Im Gespräch mit Isabella Rohrer, Chefin über 3600 Mitarbeiter, die sich über den ganzen Erdball verstreuen.
Die Rohrer-Gruppe mit Sitz in Niklasdorf gehört zu den größten und profiliertesten Firmen im Industrieservicebereich mit 45 Standorten weltweit und mehr als 3600 Mitarbeitern. Die Geschäftsführerin ist eine Frau: Isabella Rohrer im Gespräch über Familientradition, dem Standortvorteil Obersteiermark und der Schwierigkeit, Mitarbeiter zu finden.
Markus Hackl: Wie geht es der Rohrer Gruppe in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten?
Isabella Rohrer. Ich darf es salopp formulieren: Man sitzt zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite stehen die Kunden, die aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen zum Teil einen massiven Sparkurs fahren müssen und von uns mannigfach Einsparpotenziale sowie effizienzsteigernde Maßnahmen einfordern. Auf der anderen Seite stehen die Mitarbeitenden, die berechtigterweise sagen, alles wird teurer und es bleibt immer weniger vom Lohn übrig. Wir als Unternehmen müssen diese Gratwanderung ausbalancieren: Ohne Kunden kein Auftrag, ohne Mitarbeitende kann man nicht arbeiten.
Hackl: Was sind die maßgeblichen Faktoren für den Betriebserfolg?
Rohrer: Uns kommt zugute, dass wir sehr breit aufgestellt sind. Mit unseren Hauptkunden im Bereich der Petrochemie, der Ölraffinerien, der Stahl- und Papierwerke sind wir zwar sehr industrielastig, erreichen aber mit unserem großen Angebot an Dienstleistungen auch Kommunen, Klein- und Mittelbetriebe sowie teils auch Privatkunden. Ein weiterer positiver Faktor ist, dass wir als Familienbetrieb eine persönlichere Bindung zu den Mitarbeitenden haben, als beispielsweise ein Konzern – das macht uns flexibler.
Hackl: Seit über 50 Jahren ist das Unternehmen im Industrieservicebereich tätig. Industrieservice – was können sich die Leser darunter vorstellen und wer sind Ihre Kunden?
Rohrer: In der Obersteiermark kommen die Kunden vorwiegend aus der Stahlindustrie, der Papierindustrie aber auch Gemeinden und Privatunternehmen. Spannt man den Bogen weiter, so kommen Ölraffinerien und Zellstoffwerke als Kunden hinzu.

Hackl: Was hat den Firmengründer, Ihren Vater, dazu bewogen, sich im Jahr 1975 in diesem Segment selbstständig zu machen?
Rohrer: Damals sind mehrere Zufälle aufeinander getroffen. Er war damals in einem Angestelltenverhältnis und es hat sich die Möglichkeit ergeben, für einen Konzern in Österreich eine Niederlassung zu gründen. Er hat die Chance wahrgenommen und jener Konzern war bis 1991 ein Teilhaber der Firma Rohrer; seit dieser Zeit sind wir zu 100 Prozent ein Familienunternehmen. Unser erstes Betätigungsfeld war die Öltankreinigung; eine Sparte, die wir auch heute noch anbieten.
Hackl: Gilt dieser Beweggrund auch heute noch oder hat sich die Sparte Industrie in diesem halben Jahrhundert massiv verändert?
Rohrer: Unser grundsätzliches Leistungsangebot hat auch nach mehr als 50 Jahren immer noch seinen Bestand, wir haben es nur sukzessive erweitert. Zur Öltankreinigung ist bald die Industriereinigung hinzugekommen. Wir sind stetig gewachsen, haben uns laufend weiterentwickelt und sind stets bemüht, immer am modernsten Stand der Technik zu sein.
Wir werden sicherlich noch weiter wachsen, sind aber sehr darauf bedacht, dass die Firmen auch zu uns passen.
Isabella Rohrer
Hackl: Der Familienbetrieb hat im Laufe der Zeit viele Firmen in ganz Europa übernommen; darunter im Jahr 2009 die Firma Juri in Leoben, weiters Firmen in Deutschland und Österreich; aktuell hält man bei 45 Standorten in Europa und dem Nahen Osten. Ist der Expansionshunger gestillt, oder will man immer noch weiterwachsen?
Rohrer: Wir werden sicherlich noch weiter wachsen, sind aber sehr darauf bedacht, dass die Firmen auch zu uns passen und eine Ergänzung unseres Produktportfolios darstellen. Im vergangenen Jahr ist zum Beispiel ein Unternehmen in Deutschland dazugekommen. Mit diesem Betrieb haben wir seit 25 Jahren zusammengearbeitet. Aufgrund familiärer Gegebenheiten konnte keine Nachfolge gefunden werden und da sind wir eingesprungen.
Hackl: Wie läuft es aktuell mit den Firmenstandorten im arabischen Raum. Wie sehr stört hier der Iran-Konflikt die wirtschaftliche Entwicklung?
Rohrer: Wenn es der Industrie schlecht geht, dann bekommen wir das natürlich auch zu spüren. Da wir aber dank unserer Standortpolitik vor Ort arbeiten, ist es bislang noch nicht allzu dramatisch für uns. Es trifft vor allem Kunden von uns, die vom amerikanischen Markt abhängig sind. Generell ist eine große Verunsicherung spürbar – Projekte werden verschoben und es wird in alle Richtungen gespart. Uns kommt zugute, dass wir auch in der Instandhaltung bei Industrieanlagen tätig sind – werden Aufträge rarer, dann wird vielfach auf die Instandhaltung gesetzt.

Hackl: Mit Industriebau sowie Gerüstbau ist die Rohrer Gruppe auch am Bausektor tätig, aber ist das nicht jener Bereich, der am stärksten von der wirtschaftlichen Stagnation betroffen war?
Rohrer: Aktuell haben wir noch viele bestehende Aufträge, die fertig abgewickelt werden müssen. Gerade Bauprojekte erstrecken sich ja oft über mehrere Jahre. Die Zurückhaltung bei Neuinvestitionen ist zwar spürbar, aber bei weitem noch nicht existenzbedrohend.
Hackl: Mittlerweile sind mehr als 3.600 Mitarbeiter bei Rohrer beschäftigt. Wie schwer oder wie leicht ist es, qualifizierte Mitarbeiter zu finden?
Rohrer: Es ist wahrlich ein Kunststück. Ich frage mich immer, wo sind die vielen qualifizierten Mitarbeitenden? Vor zehn Jahren war es vergleichbar einfach, Mitarbeitende zu gewinnen, jetzt muss man sie mit der Lupe suchen. Es ist eine Situation, die sich nicht nur auf Österreich beschränkt, sondern auf ganz Europa. Wir versuchen jene Mitarbeitende, die schon an Bord sind, ständig weiter auszubilden, sodass ihre Qualifikationen zum Job passen. Für die Mitarbeitenden ergibt sich dadurch auch die große Chance, sich im Unternehmen weiterzubilden und dadurch die Karriere voranzutreiben.
Wir stehen dem Thema KI offen gegenüber, vor allem wenn es zu einer tatsächlichen Arbeitserleichterung führt.
Isabella Rohrer
Hackl: Wie sehr muss man sich im Unternehmen mit Digitalisierung und KI beschäftigen? Automatisierung ist ja sehr wohl ein Thema?
Rohrer: Wir haben KI bei uns im Einsatz, vorwiegend in der IT und im Marketing. Wir stehen dem Thema sehr offen gegenüber, vor allem wenn es zu einer tatsächlichen Arbeitserleichterung führt.
Hackl: Die Firma Juri mit Sitz ebenso in Niklasdorf ist um vier Jahre älter als die Firma Rohrer und hat sich auf Industriereinigung in allen Ausformungen spezialisiert. Wie behauptet sich Juri in dieser Sparte?
Rohrer: Juri hat in der Region einen ausgezeichneten Ruf und ist hier fast bekannter als die Rohrer-Gruppe selbst. Juri ist präsent – man sieht allerorts die Kehrmaschinen und Supersauger. Gepaart mit dem Fleiß der Mitarbeiter und der Betriebsorganisation ist es ein sehr gutes Unternehmen. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung gibt es – so wie bei fast jedem Betrieb – immer Luft nach oben. Wir sind aber zufrieden, so wie es momentan läuft.
Hackl: Sie sitzen mitten im obersteirischen Industrieraum, zusammen mit Oberösterreich das größte metallurgische Kompetenzzentrum Österreichs. Ein Standort, der sich über Jahrzehnte hindurch bewährt hat?
Rohrer: Wir haben ja auch Standorte in Oberösterreich, drittes Zentrum ist Schwechat – auch dort sind wir angesiedelt. Jeder unserer Standorte hat seine Existenzberechtigung, einfach weil man dadurch nahe am Kunden ist. Rohrer ist dort, wo die Industrie sitzt. Es geht ja auch darum, flexibel und schnell beim Kunden zu sein.
Hackl: Den Begriff „Familienunternehmen“ trägt man mit stolz. Was ist aus Ihrer Sicht der wesentliche Unterschied zwischen einem Familienbetrieb und beispielsweise einer Aktiengesellschaft?
Rohrer: In unserem Familienunternehmen steht der Mensch im Vordergrund. Bei uns haben sich über Jahrzehnte die schnellen und kurzen Entscheidungswege bewährt. Für die Betriebsleiter sind wir rund um die Uhr erreichbar und wenn es schnelle Entscheidungen braucht, so bekommt der Mitarbeitende diese auch. Dazu müssen nicht verschiedenste hierarchische Konzernebenen durchlaufen werden, bis es eine Entscheidung gibt.
Probleme hatte ich anfangs nur, dass ich in den Industrieanlagen selten eine Damentoilette gefunden habe, aber auch das hat sich in den vergangenen 25 Jahren zum Besseren gewendet
Isabella Rohrer
Hackl: Eine Frage zu Ihrer Person. Sie sind mehrfache Geschäftsführerin in einer männerdominierten Sparte, wie zum Beispiel bei der Johann Rohrer GmbH Österreich und Deutschland sowie bei der Juri GmbH und der Rohrer Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH. Sie sind seit 2001 im Unternehmen tätig. Dazu zwei Fragen: War es für Sie immer klar, im Familienbetrieb tätig zu sein? Hat man es als Frau schwerer in einer führenden Position, als ein Mann?
Rohrer: Für mich war es schnell klar, dass ich im Familienbetrieb arbeiten möchte. Eine Entscheidung, die mir allein überlassen wurde und mir nicht aufgedrängt wurde. Ich bin jede Abteilung durchlaufen und kenne somit alle Abläufe und bin den Mitarbeitenden vertraut. Beim Arbeiten mache ich keinen Unterschied zwischen Mann und Frau und erwarte mir dieses Verhalten auch von meinem Gegenüber. Ich hatte bislang noch nie das Gefühl, dass ich als Frau anders gesehen werde, als ein Mann. Es geht immer um die Person an sich. Probleme hatte ich anfangs nur dabei, dass ich in den Industrieanlagen selten eine Damentoilette gefunden habe, aber auch das hat sich in den vergangenen 25 Jahren zum Besseren gewendet.

Über die Rohrer Gruppe
Das Unternehmen Rohrer wurde im Jahr 1975 von Johann Rohrer in Proleb gegründet. Im Unternehmen abgedeckt werden sämtliche Industrieserviecebereiche wie Tank- und Kanalreinigungen, industrielle Instandhaltung, Industriereinigung, aber auch Stahlbau, Anlagenbau und Gerüstbau. Mittlerweile umfasst die Gruppe 45 Standorte in Europa und dem Nahen Osten; Firmensitz ist Niklasdorf. Seit 2009 gehört auch die Firma Juri, ebenfalls mit Sitz in Niklasdorf, zur Rohrer-Gruppe. Die Rohrer-Gruppe beschäftigt weltweit mehr als 3600 Mitarbeiter.




