Am Wochenende wurde der Gamsbestand in drei Bundesländern erfasst, allein im Jagdbezirk Mürzzuschlag waren mehr als 100 Leute beim Zählen im Einsatz.
Die Gams ist im Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU gelistet. Das heißt, sie gehört zu jenen Arten, deren Bejagung an einen „günstigen Erhaltungszustand“ in der jeweiligen Region gebunden ist. Deshalb gehört es zu den Aufgaben der Jägerschaft, den Nachweis zu erbringen, dass die Bejagung tatsächlich mit Blick auf die Nachhaltigkeit erfolgt.
Genaue Erfassung
Die Gamszählung fand am vergangenen Samstag in der ganzen Steiermark sowie in den Nachbarbundesländern Kärnten und Salzburg gleichzeitig statt. Die Konzentration auf den einen Zeitpunkt ermöglicht ein verlässlicheres Ergebnis, weil Mehrfachzählungen anhand der gleichzeitig erstellten Listen besser zugeordnet werden können. Vermerkt werden der Ort und die Uhrzeit des Anblicks, die Wetterbedingungen, die Größe des Rudels, die Anzahl der erwachsenen Tiere, Kitze und Jahrlinge sowie, sofern erkennbar, das Geschlecht und eine genauere Zuordnung in Altersklassen. Allein im Jagdbezirk Mürzzuschlag waren mehr als 100 Jägerinnen und Jäger aktiv an der Zählung beteiligt, wie Bezirksjägermeister Hannes Fraiß und sein Stellvertreter Martin Spreitzhofer berichten. „Punktgenau aufs Stück zu zählen, wäre illusorisch. Aber es geht auch mehr ums Monitoring der Entwicklung, und auch dafür brauchen wir eine möglichst gute Annäherung“, so Fraiß.

„Ein Kilo leichter“
Unabhängig vom zahlenmäßigen Erhaltungszustand ist ein Jahr wie das heurige für das einzelne Tier eine Herausforderung. „Die durchschnittliche Gams ist heuer um zirka einen Kilo leichter“, sagt Hannes Fraiß. Durch Hitze und Trockenheit verholzt die Vegetation früher, die Nahrung ist weniger inhaltsreich. „Das setzt sich zu den Kitzen fort, denn auch die Muttermilch ist dadurch weniger nahrhaft“, sagt Fraiß. Das Ausbleiben von Niederschlägen habe in Höhenlagen einen noch stärkeren Effekt, führt Martin Spreitzhofer aus: „Auf den Bergen haben wir in der Regel nur eine dünne Humusschicht, die wenig Wasser speichern kann.“

Klimaverlierer
Daraus folgt, dass die Gams verstärkt nach unten in die Wälder ausweicht. „Der Waldgams geht es auch in trockenen Jahren besser“, sagt Hannes Fraiß, „aber sie ist natürlich ein zusätzlicher Faktor, was den Verbiss angeht, im Wirtschaftswald genauso wie im Schutzwald.“ Die Gratgams sei definitiv ein „Klimaverlierer“, sagt Martin Spreitzhofer und fügt an: „Heuer haben wir aber bei allen Wildarten festgestellt, dass sie tendenziell weiter herunten standen.“




