Fünfzig Jahre wird er heuer alt, der Fritz Kristoferitsch, führender Kopf der Edlseer. 33 Jahre davon ist er als Musikant unterwegs. Im Gespräch erzählt er über seine Musikleidenschaft, über Freundschaften und über Birkfeld.
Markus Hackl: Lieber Fritz, wir treffen uns hier beim Steiermarkfrühling in Wien. Als steirischer Markenbotschafter schon ein traditioneller Fixpunkt in eurem vollgestopften Terminkalender?
Fritz Kristoferitsch: Ganz genau. Seit 2001 sind wir hier beim Steiermarkfrühling vertreten, damals waren wir ja fast noch Buben. Immer wenn die Steiermark hier in Wien vertreten ist, ist es für uns wie ein Heimkommen. Ein Steirer zu sein, ist etwas Schönes.
Hackl: Als „Jogler“ fühlt ihr Euch in Wien aber durchaus wohl. Ihr habt viele Auftritte in der Bundeshauptstadt?
Kristoferitsch: Ja, heuer spielen wir mehr als 20 Mal in Wien, so zum Beispiel zusammen mit Monti Beton und Hans Krankl – für uns eine große Ehre, weiters beim Donauinselfest und bei der Kaiserwies’n. Die Steirer sind als Typ, mit ihrer Sprache und mit ihrer Musik in Wien stets willkommen – und das schließt uns scheinbar mit ein.

Hackl: Bleiben wir beim vollgestopften Terminkalender. Ihr spielt ja scheinbar unentwegt, ohne größere Pause. Wie ist so ein Pensum durchzuhalten?
Kristoferitsch: 2019 habe ich gespürt, dass 240 Auftritte im Jahr gesundheitlich doch Spuren hinterlassen. Jetzt haben wir uns auf 100 bis 120 Auftritte eingependelt. Es freut uns, dass wir als Gruppe immer noch gefragt sind und gebucht werden. Und es macht immer noch viel Spaß, auf der Bühne zu stehen
Hackl: Keine Angst, dass ihr euch einmal totspielt? Dass man einerseits das Publikum „überfordert“ und andererseits, dass Ihr selbst die Lust am Musizieren verliert?
Kristoferitsch: Uns hat man bereits vor mehr als einem Vierteljahrhundert davor gewarnt, dass wir uns nicht totspielen sollen. Mittlerweile ist es so lange so gut gegangen, dass ich mittlerweile über diesen Satz nicht mehr nachdenke. Wichtig ist, dass wir selbst die Freude nicht verlieren. Und man denkt über Gesundheit viel bewusster nach, schließlich sind wir keine Zwanzig mehr.
Hackl: Du bist heuer 50 Jahre alt. Ist der 50er eine Zäsur, also ein gravierender Einschnitt in deinem Leben?
Kristoferitsch: 50 ist eine Zahl für mich. es gibt mir jedoch zu denken, wie schnell die Zeit vergeht. Ich viele mich fit, wir haben mit unserem Sohn einen Nachzügler, der heuer zehn Jahre alt wird, ich habe zwei ganz tolle Enkelkinder die mich auf Trab halten – bin also schon Opa – ich bin viel in der Natur draußen. Es ist ein schönes Leben. Als Jugendlicher waren für mich 50-Jährige steinalte Menschen, heute fühle ich mich absolut nicht alt.
40 Jahre müsst Ihr uns schon noch aushalten, dann lassen wir die Jungen auf die Bühne.
Fritz Kristoferitsch
Hackl: Die Edlseer gibt es seit mittlerweile 33 Jahren. Habt ihr für euch ein Ablaufdatum definiert?
Kristoferitsch: Ich hoffe, wir bleiben noch lange gesund. Es kann sich jeden Tag etwas gravierendes ändern. So gesehen will ich nicht zehn oder zwanzig Jahre voraus planen. Ich sage aber immer: 40 Jahre müsst Ihr uns schon noch aushalten, dann lassen wir die Jungen auf die Bühne (lachend).
Hackl: Wärt ihr als Trio ein Ehepaar, so würde die Perlenhochzeit bereits hinter euch liegen. Hat es jemals Trennungsgelüste gegeben, oder die Lust, es als Solokünstler zu probieren?
Kristoferitsch: Das war Gottseidank noch nie ein Thema. Es gab einmal die Situation, als Andreas einen schweren Forstunfall hatte und wir gemerkt haben, dass wir als Trio auch nicht unverwundbar sind. Aber nein, wir passen zu Dritt perfekt zusammen.
Hackl: Ihr macht Volksmusik im Geiste des Edler-Trios, der Stoanis und der Kernbuam. Gab es nie die Versuchung, den Pfad der Volksmusik zu verlassen, so wie es zum Beispiel die Schürzenjäger vollzogen haben?
Kristoferitsch: Die Frage ist ja stets, wo fängt Volksmusik an und wo hört sie auf. Wir kommen von der echten Volksmusik und wir haben damit in den ersten Jahren unseren Erfolg darauf aufgebaut. Mittlerweile spüren wir, dass uns unsere Lieder und unsere Musik weiter entwickeln. Wenn ich unsere Werke hernehme, wie den Rosenblätterwalzer in der Anfangszeit und dem „Es muss ein Steirer sein“ und der „Musikant im Trachtengwand“, dann ist das noch immer eine Einheit. Den Leuten gefällts, uns gefällt es. Dieser Linie bleiben wir treu.

Hackl: Heuer gibt es die Edlseer-Wallfahrt nach Mariazell und das Edlseer-Thermenfestival in Waltersdorf zusammen mit dem Fanwandertag, dazu noch die Fanreise nach Porec. Sind das auch aus eurer Sicht die markanten Eckpfeiler in diesem Jahr?
Kristoferitsch: Für uns hat zwar jeder Auftritt seine besondere Bedeutung, aber es gibt auch Veranstaltungen, wir wir seit mehr als 30 Jahren regelmäßig auftreten, das ist wie Musizieren im eigenen Wohnzimmer. Saisonauftakt ist unser Almfest am 1. Mai, das mittlerweile restlos ausverkauft ist. Der heurige Höhepunkt ist sicherlich das Edlseer-Thermenfestival von 4. bis 6. September knapp vor meinem 50. Geburtstag am 9. September. Mit diesem Festival wollen wir die Menschen bewegen, zum Beispiel mit einer gemeinsamen Oldtimerfahrt von Birkfeld nach Waltersdorf. Dabei wird auch eine Harley Davidson verlost. Verlost wird auch ein Rennrad vom Extremsportler Thomas Mauerhofer, der den gesamten April über zu unseren Konzerten mit dem Rad von Waltersdorf aus anreist. Gestern war er Schladming, heute kommt er noch nach Wien. Der Reinerlös kommt zum Beispiel der Kinderkrebshilfe und für steirische Familien, die Hilfe benötigen. Der größte Wunsch ist, dass uns unsere Fans dabei unterstützen, dass jene, die Hilfe benötigen, diese auch bekommen. Das ist der Zugang zu meinem 50er.
Hackl: Mit der Edlseer-Alm habt ihr euch ein eigenes Veranstaltungszentrum in Birkfeld geschaffen, eingebettet in den Hoamatweg und mit der Hoamatkapelle. Wie wichtig ist dir deine Heimat Birkfeld.
Kristoferitsch: Immer wichtiger. Ich komme immer mehr drauf, dass die Heimat die Ursprung des Lebens mit all seinen Verästelungen ist. Die Edlseer-Alm ist zwar auch ein Veranstaltungsplatz, hauptsächlich soll sie aber als niederschwelliger Rückzugsort dienen, für Menschen und Familien, die nach Ruhe und Entspannung suchen. Ich habe eine große Freude, dass sie sich so gut entwickelt hat und auch gut angenommen wird.
Das Grüßen, Bitte und Danke sagen, sind bei uns am Land schon noch Werte, die groß gehalten werden.
Fritz Kristoferitsch
Hackl: Wie würdest du für dich den Begriff „Hoamat“ definieren?
Kristoferitsch: Heimat ist Ursprung, ein Ort, wo alles Leben entstanden ist. Wobei das Leben stets eine Momentaufnahme ist, Heimalt bleibt jedoch als ewige Konstante bestehen. Durch unsere Erziehung wurden uns Werte wie Zusammenhalten, Hilfsbereitschaft, Nachbarschaft und Freundschaft eingeprägt. Dieses authentisch sein und die Heimatverbundenheit macht auch den großen Erfolg der Edlseer aus. Das Grüßen, Bitte und Danke sagen, sind bei uns am Land schon noch Werte, die groß gehalten werden, die auch noch an die Kinder weitergegeben werden.
Hackl: Welche Musik läuft bei dir im Autoradio?
Kristoferitsch: Alles quer durch den Gemüsegarten, aber hauptsächlich doch Volksmusik. Für mich gibt es nichts Bewegenderes, als spät am Abend mit dem Auto nach Hause zu fahren und ich höre gute, echte Volksmusik. Das ist auch Inspiration für mich.
Hackl: Hast Du einen Lieblingsort in und um Birkfeld? Also einen Ort, der dir Kraft gibt?
Kristoferitsch: In der Corona-Zeit habe ich Birkfeld neu entdeckt und beim Spazierengehen viele unbekannte und wunderschöne Platz’ln entdeckt. Es gibt Orte, wo es einen immer wieder hinzieht, einfach weil man sich dort wohl fühlt. Generell gibt es so viele schöne Orte auf dieser Welt, die noch entdeckt werden wollen. Ich hoffe, dass wir noch lange nach diesen schönen Plätzen suchen dürfen.
Die Edlseer
Manfred Maier, Fritz Kristoferitsch und Andreas Doppelhofer standen vor 33 Jahren zum ersten Mal als „Edlseer Trio“ auf der Bühne (die „Edlseer Spatzen“ gab es sogar schon 1990, als offizielles Gründungsjahr wird aber 1993 geführt). Zwischenzeitlich für einige Jahre zu viert, sind die Edlseer 2019 zur ursprünglichen Trio-Besetzung zurückgekehrt. Mit ihrem 25-Jahre-Jubiläumsalbum „Owa heit do gemma feiern“ schafften sie den Sprung auf Platz eins der Österreichischen Albumcharts. Das Trio wurde mit Musikpreisen überhäuft: 4 Mal Gewinner des Grand Prix der Volksmusik, 20 Goldene Schallplatten, zwei in Platin. Gewinner des Goldenen Mikrophons und des Erzherzog-Johann-Awards; mehrfach für den Amadeus-Award nominiert.
Zur Person
Fritz Kristoferitsch wurde am 9. September 1976 geboren und ist in Birkfeld aufgewachsen. Der gelernte Tischler ist mit Sylvia verheiratet und hat drei Kinder sowie drei Geschwister. Er ist Leadsänger und spielt Posaune sowie E-Bass.

Die Edlseer-Alm
Die heurige Almsaison beginnt mit dem 3. Almfest am 1. Mai (bereits ausverkauft). Weiter geht es am Sonntag, dem 3. Mai, um 13 Uhr mit „Wo die Musi spielt“ mit dem „Almrauschklang“ aus Tirol. Am 2. Juni kommen die Ursprung-Buam auf die Edlseer-Alm. Die Edlseer Alm mit Hoamathaus, Café, Kapelle und Spielplatz ist leichter erreichbar, als der Name vermuten ließe. Das Areal befindet sich nämlich direkt in Birkfeld unmittelbar an der B72. Die Alm ist Ausgangspunkt der zwölf Kilometer langen Rundwandertour Edlseer Hoamat-Weg..
Zum Reinschauen; der Vogeltanz in Edlseer-Manier:





