Kardiologe und steirischer Ärztekammerpräsident Michael Sacherer gibt Tipps zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Rund 35 Prozent aller Todesfälle in Österreich sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Schätzungen zufolge leidet etwa ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung an Bluthochdruck, vielfach ohne es zu wissen. Dabei wären viele dieser Erkrankungen durch Prävention vermeidbar, Bewegung spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Oft unbemerkt
„Ein erhöhter Blutdruck bleibt oft lange unbemerkt, ist aber einer der gefährlichsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall“, sagt Michael Sacherer, Kardiologe und Präsident der steirischen Ärztekammer. „Besonders alarmierend ist, dass laut einer Studie bereits jeder fünfte männliche Jugendliche in Österreich an Bluthochdruck leidet. Der Grund liegt häufig in einem ungesunden Lebensstil mit Bewegungsmangel, Übergewicht und schlechter Ernährung.“
Bewegung als Schlüssel
Bewegung spielt überhaupt eine Schlüsselrolle. So zeigen internationale Studien, dass bereits weniger Sitzen und mehr Aufstehen helfen kann, den Blutdruck deutlich zu senken. „Herzgesundheit beginnt im Alltag. Wer regelmäßig aufsteht, auch nur für ein paar Minuten, senkt seinen Blutdruck messbar, vergleichbar mit der Wirkung mancher Medikamente. Der Körper kommt in Bewegung, die Gefäße werden aktiviert, das Herz entlastet“, so Sacherer. Schon fünf Minuten Stehen oder Gehen pro halbe Stunde Sitzen kann laut aktueller Forschung den systolischen Blutdruck um bis zu 9 mmHg senken – ein Effekt, der in der Langzeitprävention bedeutsam ist.
Risikofaktoren
Die wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Bewegungsmangel, Bluthochdruck, Übergewicht (insbesondere in Form von viszeralem Bauchfett), ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel, Diabetes Typ 2, Rauchen sowie chronischer Stress. Diese Faktoren wirken oft gemeinsam und verstärken sich gegenseitig, wodurch das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Erkrankungen deutlich steigt. „Vor allem durch regelmäßige körperliche Aktivität können mehrere Risikofaktoren gleichzeitig reduziert werden, etwa Bluthochdruck, Insulinresistenz und Gewicht. Bewegung ist damit eine Art ‚Multitherapie‘ ohne Nebenwirkungen“, sagt Sacherer. Und wie hoch soll die Bewegungsdosis sein? Die WHO empfiehlt mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche mit mittlerer Intensität oder 75 Minuten mit höherer Intensität, idealerweise verteilt auf mehrere Tage.
Präventionsmaßnahmen
Die steirischen Ärztinnen und Ärzte rufen dazu auf, schon mit kleinen Schritten das Herz zu entlasten. Dabei gilt: Jede Bewegung zählt, auch ein flotter Spaziergang, Radfahren oder Tanzen verbessern die Herzgesundheit. Darüber hinaus sollten die Sitzzeiten reduziert werden. „Sitzen ist das neue Rauchen“, sagt Michael Sacherer. Es empfiehlt sich, alle 30 bis 60 Minuten aufzustehen, etwa beim Telefonieren, aber auch beim Fernsehen oder im Büro. Regelmäßige Blutdruckmessungen verringern das Risiko ebenfalls. Das empfiehlt sich schon ab einem Alter von 18 Jahren, zum Beispiel bei der jährlichen Vorsorgeuntersuchung. Ebenfalls ganz wichtig ist ein möglichst rauchfreies Leben, Rauchen verdoppelt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Unterstützt werden die Präventionsmaßnahmen außerdem durch gesundes Essen, das heißt: viel Gemüse, wenig Zucker, weniger rotes Fleisch. Auch der Salzkonsum sollte unbedingt reduziert werden. Weniger salzen hat sogar schon innerhalb weniger Tage einen senkenden Effekt auf den Blutdruck. Und natürlich unterstützt Stressabbau bei der Regulierung des Blutdrucks. Bewegung, soziale Kontakte und Entspannung können dabei maßgeblich helfen.





