Es muss nicht immer Kaviar sein – oder Champagner. Bei den Neuberger Kulturtagen gibt es Schilcher und Verhackertbrot für die Besucher – garniert mit familiärem Charme und einem hochkarätigen Kulturprogramm.
Seit dem Jahr 1977 gibt es die Neuberger Kulturtage, im nächsten Jahr wird der 50er vollgemacht. Seit einem Vierteljahrhundert leitet die gebürtige Neubergerin Gunda Fahrnberger als Geschäftsführerin das Klassikfestival. Ihr zur Seite steht Stefan Vladar als musikalischer Leiter, der seit 1988 als Intendant in Neuberg tätig ist.
Bei den diesjährigen Neuberger Kulturtagen von 11. bis 26. Juli dürfen sich die Gäste auf eine große Bandbreite der Hochkultur freuen – vom Jazz beginnend bis zu einem faszinierenden Liederabend mit Bo Skovhus und Stefan Vladar. „Das Eröffnungskonzert im Neuberger Münster am Samstag, 11. Juli, mit der ,Filharmonie Brno‘ ist sowieso immer ein großes Ereignis. Mit unserem Programm versuchen wir eine möglichst große Publikumsschicht anzusprechen“, sagt Gunda Fahrnberger. Sie selbst freut sich besonders auf die zwei Hauskonzerte: „Im Rahmen eines Leaderprojektes finden zwei niederschwellige Konzerte auf einem Bauernhof sowie in einer Oldtimergarage statt. Studenten der Bergsaiten-Sommerakademie spielen dabei zwei Gratiskonzerte. Damit können wir vielleicht Gäste zur klassischen Musik bringen, die sonst kein Konzert besuchen würden.“
Der Kultur fehlt das Geld
In den mehr als 25 Jahren ihres Wirkens hat sich laut Gunda Fahrnberger nicht viel verändert. „Wir sind gewachsen, aber das wars auch schon. Wir sind unserer Linie stets treu geblieben.“ Zum 50-jährigen Bestehen im nächsten Jahr wird es ein großes Eröffnungsfest geben, auch das 700-Jahr-Jubiläum des Neuberger Münsters wird man ins Programm einbauen. „Wenn uns die öffentliche Hand gut unterstützt, dann wird es große, tolle Dinge in Neuberg zu sehen geben“, so Fahrnberger. Die Finanzierung eines Hochkultur-Festivals ist und bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge: „Es funktioniert nur, weil unter dem Motto ‚Freunde besuchen Freunde‘ hochkarätige Künstlerinnen und Künstler von Weltruf zu durchaus leistbaren Gagen nach Neuberg kommen. Es ist ein Geben und Nehmen im Freundeskreis. Zudem ist es eine sehr familiäre und freundschaftliche Atmosphäre zwischen Musikern und Gästen rund um ein tolles Wirtshaus, dem Gasthaus Schäffer, die einzigartig im österreichischen Konzertgeschehen ist. Schwer wird es, wenn es ums Geld geht. Dankenswerterweise haben wir die Energie Steiermark als Hauptsponsor an Bord und seitens des Landes sind wir im Moment auf einem guten Kurs, weil es erstmalig eine dreijährige Förderzusage gibt. Somit müssen wir nicht jedes Jahr bei Null mit der Budgetplanung anfangen.“ Und weiter: „Im Vorjahr haben wir zum Beispiel erst im Mai erfahren, dass es nur die Hälfte an Förderungen geben wird – und das hat immerhin die Dimension eines Eröffnungskonzertes, ab diesem Zeitpunkt wird es höchst unlustig.“

Jammern hilft uns nicht weiter
Private Sponsoren zu finden ist aktuell fast unmöglich, die goldenen Zeiten in der Kultur scheinen vorbei. Gunda Fahrnberger zeigt sich pragmatisch: „Jammern bringt uns auch nicht weiter, es trifft eh alle. Wir sind nicht die Salzburger Festspiele, bei uns gibt es keinen Champagner und keinen Kaviar, stattdessen Schilcher und Verhackertbrot. Und alle sind hellauf begeistert vom frischen Brot unserer Bäuerinnen. Das schafft Eindruck und bringt Sympathien.“ Stefan Vladar ist übrigens über den im Vorjahr verstorbenen Musikprofessor Michael Lipp, der in Kapellen aufgewachsen ist, nach Neuberg gekommen. Beide haben Orgel studiert und Lipp hat Vladar gebeten, ihn einmal in seine Heimat zu den Neuberger Kulturtagen zu begleiten. Seit dieser Zeit hat ihn Neuberg nicht mehr los gelassen.
Wir sind nicht die Salzburger Festspiele. Statt Champagner und Kaviar gibt es bei uns Schilcher und Verhackertbrot.
Gunda Fahrnberger
Stars, aber keine Superstars
Einen Superstar wie etwa Anna Netrebko wird man in Neuberg nicht sehen. „Es wäre höchst unfair einen Superstar mit hohen Gagen zu holen, während die anderen Künstler für einen Freundschaftsdienst auftreten. Wir bleiben unserer Linie treu. Wiewohl auch schon ein Jonas Kaufmann bei einem Eröffnungskonzert in Neuberg aufgetreten ist, nur hat ihn damals noch kaum einer gekannt“, sagt Gunda Fahrnberger und weiter: „Heuer kommt die gebürtige Neubergerin Antonia Rankersberger mit dem ,Simply Quartett‘ zu uns, die mit ihrem Quartett gerade international Karriere macht; der Grundstein dafür wurde bei den Kulturtagen gelegt – das sind die schönen Dinge des Lebens.“

Von Radio Steiermark bis Ö1
Die spannendste Frage an Gunda Fahrnberger kommt zuletzt: Welche Musik läuft in Ihrem Autoradio? „Wenn ich in Liechtenstein bin (Anm.: Gunda Fahrnberger lebt mit ihrem Mann im Fürstentum Liechtenstein), höre ich Radio Vorarlberg, wenn ich in der Steiermark bin, Radio Steiermark. Ich bin aktiver Radio-Zuhörer, deswegen gibt es immer wieder auch Ö1. Ich bin jetzt aber nicht der Klassik-Freak schlechthin, ich höre alles. Ich gehe gerne in die Oper, war aber unlängst auch bei einem Konzert der Sportfreunde Stiller.
Das Programm der Neuberger Kulturtage gibt es hier





