Mit dem Projekt „Energie.Digital.Stanzertal“ ist Stanz eine von nur acht österreichischen Gemeinden, die für ein besonderes Förderprojekt ausgewählt wurden.
Die 1700-Einwohner-Gemeinde Stanz war einer der ersten Gemeinden in Österreich, die eine Energiegemeinschaft gegründet hat. Mittlerweile gibt es 6500 Energiegemeinschaften in Österreich, und Stanz möchte dabei als „Role Model“ eine weitere Vorreiterrolle einnehmen. „Was wollen wir eigentlich erreichen? Wir streben auf dem Energiesektor eine möglichst hohe Versorgungssicherheit an, gekoppelt mit einer Preisstabilität, die wir weitgehendst selbst bestimmen können“, erklärt Fritz Pichler die Strategie dahinter. Er war neun Jahre Bürgermeister (BI Stanz) und ist Inhaber des Unternehmens Pichler-Consult und somit erfahrener Projektkoordinator in Sachen UVP-Verfahren und aktiver Motor und Gesamtverantwortlicher in der Umsetzung komplexer Projekte. Er war es auch, der das komplexe Energie-Thema im Jahr 2019 in die Gemeinde gebracht hat.
Energie im Ort besser verteilen
Seit Juni läuft das Projekt „Energie.Digital.Stanzertal“. „Dabei soll es uns gelingen, die vorhandene Energie – sei es aus Wasserkraft, Photovoltaik oder Windenergie – besser im Ort zu verteilen. Strom, der hier erzeugt wird, soll auch hier verbraucht werden“, erklärt dazu Bürgermeister Dieter Schabereiter von der Bürgerinitiative Stanz. Dabei helfen sollen die rund 150 Mitglieder der Energiegemeinschaft Stanzertal. „Mit einem gesicherten Preis von 14 Cent pro Kilowattstunde wirkt sich die Mitgliedschaft auch tatsächlich aus, wobei wir wegkommen wollen von der Diskussion um Cent und Kilowattstunden. Letztendlich geht es um den Kollateralnutzen, um den positiven Nutzen, für die Stanz“, so Fritz Pichler.

Souverän statt autark
Fritz Pichler spricht viel lieber über Energiesouveränität, als über Energieautarkie. „Autarkie bedeutet immer auch, Bretter vorm Kopf zu haben. Wir wollen viel lieber autonom mitmischen.“ Die Bretter vorm Kopf sieht er eher bei den Energienetzbetreibern – diese würden sich behäbig wie Wanderdünen bewegen und Chancen zu wenig erkennen. „Gerade deswegen müssen wir die Eigenversorgung selbst und besser organisieren.“
„Übersetzung“
Rainer Rossegger ist „Ur-Stanzer“ und als Soziologe mit seiner Agentur SCAN bestens mit Prozessen der Stadt- und Regionalentwicklung vertraut; ihm wurde die Rolle des Übersetzers zugeteilt. „Es ist eine sehr komplexe Materie, die es gilt für möglichst alle Bewohnerinnen und Bewohner verständlich aufzubereiten. Die Akzeptanz in der Bevölkerung jedenfalls ist enorm groß.“ Teil des Informationsprozesses ist auch die Bürgerversammlung, die am 5. November stattgefunden hat.
Förderung
Maria Hell leitet die Leader-Aktionsgruppe Mariazellerland-Mürztal, sie erläutert das Projekt zur „Ländlichen Innovations-Partnerschaft“ (LIP), in dem die Stanz als eines von acht Projekten in Österreich Aufnahme gefunden hat. „LIP ist genauso wie Leader eine Fördermaßnahme zur Stärkung des ländlichen Raumes. Das Fördervolumen für die Stanz beläuft sich auf 350.000 Euro, verteilt auf den Zeitraum 2026 bis 2029.“

Details zur Ländlichen Innovations-Partnerschaft (LIP):
Die ländliche Innovationspartnerschaft (LIP) ist eine Fördermaßnahme im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft. Sie unterstützt die Zusammenarbeit von Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen und Branchen, um neue Lösungen entlang von Wertschöpfungsketten in ländlichen Regionen zu entwickeln. Ziel ist die Umsetzung innovativer Projekte in ländlichen Gebieten oder ländlich geprägte Teile größerer Gemeinden. Die Fördersumme ist mit 350.000 Euro gedeckelt. Abgewickelt werden LIP-Projekte in der Steiermark über die Leader-Aktionsgruppe (LAG) Mariazellerland-Mürztal.





