Das Mürztaler Jägerseminar hat seit 25 Jahren Tradition, heuer lockte es mit besonders spannenden Themen mehr als 300 Gäste ins VAZ Krieglach.
Abschusspläne, die Gamsjagd und rechtliche Rahmenbedingungen der Jagd waren die Themen des diesjährigen Jägerseminars, zu dem die Zweigvereine Mürzzuschlag und Kindberg des steirischen Jagdschutzvereins, das Jagdamt Mürzzuschlag und die Forstliche Ausbildungsstätte Pichl gemeinsam nach Krieglach luden. Das Programm weckte großes Interesse, mehr als 300 Jägerinnen und Jäger hatten sich im Veranstaltungszentrum eingefunden.
Plan ohne Behörde
Wildbiologe Robin Sandfort referierte zum Thema Abschussplan und berichtete von Ansätzen in deutschen Bundesländern, ohne behördliche Vorgaben auszukommen. In Baden-Württemberg beispielsweise wird ohne gesetzlichen Abschussplan gejagt, auch Bayern tendiere in diese Richtung, so Sandfort. „Die jagdlichen Ziele werden bilateral zwischen dem Grundbesitzer und dem Jäger vereinbart“, sagte er. Und diese könnten dann durchaus ganz anders formuliert sein, fernab reiner Zahlentabellen. „Etwa, dass man eine bestimmte Verjüngung gemeinsam hochbringen will“, so Sandfort.

Gams-Thesen
„Der günstige Erhaltungszustand: Basis für erfolgreiches Wald-Wild-Management“, lautete der Titel des Vortrags der Wildbiologin Christine Miller, die als NGO-Vertreterin beim Jagdseminar nicht unbedingt zu einem Fanclub sprach. „Ich habe den Titel vorsichtig gewählt, er hätte auch lauten können: Schafft die EU die Gamsjagd ab?“, so Miller. Die Unterscheidung zwischen Gratgams und Waldgams lehnt sie entschieden ab.
Schauen Sie sich Wildruhegebiete in Italien, Frankreich und der Schweiz an. Wenn Sie da als Wanderer reingehen, blechen Sie im Tausenderbereich.
Christine Miller
„Wir müssen die Gams im Wald besser managen und dulden, los werden wir sie nimmer“, sagte sie. Zudem sei die Gams kein Gebirgstier – „sie ist dort, wo es steil und felsig ist, aber das hat ja mit Seehöhe nichts zu tun.“ In tatsächlichen Höhenlagen fordert sie ein Wildruhegebiet je Gebirgsstock. „Schauen Sie sich das in Italien, in Frankreich und der Schweiz einmal an. Wenn Sie da als Wanderer reingehen, blechen Sie im Tausenderbereich“, so Miller.

„Brauchen Kompetenz“
Die Geschäftsführerin der steirischen Landesjägerschaft Marion Kranabitl-Sarkleti ging in ihrem Beitrag auf den mitunter kniffligen rechtlichen Rahmen ein, in dem sich die Jäger bei der Ausübung ihrer Tätigkeit bewegen. Die Jagd sei im Grunde hochverantwortliches Verwaltungshandeln, jedoch eben nicht am Schreibtisch, sondern im freien Gelände. „Allein daraus ergeben sich Reibungspunkte und Zielkonflikte. Letztendlich brauchen wir sowohl rechts- als auch jagdpraktische Kompetenz, und zwar wechselweise auf allen Ebenen, bei den Jägern ebenso wie bei den Behörden“, sagte sie.

Prominent besucht
Nach den Referaten stellten sich die Vortragenden gemeinsam mit dem Mürzer Bezirksjägermeister Hannes Fraiß einer Diskussionsrunde unter der Moderation des Leiters der Ausbildungsstätte Pichl Martin Krondorfer. Unter den aufmerksamen Zuhörern waren unter anderen Landesjägermeister-Stv. Burkhart Thierrichter, Landesforstdirektor Michael Luidolt, die Bezirksjägermeister Anton Karlon (Bruck) und Wolfgang Neubauer (Leibnitz), Geschäftsführerin Andrea Schrittwieser und Vizepräsident Anton Fürst vom Jagdschutzverein und der Bundesleiter der Landjugend Markus Buchebner, als Mitarbeiter von Landesrätin Simone Schmiedtbauer mit den Themen Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei betraut.






