Der Gemeinderat von St. Barbara sprach sich am Freitagabend einstimmig für den Verkauf des Schigebiets Veitscher Brunnalm aus. Neue Eigentümer werden Magret Kraischek und Michael Stoppacher.
„Heute ist ein wichtiger Tag“, sagte Bürgermeister Arno Russ in seinen einleitenden Worten bei der Gemeinderatssitzung von St. Barbara. Dies spiegelte auch das Besucherinteresse im Saal des Veitscherhofs wider, der bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt war. Schließlich beschloss der Gemeinderat St. Barbara an diesem Abend den Verkauf der Freizeitbetriebe Veitsch GmbH um zwei Euro an die Neuberger Unternehmerin Magret Kraischek und den Gemeindemitarbeiter Michael Stoppacher. „Zwei Euro klingt nicht viel, doch es handelt sich um einen schwer defizitären Betrieb. Wir sind froh, dass zwei Mürztaler bereit sind, hier zu investieren und ihr Herzblut hineinstecken“, so Russ, der über eine lange Investorensuche berichtete. Mehr als ein Jahr war man national und sogar international auf der Suche.

Mindest-Betriebsdauer von drei Jahren
Vor der Beschlussfassung erläuterte Rechtsanwalt Alexander Painsi die Eckpunkte des Vertrags, den die Gemeinde mit den beiden Käufern schließen wird. Mit 1. November 2026 übernehmen Kraischek und Stoppacher den Betrieb. Die Gemeinde sichert zu, dass die Anlagen betriebsfähig sind. Das Käuferduo dahingegen legte ein Konzept für den langfristigen Betrieb vor und verpflichtet sich, den Betrieb für mindestens drei Jahre weiterzuführen. Dazu zählen unter anderen der Betrieb der Lifte und der Gastronomie, der Erhalt von Arbeitsplätzen und die Bewirtschaftung der Parkfläche. Bei einem Verstoß, sprich einem früheren Ende des Betriebs, ist eine Pönale in Höhe von 250.000 Euro fällig. Zudem ist ein Investitionsplan für diese drei Jahre enthalten.

Land und Gemeinde übernehmen Schulden
Das Land Steiermark übernimmt die Schulden der Freizeitbetriebe Veitsch in Höhe von 4,5 Millionen Euro, die mittels Kredit in den kommenden zehn Jahren zurückbezahlt werden. Die Gemeinde kommt für die entstehenden Zinskosten auf. „Die Bank verzichtete dankenswerterweise auch auf einen großen Teil des offenen Darlehens, ansonsten wäre diese Summe noch höher“, erklärte Arno Russ.

Stimmen der Fraktionsführer
Nach der Erklärung des Vertrags und der Vorgehensweise kamen die Fraktionsführer und in weiterer Folge auch andere Gemeinderäte zu Wort. „Es ist eine große Chance für den Fortbestand und weitere Investitionen auf der Alm“, sagte FPÖ-Vizebürgermeister Ernst Ebner. Ähnlich positiv sah es auch SPÖ-Fraktionsführer Jochen Jance: „Es ist wichtig, dass der Betrieb weitergeht. Auch wenn wir mit dem Vertrag nicht zur Gänze einverstanden sind, wollen wir jetzt kein politisches Hickhack. Dafür ist die Alm einfach zu wichtig.“ Zwei Punkte erläuterte anschließend SPÖ-Vizebürgermeister Christoph Bammer, der auf noch mögliche zusätzliche Kosten für die Gemeinde hinwies. „Noch vor kurzem haben wir im Gemeinderat einen Zuschuss in Höhe von 300.000 beschlossen, um noch offene Rechnungen zu zahlen. Zudem wird es wohl auch noch Rückstellungen des Personalaufwands zu begleichen geben“, so Bammer. Kritisch sah er auch die „kurze Betriebspficht von drei Jahren und die niedrige Pönale von 250.000 Euro. Das birgt die Gefahr, dass früher Schluss ist. Denn sämtliche Investitionen der neuen Eigentümer werden zudem von der Pönale abgezogen“, sagte der SPÖ-Vize. „Natürlich wären fünf Jahre und eine höhere Pönale besser für uns als Gemeinde, aber was wäre die Alternative? Es waren schwere Verhandlungen und wir sind froh, dass wir Käufer gefunden haben“, entgegnete ÖVP-Bürgermeister Russ.

Camping, Radeln und Wallfahrer
Das Konzept der neuen Eigentümer sieht unter anderen die Schaffung von Camping-Stellplätzen auf dem hinteren Parkplatz vor. Zudem sollen Jurten für Wallfahrer errichtet werden und auch für Radfahrer soll ein Angebot geschaffen werden. „Doch jetzt gilt es erstmals alles für die Wintersaison vorzubereiten“, sagte Margret Kraischek nach der Sitzung. „Schließlich möchten wir Anfang Dezember in die Saison starten, sofern natürlich die Witterungsbedingungen und der Schnee mitspielen“, sagte ihr Geschäftspartner Michael Stoppacher. Rund 1,3 bis 1,5 Millionen Euro möchten die beiden neuen Eigentümer in den kommenden drei Jahren auf der Brunnalm investieren.

Kirtag zum Kennenlernen
Am Sontag, dem 18. Oktober, findet im Veitscher Ortszentrum der traditionelle Herbstkirtag statt. „Wir sind mit einem Stand dabei und laden alle ein, vorbeizuschauen. Wir informieren hier gern über unsere Pläne und beantworten alle offenen Fragen“, so Kraischek. „Und auch der neue Pächter des Gastronomiebetriebs Gams ist vor Ort und stellt sich vor.“ Zudem gibt es eine spezielle Saisonkarten-Aktion im Rahmen des Kirtags.
Land ist am Zug
Nach dem Gemeinderatsbeschluss muss auch noch das Land zustimmen, um den Deal wirklich fixieren zu können. Für die aufsichtsbehördliche Genehmigung benötigt es einen Beschluss der Landesregierung, dieser ist in der kommenden Woche geplant.




