Mit der Liste der Arten des Jahres will der Naturschutzbund auch heuer wieder die Aufmerksamkeit auf bedrohte Tiere und Pflanzen gelegt werden. Tier des Jahres 2026 ist das Mauswiesel.
Auch heuer präsentiert der Naturschutzbund wieder die Liste der „Arten des Jahres“ für Österreich. Zum Tier des Jahres 2026 wurde das Mauswiesel erklärt. Es ist der weltweit kleinste Vertreter der Raubtiere und hat sehr gesunden Appetit: Es frisst jeden Tag rund ein Drittel seines Körpergewichts an Nahrung. Das Mauswiesel gilt als überaus anpassungsfähig und kann deshalb viele verschiedene Lebensräume bewohnen.
Dramatischer Rückgang
Der Schlammpeitzger, der als Wassertier des Jahres ausgewählt wurde, zählt zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Vogel des Jahres ist der Kiebitz. Sein Bestand hat sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als halbiert, weshalb er mittlerweile als potenziell gefährdet gilt. Mit der Wiesen-Glockenblume wurde eine Pflanze als Blume des Jahres bestimmt, die zu den am stärksten rückläufigen Arten unserer Flora zählt. Durch intensive Bewirtschaftung von Wiesen ist sie in vielen Gebieten schon völlig verschwunden. Das Mecklenburgische Schnabeldeckelmoos, das zum Moos des Jahres gewählt wurde, führt oft ein unbemerktes Dasein, sodass es nur sehr mangelhafte Kenntnisse über seine Verbreitung und Gefährdung gibt. Insekt des Jahres ist der Warzenbeißer. Stellvertretend für viele andere Heuschreckenarten spielt er eine immer wichtigere Rolle als Indikatorart für naturschutzrelevante Flächen.

Schnecken, Lurche, Flechten
Das Weichtier des Jahres, die Kleine Walddeckelschnecke, gilt in Österreich wie auch europaweit aktuell als nicht gefährdet, jedoch hat die starke Zunahme von Fichten in den ursprünglichen Mischwäldern einen negativen Einfluss auf den Bestand. Der Alpensalamander wurde zum Lurch/Reptil des Jahres gekürt. Durch seine Wahl soll er als Botschafter für den langfristigen Schutz der alpinen Natur wirken und nicht zuletzt auf die Folgen der globalen Klimakrise aufmerksam machen. Über die Verbreitung der Pazifischen Leuchterflechte, die zur Flechte des Jahres gewählt wurde, liegen nur ungenügende Kenntnisse vor. Da sie offenbar in Ausbreitung begriffen ist, gilt sie als nicht gefährdet.

Grundlos gefürchtet
Mit der Wahl der Streifenkreuzspinne zur Spinne des Jahres soll eine wenig beliebte Tiergruppe ins rechte Licht gerückt werden. Sie kommt in ganz Europa vor und ist bei Spaziergängen und Streifzügen in der Natur fast überall anzutreffen. Mit dem Traxleder Apfel als Streuobstsorte des Jahres will man den Blick auf alle gefährdeten Obstsorten lenken. Er steht sinnbildlich für Vielfalt, Regionalität und das Zusammenspiel von Mensch und Natur. Als stark gefährdet gilt die Zweisporige Stachelspor-Koralle, die zum Pilz des Jahres gewählt wurde. In Österreich gibt es derzeit nur ein bekanntes Vorkommen auf der Südseite des Gaisbergs in Salzburg.

Geteilter Titel
Den Titel Nutztier des Jahres teilen sich das Mangaliza-Schwein, das Turopolje-Schwein und das Tux-Zillertaler Rind. Damit soll auf den hohen Wert alter Landrassen aufmerksam gemacht werden, deren Erhalt eine wichtigen Beitrag zur landwirtschaftlichen Vielfalt und regionalen Identität leistet. Fledermaus des Jahres ist der Kleine Abendsegler. Durch seine sensible Biologie ist er in der modernen Kulturlandschaft einer Reihe von Gefährdungsfaktoren ausgesetzt, weshalb er in Österreich als gefährdet eingestuft ist. Mit dem Salzburger Höhlenflohkrebs als Höhlentier des Jahres steht eine Art auf der aktuellen Liste, die bislang ausschließlich in Österreich nachweisbar ist. Mit seiner Wahl soll der Schutz des Lebensraums Höhle in den Fokus gerückt werden. Einzeller des Jahres ist der Kraken, eine winzige Amöbe mit zahlreichen fadenartigen Armen. Er beeindruckt vor allem durch seine einzigartige Form der Fortbewegung, da er seinen eigenen Zellkörper zerlegt und durch seine Fäden transportiert, um sich an anderer Stelle wieder zusammenzusetzen.

Mineral und Neophyt
Abgerundet wird die Liste der Arten durch das Mineral des Jahres. Dieser Titel geht heuer an den Epidot. Wachstum, Zusammensetzung und Einschlüsse seiner Kristalle liefern der Wissenschaft wichtige Daten über die Entstehung geologischer Formationen. Mit dem Kirschlorbeer als „Alien des Jahres“ findet sich außerdem auch ein Neophyt auf der Liste. Dabei handelt es sich um eine Art, die nicht aus unseren Breiten stammt, sich aber – oft auf Kosten heimischer Arten – etabliert hat. Die ursprünglich aus Südosteuropa und Kleinasien stammende Pflanze ist als Heckengewächs beliebt, richtet aber viel Schaden an. Sie wuchert stark und entzieht anderen Pflanzen Licht und Nährstoffe, zudem sind alle Pflanzenteile giftig, die Früchte sind nur für wenige Vogelarten fressbar.





