspartner MSC investiert sehr viel in die Eisenbahn; gemeinsam haben wir eine eigene Waggonfabrik in Triest gebaut. Wir kümmern uns um die Kunden aus der Industrie, MSC um ihre Kunden aus der Schifffahrt.

Hackl: Erkennen die Staatsbahnen nicht dieses Potenzial, welches im Güterverkehr liegt?
Wanek-Pusset: Sie erkennen es durchaus. Letztendlich scheitert man an der Flexibilität. Die Industrie hat die Logistik-Sparte nach und nach ausgegliedert, um sich stärker aufs eigentliche Kerngeschäft konzentrieren zu können. Dieser Prozess hat auf der Straße begonnen und hat sich auf der Schiene fortgesetzt. Die Industrie hat nach Dienstleistern gesucht, die sämtliche Transportagenden wie Be- und Entladung im Werk sowie die dazugehörige Instandhaltung übernimmt. Dieser Prozess ging einher mit einer Überalterung des Waggonfuhrparks; Waggons mit einem Durchschnittsalter der Waggons von 30 Jahren und mehr. Diese sind nicht mehr zeitgemäß: veraltet, zu laut, zu wenig Zuladung. Diese Erneuerung haben die Staatsbahnen in Europa nicht mehr geschafft. Wobei wir mit den ÖBB gut zusammenarbeiten: Wir wickeln die gesamte Logistik ab, die ÖBB stellt das Schienennetz und die Lokomotiven.

Vor wenigen Tagen war die erste eigene Lok in Österreich unterwegs, wir werden ein Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Peter Wanek-Pusset

Hackl: Innovativer Bahntransport, im industriellen Maßstab quasi von Haustür zu Haustür – wie nahe ist man diesem Ziel mittlerweile gekommen?
Wanek-Pusset: Wie oben erwähnt: die Krise der Staatsbahnen ist unsere Chance, aber auch die große Herausforderung: Wir werden immer mehr zum Gesamtanbieter. Vor mehr als 20 Jahren war es noch das reine Container-Geschäft, zehn Jahre später sind die ersten Waggons dazugekommen, und erst vor wenigen Tagen ist unsere erste Lokomotive in Österreich unterwegs gewesen. Wir werden für unsere Kunden zum Eisenbahnverkehrsunternehmen und können somit der Industrie die optimale Dienstleistung anbieten.

Hackl: Innofreight ist Vorreiter in der „Green Technology“. Den Slogan von der Straße auf die Schiene gibt es ja seit sehr langer Zeit. Erhält dieser Satz wegen der Klimakrise noch mehr an Bedeutung als je zuvor?
Wanek-Pusset: Wir setzen ja nicht nur auf die Eisenbahn, sondern beim kombinierten Verkehr – Bahn und Straße – zunehmend auch auf Elektro-Lkw, wie zum Beispiel bei der Firma Knauf. In Liezen werden wir dort den Entladestapler durch einen E-Stapler ersetzen. Wir transportieren somit vom Bergwerk in Tragöß bis zum Endkunden alles CO2-neutral. Dieser begonnene Prozess ist eigentlich unumkehrbar.

Hackl: Wenn wir über Bahntransport reden, dann müssen wir auch über den Semmeringtunnel reden. Ein Lottosechser für Innofreight?
Wanek-Pusset: In Südösterreich verfügen wir über ein bestens ausgebautes Schienennetz, der Koralmtunnel hat einen enormen Boost gebracht, 2029 kommt der Semmeringtunnel dazu. Wir sehen bereits jetzt, dass die Nachfrage nach Leistungen im Güterverkehr extrem zunimmt.Wir investieren zusammen mit Alpacem und InterCal intensiv in den Ausbau eines intermodalen Terminals in Peggau. Allein dadurch ergeben sich große Chancen für die steirische Wirtschaft.

Der Terminal Peggau soll Ende des kommenden Jahres in Betrieb gehen. Im ersten Ausbauschritt sind vier Gleise geplant. Grafische Darstellung: Innocube

Hackl: Wie wird sich diese Logistikdrehscheibe in Peggau präsentieren?
Wanek-Pusset: Geplant ist der erste CO2-neutrale Terminal Österreichs. Wir benötigen weitere Verladepunkte für die Industrie nördlich von Graz. Im Endausbau, geplant bis zur Eröffnung des Semmeringtunnels, wird Peggau zu den fünf größten Terminals in Österreich gehören. Mit der ersten Stufe gehen wir Ende 2027 mit vier Gleisen in Betrieb, mit einer Erweiterungsmöglichkeit bis zu sieben Gleisen und zwei großen Portalkränen.

Hackl: Innofreight hat Joint-Ventures mit der weltweit größten Reederei MSC geschlossen. Was geschieht innerhalb dieser Zusammenarbeit und was bedeutet sie fürs Geschäftsvolumen und die internationale Positionierung?
Wanek-Pusset: Wir sind auch deswegen zusammengekommen, weil beides Familienbetriebe sind. Die MSC ist auf der Suche nach Lösungen, wie man die Fracht von den Häfen wegbringt und das passiert entweder mit der Bahn oder mit dem Lkw. Hier kommen wir ins Spiel: MSC ist bereit, in die Bahn und durch unser Einwirken auch in die Produktion eigener Waggons zu investieren. Seit drei Jahren arbeiten wir sehr erfolgreich zusammen. Wir können mit ein und derselben Waggonplattform unterschiedliche Güter transportieren, somit bündeln wir Mengen und können so den gesamten Transport optimieren.

Im Vorjahr haben wir 40 Millionen Tonnen Güter transportiert, mehr als die französische Staatsbahn.

Peter Wanek-Pusset

Hackl: Stichwort Internationalisierung: Wie viel Innofreight-Geschäft entfällt auf Österreich, wie viel auf Auslandsmärkte?
Wanek-Pusset: Auf Österreich entfallen rund 15 Prozent, 85 Prozent machen wir im Ausland. Stärkstes Land ist Deutschland zusammen mit dem Benelux-Wirtschaftsraum, gefolgt von Tschechien und Skandinavien. Erfreulicherweise nimmt Italien zu, dank unserer Zusammenarbeit mit MSC. Die Zahlen sind ja wirklich beeindruckend: Allein im Vorjahr haben wir 40 Millionen Tonnen Güter transportiert. Wir als „kleines“ Unternehmen in Bruck transportieren mehr Güter als die französische Staatsbahn.

Innofreight und MSC haben in Triest eine Fabrik für die Produktion eigener Waggons gestartet. Foto: Innocube

Hackl: Innofreight hat zusammen mit Voestalpine Tubulars mit dem „H2Tainer“ einen Container für den Transport von Wasserstoff entwickelt, der für die Erzeugung von Grünem Stahl von großer Bedeutung ist. Wie kommen solche innovativen Lösungen zustande? Ist hier die Industrie die treibende Kraft?
Wanek-Pusset: Die Voestalpine investiert ganz stark in den „Grünen Stahl“ und in den „Grünen Wasserstoff“. Es ist ein gemeinsamer Prozess. Die Voestalpine Tubulars liefert die Qualitätsrohre, wir erledigen den Transport und bauen die passenden Container dazu. An sich ist die Produktion von grünem Wasserstoff noch zu teuer, es wird notwendig sein, die großen Wasserstoffcontainer direkt zu den Photovoltaikanlagen und Windparks zu bringen. Wir sind in Gesprächen, um einen möglichen Probebetrieb auf Schiene zu bringen.

Hackl: Wie viele Innofreight-Waggons und -Container sind aktuell unterwegs?
Wanek-Pusset: Wir haben rund 25.000 Container und 8000 Waggons im Einsatz. Es sind rund 200 Züge, die wir täglich zu betreuen haben. Unser Ziel ist es, dass wir bis zum Jahr 2030 ein Viertel der Züge selbst fahren; mit rund 50 eigenen Lokomotiven – alle stationiert in Peggau.

Viel Unternehmergeist, viel technologisches Zukunftsdenken, wenig Konvention: Beim Interview sitzt Peter Wanek-Pusset als Lenker eines internationalen Firmennetzes ganz leger im T-Shirt. Man kennt ihn kaum anders, Sichtungen mit Sakko sind äußerst rar. Foto: KD

Hackl: Welche Fracht hat auf der Schiene das größte Zukunftspotenzial: Holz in Skandinavien, Wasserstoff in Linz, oder überhaupt ganz etwas anderes?
Wanek-Pusset: Wir verfügen in der Steiermark über viele wertvolle Ressourcen, wie Holz, oder auch das Eisenerz vom Erzberg. Diese Rohstoffe und auch deren Verarbeitung haben uns Wohlstand gebracht. Diese Ressourcen schaffen aber auch Beständigkeit für unsere Industrie, und diese Transporte werden auch bleiben. Was wir aber auch sehen, ist, dass die Bedeutung der Fertigprodukte, die hier erzeugt werden, zunehmen wird. Dazu braucht es Systemlösungen für den Transport: Wir bringen die Rohstoffe zu den Produktionswerken und liefern die fertigen Produkte wieder vom Werk zum Endkunden.

Ich brauche die Entwicklung und Forschung hier in Bruck, ich will mit meinen Ingenieuren diskutieren können.

Peter Wanek-Pusset

Hackl: Global denken, lokal handeln – ist das kurz gesagt, eines der Erfolgsrezepte von Innofreight. Man muss demnach nicht an einem der großen Umschlagplätze in Europa sitzen. Der Standort Bruck passt für Innofreight immer noch?
Wanek-Pusset: Wir haben in den letzten Jahren viel in den Standort Bruck investiert und beschäftigen rund 120 Mitarbeiter allein in Bruck. Wir haben unsere Infrastruktur in Bruck auf unsere Bedürfnisse und Erfordernisse ausgerichtet – mit einem eigenen Restaurant. Die Entwicklung und Forschung passiert hier in Bruck; ich brauche sie auch hier, weil ich möchte mit meinen Ingenieuren diskutieren können. Die zentrale Verwaltung ist in Bruck und mit „Innocube“ ist auch das zentrale Marketing für alle 40 Unternehmen in der Gruppe hier im Haus. Der Standort hier in Bruck passt, Peggau wird mehr und mehr zum operativen Standort, in St. Michael geschieht die Container-Instandhaltung. Somit haben wir alles hübsch im engeren Umkreis beisammen.

Geschaltet und gewaltet wird in der Obersteiermark, die Waggonfabrik steht in Triest. Foto: Innocube

Hackl: Innofreight hat den „Wirtschaftspark 2.0“ von der Stadt übernommen. Wird es weitere Ausbaustufen geben?
Wanek-Pusset: Ja, unbedingt. Wir brauchen ein eigenes Dienstleistungszentrum, wir werden immer mehr zum Spediteur und zum Eisenbahnverkehrsunternehmen. Gebraucht werden zum Beispiel Übernachtungsmöglichkeiten für Lokführer. Wenn Ende 2028 auf der anderen Straßenseite alles fertig ist, wäre ich zufrieden. Mit dem TÜV wird es jedoch bald einen kleinen Zwischenschritt geben: TÜV möchte kurzfristig rund 60 Mitarbeiter von anderen Standorten in den Wirtschaftspark bringen.

Hackl: Sie sind auch im Vorstand des ÖZIV Steiermark. Wie wichtig ist Ihnen dieses soziale Engagement?
Wanek-Pusset: Wir als gesunde Menschen können immer etwas für Menschen mit Beeinträchtigung tun. Für mich ist es ein Bedürfnis, diesen Verein zu unterstützen; wiewohl wir als ÖZIV vom Land Steiermark gut unterstützt werden. Wichtig ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Menschen ermöglicht, die in der Behindertenhilfe tätig sind, ihre Arbeit gut machen können und sie sich nicht ums Geld kümmern müssen. Es macht mir Spaß, es kommt sehr viel Dankbarkeit zurück. Die Zeit für eine ehrenamtliche Tätigkeit sollte sich jeder nehmen.

Zum Unternehmen Innofreight

Im Kern der Unternehmenstätigkeit von Innofreight steht die Entwicklung innovativer Waggons, Container und Entladesysteme für und in Zusammenarbeit mit Kunden aus der Industrie. Von Erz- und Kokslogistik über zahlreiche andere Schüttgutanwendungen und Flüssigkeitscontainer bis hin zu Rundholz. Gründer und „Mastermind“ ist der gebürtige Eisenerzer Peter Wanek-Pusset. Mittlerweile hat das Unternehmen 25.000 Container und 8000 Waggons im Einsatz, die sich auf 230 Lastzüge verteilen. Innofreight ist in 20 Ländern in Europa aktiv; 40 Unternehmen gehören zur Gruppe. Von der Konzeption und Konstruktion der Container, Waggons und Ladetechnik bis hin zur Abwicklung als Spedition und Verkehrsanbieter ist Innofreight mittlerweile Schienentransport-Komplettdienstleister. 

Weitere Interviews zur Serie:

• Hackl trifft…Michael Schrittwieser
• Hackl trifft…Andreas Krainer

Hackl trifft Innofreight Peter Wanek-Pusset
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Markus Hackl

Der Kindberger ist seit knapp 25 Jahren journalistisch in der Obersteiermark aktiv und seit 2025 als freiberuflicher Journalist tätig, unter anderem für die Rundschau. In seiner Rubrik "Hackl trifft" lädt er Menschen zum Gespräch, die in der Region viel bewegen und entsprechend etwas zu erzählen haben.

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