Hackl trifft… den aus Bruck an der Mur stammenden Geschäftsführer der Sporthilfe Österreich Gernot Uhlir.
Gernot Uhlir erzählt im Gespräch im Sporthilfe-Büro am Wiener Rennweg über die Herausforderungen, Geld für Sportler aufzutreiben, über den Stellenwert des Sports und über seine Verbindung zur Obersteiermark.
Markus Hackl: Lieber Gernot Uhlir, wie geht es aktuell der Sporthilfe?
Gernot Uhlir: An sich sehr gut. Als Institution, die seit 55 Jahren besteht, haben wir doch einen großen Bekanntheitsgrad, man kennt unsere Formate wie einst den Sporthilfe-Zehnkampf oder jetzt die Sporthilfe-Gala mit der Wahl der Sportler des Jahres. So gesehen sind wir in einer privilegierten Position – aber wir spüren, dass sich die Sponsoren durchmischen. Die von Krisen betroffenen Branchen fallen weg, dafür kommen neue hinzu.
Hackl: Was ist momentan die größte Herausforderung?
Uhlir: Unsere zentrale Aufgabe ist es, Geld für den Sport aufzustellen, um dann möglichst sinnvoll auf die Sportler aufzuteilen. An sich haben wir nur diese zwei Aufgaben, die aber sehr komplex sind. Wie oben erwähnt, findet eine stärkere Durchmischung statt. Wir sind bemüht, laufend neue Sponsoringformate zu finden. Da hilft uns unsere Kreativität im Team doch sehr, denn sich nur auf die Marke „Sporthilfe“ zu verlassen, würde nicht funktionieren und wäre auch nicht ratsam.
Hackl: Welche Sportlerinnen und Sportler und wie viele werden aktuell gefördert?
Uhlir: Aktuell liegen wir bei 280 Sportlerinnen und Sportler. Das wechselt zwei Mal im Jahr, im Laufe unserer Einstufung, dabei werden Winter- und Sommersportler seperat beurteilt und eingestuft. Gefördert werden generell Olympische Sportarten und dabei ausschließlich Einzelsportler.
Hackl: Wie wird entschieden, wer gefördert werden soll?
Uhlir: Dafür gibt es ein Gremium, das sich aus allen wichtigen Institutionen wie dem Olympischen und Paraolympischen Komitee, Sport Austria, Bundesheer, Polizei, Bundessport GmbH usw. zusammensetzt. Daraus setzt sich unser Beratungsgremium zusammen, die nach unseren strikten Kriterien, die in Gold, Silber und Bronze eingeteilt sind, zu beurteilen haben. Es sind Kriterien, die sich an der Weltspitze orientieren, ein österreichischer Meister alleine reicht nicht. Es gibt dabei immer auch Sportler, die auf der Strecke bleiben, darüber sind wir nie besonders glücklich, aber wir können wir das Geld verteilen, das auch vorhanden ist.
Hackl: Was wird nicht gefördert?
Uhlir: Nicht gefördert werden Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball, Basketball. Ausgenommen sind sogenannte Teams, wie zum Beispiel Beachvolleyball, Bob und Rudern – dabei handelt es sich um Teams mit nicht auswechselbaren Charakteren. Es werden aber auch nichtolympische Sportarten gefördert, sofern das Geld dazu reicht.
Hackl: Du bist 2019 mit dem ambitionierten Ziel angetreten, dass bis zum Jahr 2030 jedes Sporttalent mit der Sporthilfe in Berührung kommen soll. Wie weit ist man diesem Ziel gekommen?
Uhlir: Das ist nicht meine Erfindung, sondern das hat auch schon vorher gegolten. Es kommt immer wieder vor, dass Talente durch den Rost fallen und nicht in den Genuss einer Sporthilfeförderung kommen. Das liegt auch daran, dass wir nicht den kompletten Überblick über alle Sporttalente in Österreich haben. Allein im Tennis würde es zirka 30 Sechzehnjährige geben, die eine Sportförderung verdienen würden. Wir aber haben es uns zur Aufgabe gemacht, uns sehr genau mit den Fachverbänden abzusprechen, eben damit uns niemand entgeht und dementsprechend sind wir diesem Ziel doch schon etwas näher. Ich darf behaupten, dass bei den jüngsten Olympischen Spielen annähernd 85 Prozent aller Medaillengewinner auch Sporthilfeathleten waren. Wir sind auf einem guten Weg.

Hackl: Du siehst die Sporthilfe auch als Schnittstelle zwischen Sport und Wirtschaft. Wie aufgeschlossen steht die Wirtschaft dem Sport in wirtschaftlich angespannten Zeiten gegenüber?
Uhlir: Hier gibt es immer „room for improvement“, sprich Raum für Verbesserungen. An sich gibt es ja kaum ein Unternehmen in Österreich, das nicht den Sport fürs eigene Renommee und für Eigenwerbung als gut funktionierendes Werkzeug nutzen könnte. Das jedoch passiert noch zu wenig in Österreich, dürfte auch damit zu tun haben, dass Österreich keine wirkliche Sportnation ist. Für Unternehmen ist es noch nicht attraktiv genug, in der Werbung auf Sport zu setzen. Wobei der Sport mit seinen Werten und Leistungsansprüchen ein ausgezeichnetes Vehikel für die Werbung darstellt.
Hackl: Wie schaut es mit dem Geldkuchen aus, den es zu verteilen gibt? Wird der Kuchen größer, kleiner, oder bleibt er annähernd stabil?
Uhlir: Er wird eindeutig kleiner. Ein Hinweis dafür sind auch die Kürzungen der Bundessportförderungen, die zwar per se nichts mit der Sporthilfe zu tun haben, aber ein echter Gradmesser sind, wo die Reise hingeht. Die Firmen, die sich für den Sport engagieren, werden auch nicht mehr; falls doch, sind auch hier Budgetkürzungen ein großes Thema. Wir aber jammern nicht, sondern wir werden kreativer.
Hackl: Wobei ich annehme, dass es immer mehr Geld geben könnte?
Uhlir: Ich selbst bin nie richtig zufrieden. Ich bin wahnsinnig froh und stolz, über die Erfolge und Leistungen der Sporthilfe, aber andererseits macht es mich traurig, dass wir zwar 280 Sportler unter Vertrag haben, jedoch der 281. ohne Förderung auskommen muss. Das wird nie zufriedenstellend für uns sein. Wir sind dazu da, um Sportler zu fördern. Ausreden, warum Sportler nicht gefördert werden können, gelten nicht.

Hackl: Wie ist die Sportförderung in anderen Ländern geregelt?
Uhlir: Wir haben Kooperationen mit den Sporthilfeinstitutionen Schweiz und Deutschland, die haben exakt die gleichen Herausforderungen und Probleme wie wir in Österreich. Es ist ein guter Austausch. Gibt es Erfolgsmodelle, so können wir diese ohne weiteres übernehmen, gilt auch umgekehrt.
Hackl: Die Sporthilfe ist ein gemeinnütziger Verein. Präsidentin ist Susanne Riess-Hahn, Vizepräsidenten sind u.a. Horst Nussbaumer, Hans Niessl oder Maria Rauch-Kallat. Wie sehr mischt sich der Vorstand in die Geschäfte der Sporthilfe ein?
Uhlir: Ich sehe unseren Vereinsvorstand eher als Aufsichtsrat, sie lassen sich regelmäßig berichten, mischen sich aber nicht ins tägliche Geschäft ein, das überlassen sie der Geschäftsführung.
Hackl: Wie viele Mitarbeiter sind bei der Sporthilfe beschäftigt?
Uhlir: Wir sind mit acht Mitarbeitern sehr schlank aufgestellt. Wir sind bestrebt, dass möglichst viel Geld an die Sportler geht und wenig Geld für die Verwaltung aufgewendet werden muss. Es ist gewaltig, was diese acht Mitarbeiter alles leisten. Beispielsweise wird die Sporthilfe-Gala mit 1.500 Gästen in der Wiener Stadthalle gänzlich vom Team organisiert, da steht keine Veranstaltungsagentur dahinter. Das gilt für alle anderen Projekte ebenso.
Hackl: Du selbst hat viele Jahre in Bruck Volleyball gespielt. Gibt es noch viel Kontakt zu den ehemaligen Teamkollegen?
Uhlir: Zu wenig. Ich bin seit mehr als 20 Jahren in Wien, habe eine Familie und drei Kinder, im Job wird mir auch nie langweilig, für Freundschaftspflege bleibt wenig Zeit. Ich komme auch kaum dazu, mir einmal ein Volleyballspiel im Fernsehen anzuschauen. Trotzdem sind diese alten Freundschaften, Seilschaften, die ein Leben halten. Wenn ich jemanden von der alten Garde treffe, dann können wir nahtlos an die Begebenheiten vor 25 Jahren anschließen.
Hackl: Eine aktivere Rolle im Sport, beispielsweise als Trainer oder Sportdirektor hätte dich nie gereizt?
Uhlir: Mit meinem Studium zur Betriebswirtschaft habe ich den Weg in Richtung Wirtschaft eingeschlagen, den habe ich auch bei der Sporthilfe nie wirklich verlassen. Der Weg dorthin verlief eigentlich ziemlich linear.
Hackl: Wie viel Sport betreibt eigentlich ein Sporthilfe-Geschäftsführer?
Uhlir: (lacht). An sich zu wenig. Immerhin fahre ich täglich mit dem Rad ins Büro, das sind 30 Minuten hin und 30 Minuten retour. Mit unseren Supersportlern, die wir unterstützen, kann und will ich mich soundso nie vergleichen. Es ist gigantisch, welches Trainingspensum diese Tag für Tag absolvieren. Ich freue mich, wenn ich mich gemeinsam mit meinen Kindern bewegen kann.
Hackl: Wie oft kommst du noch ins Mürztal bzw. nach Bruck?
Uhlir: Zumindest alle paar Wochen. Da meine Frau aus dem Lungau kommt, starten wir dabei stets eine kleine Österreichrundfahrt. Erster Halt ist Bruck, dann geht es durchs Murtal weiter bis ins Salzburgerische.

Zur Person:
Gernot Uhlir (48) ist seit 2019 CEO der 1972 gegründeten Österreichischen Sporthilfe, verheiratet, drei Kinder. Der Betriebswirt war vier Jahre stellvertretender Generalsekretär der Sportunion, danach sechs Jahre bei den Österreichischen Lotterien für Vorstandsangelegenheiten und konzernübergreifende Projekte zuständig. Danach war der gebürtige Brucker Projektleiter für die Olympiabewerbung Innsbruck 2026.





