Die Kraubather Bäuerin Heidrun Ofner verlor 14 Rinder durch Hundekot auf ihrer Weide, die Landwirtschaftskammer möchte nun Hundebesitzer mehr sensibilisieren.
„Ich bin seit 2008 als Tierärztin tätig, aber sowas habe ich noch nicht erlebt“, sagte die St. Michaler Tierärztin Barbara Wolfger bei einem Medientermin auf dem Hof von Heidrun Ofner in Kraubath. „Anfang Juli hatte eine unserer Kühe eine Fehlgeburt, also verworfen. Drei Tage später passierte das auch bei einer weiteren Kuh und 14 Tage später wieder“, erzählte Heidrun Ofner, die seit 36 Jahren auf ihrem Hof die Milchviehrasse Holstein züchtet. Die halbe Herde der Zuchttiere ist mit gefährlichen von Hunden stammenden Parasiten Neospora infiziert, wie Barbara Wolfger nach Untersuchungen bestätigt. „Vier trächtige Kühe haben ihre Föten bereits verworfen, bei weiteren vier wird ein Verwerfen befürchtet. Ein neugeborenes Kalb ist ebenso infiziert, bei einem weiteren ungeborenen Kalb ist ebenso mit einer Infektion zu rechnen“, sagte Ofner. Insgesamt 14 Tiere sind infiziert.
Durch Futter übertragen
Durch die Exkremente von Hunden können diese Parasiten übertragen werden. „Fressen die Tiere das damit verunreinigte Futter, steht die Gesundheit der Rinder auf dem Spiel. Was sich leicht vermeiden lässt, kann fatale Folgen für die Tiere haben und für die Bauernfamilien einen enormen und unwiederbringlichen Schaden anrichten“, so der Obmann der Bezirkskammer Leoben Richard Judmaier, der den entstandenen Schaden auf rund 35.000 bis 40.000 Euro schätzt.Die infizierten Tiere werden geschlachtet. „Für den Menschen besteht keine Gefahr – sowohl beim Fleisch als auch bei der Milch“, stellte die Tierärztin klar. „Da keine wirksame Behandlung dieser Erkrankung beim Rind existiert, ist besonderes Augenmerk auf vorbeugende Maßnahmen“, sagte Wolfger.

Appell an Hundebesitzer
Die Landwirtschaftskammer ruft daher zu einem respektvollen Miteinander auf. „Wiesen und Weiden sind die Salatschüssel für Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen“, so Richard Judmaier. „Hundekot und Müll im Futter gefährden unsere Tiere – Tierwohl braucht Mitverantwortung“ ist auf den präsentierten Tafeln zu lesen. Kraubaths Bürgermeister Erich Ofner zeigte sich beim Medientermin ebenfalls betroffen vom Vorfall in seiner Gemeinde und fasst die Lösung zusammen: „Einfach den Kot der Hunde aufheben und richtig entsorgen.“
Die „Hundekot-Vergiftung“
Die Neosporose ist eine durch den Einzeller Neospora caninum hervorgerufene Infektionskrankheit bei Haus- und Wildtieren. Sie tritt bei Haushunden auf und kann über den Kot auf Rinder übertragen werden, wo der Erreger Verwerfen bzw. Aborte auslöst. Nach der Aufnahme überwinden die Parasiten die Plazentaschranke und können zu einer Infektion des Gehirns oder des Herzmuskels der Föten führen. Föten sterben dann ab, werden blind oder lebensschwach geboren. Infizierte Föten können gesund geboren werden, stellen aber in Folge eine Infektionsquelle am Betrieb dar.





