Mit dem neuen PV5 setzt Kia auf originelle Optik, solide Fahrleistung, viel Platz im Inneren und eine moderate Preisgestaltung.
Die Modellpalette von Kia wächst und wächst. Der jüngste Zuwachs in der koreanischen Markenfamilie ist eine neue Nutzfahrzeugplattform, aus der ein kantiger Familienvan à la VW ID Buzz entspringt. Nun könnte man vermuten, dass sich die Nachfrage an einem Lieferwagen in Grenzen hält. Außer man ist Handwerker, Taxiunternehmer, Mountainbiker oder hat einfach eine große Familie samt Hund, die viel Platz braucht – und schon wird der neue Kia mit einem Mal interessant.
Luft und Space
Der PV5 wird in einer zivilen und einer Cargo-Variante angeboten. Wir waren mit der Familienausführung vom Autohaus Huber in Kapfenberg unterwegs. Mit einer Länge von 4,70 Metern bietet diese Version Platz für fünf Personen mit viel Luft über den Köpfen. Optisch gehört der neue Kia dafür eher in eine spezielle Kategorie. Er erinnert an eine hohe, eckige Kiste, hat aber auch etwas schwer fassbares „Spaciges“. Und was hinsichtlich des Umweltgedankens für ihn spricht: Hier fährt nur Strom und nichts anderes.

Gut in Fahrt
163 PS und ein Drehmoment von 250 Nm hauen einen jetzt nicht vom Hocker, sorgen aber für eine solide Fahrleistung. Der PV5 zieht leise und gelassen an, und die vorhandene Power erledigt die Arbeit ordentlich und ausreichend. Der Koreaner ist eben ein geradliniger Typ, der eher auf Funktionalität als auf Emotion setzt. Die Automatik und die gut abgestimmte Lenkung machen das Fahren zum Genuss, und auch der Wendekreis von nur elf Metern ist sehr hilfreich. Das Fahrwerk ist straff genug, um nicht zu schaukeln, aber nie unkomfortabel. Natürlich sind bei einem Stromer Verbrauch und Reichweite primäres Thema. Für die „Long Range“-Version mit 71 kWh Netto-Akku wie bei unserem Testfahrzeug wird der Verbrauch vom Hersteller mit 19 kWh auf 100 Kilometer und damit eine Reichweite von 412 Kilometern angegeben. Beide Werte sind bei 20 Grad Außentemperatur wohl möglich, wir kamen bei winterlichen Fahrverhältnissen nicht unter 20 kWh. Für den Alltagsgebrauch ist das aber kein Problem, denn hier gilt wie bei allen E-Fahrzeugen: Sanfter Gasfuß und vorrausschauendes Fahren lassen den Verbrauch schrumpfen und die Reichweite wachsen. Ein weiteres Argument für eine gelassene Fahrweise ist außerdem der Umstand, dass bei 135 km/h Schluss ist.
Sauber eingerichtet
Der Innenraum repräsentiert an jeder Stelle die analoge wie digitale Gegenwart: große Displays, aufgeräumtes Interieur, kein Schnickschnack, angenehm hell und luftig. Die Bedienung funktioniert grundsätzlich leicht, Zeit zur Eingewöhnung braucht es kaum. Ein kleines Manko ist die Doppel-A-Säule, die ein wenig ungeschickt ausgefallen ist und die ansonsten auch aufgrund der tief gezogenen Türverglasung gute Rundumsicht mindert. Weiteres Verbesserungspotenzial bietet die fix montierte Dreierrückbank. Ein Vor- oder Zurückschieben ist nicht möglich, was schade ist, denn gerade hier könnte man mit Flexibilität beim Kunden punkten. Dennoch ist das kein Grund zum Jammern, denn die Beinfreiheit ist mehr als ausreichend, ebenso wie der große Laderaum.

Preis und Zeitgeist
Neben der „Long Range“-Version gibt es noch eine Variante mit 51,5 kWh Akkukapazität und 121 PS. Die Preisliste des PV5 beginnt bei 38.190 Euro und endet bei 44.390 Euro. Unterm Strich steht der Koreaner für ein Auto, das außen fast noch kompakt ist und drinnen richtig viel Platz bietet, und das elektrisch ohne jede andere Option. Damit trifft er den Nerv bei all jenen, die Platz, Lifestyle und Qualität zu einem vernünftigen Preis suchen.
| Kia PV5 Long Range | |
|---|---|
| Preis: | ab Euro 42.190,- |
| Verbrauch: | 19,3 KWh laut WLTP (Werksangabe) |
| Leistung: | 120 KW / 163 PS |
| Max. Geschw.: | 135 km/h |
| Abmessungen: | 4695 / 1895 / 1899 mm |
| Gewicht: | 2140 kg |
| In drei Worten: | Platz, Lifestyle, Qualität |
Fotos: PA





