Strom statt Koks, Schrott statt Erz – die Voestalpine stellt die Stahlproduktion von Hochofen und Konverter auf Elektrolichtbogenofen um.
Die Voestalpine will Stahl an ihren Standorten Leoben-Donawitz und Linz mittelfristig mit nur noch einem Zehntel des bisherigen CO2-Ausstoßes herstellen. Die Produktion wird auf Elektrolichtbogenöfen umgestellt, das aktuelle Hochofen- und Konverterverfahren wird schrittweise zurückgefahren. In knapp einem Jahr wird der Elektroofen in einer ersten Ausbaustufe in Donawitz in Betrieb gehen. Die Stilllegung des ersten der beiden Leobener Hochöfen wird bis 2029 erfolgen. Der zweite Hochofen sowie auch die Sinteranlage (zu ihr gehört der markante Donawitzer Schlot, Anm.) werden ab 2030 ebenfalls zurückgefahren, bleiben jedoch noch einige Jahre bestehen und werden als Backup betriebsbereit gehalten.
Volle Kapazität ab 2030
„Wir sind in allen Bereichen im Plan“, sagten Voestalpine-Vorstandsvorsitzender Herbert Eibensteiner und Vorstand Franz Kainersdorfer bei einem Pressetermin in Leoben. Stahl Donawitz gehört zu der von Kaindersdorfer verantworteten Metal Engineering Division des Konzerns. Ab Mitte 2027 kann die neue Anlage in Donawitz rund 850.000 Tonnen Stahl pro Jahr produzieren. Mit der Ausweitung bis 2030 werden es rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr sein, oder anders gesagt, der gesamte Output des Standorts. Bis dahin laufen Elektrolichtbogenofen- und Hochofenproduktion quasi als Hybridmodell. Eibensteiner betonte, dass im Zuge der Umstellung keinerlei Kündigungen vorgesehen seien.

Strom statt Koks
Die CO2-Einsparung ergibt sich logisch aus der Energiequelle. Die Hochöfen werden mit Koks befeuert, die Elektrolichtbogenöfen mit 33 Kilovolt Strom. Dafür hat die Verbund-Tochter Austrian Power Grid eine neue 220-kV-Anbindung vom Umspannwerk Hessenberg in St. Peter-Freienstein nach Donawitz gebaut, über zwei neu errichtete Umspannwerke wird der Strom für den Werksbetrieb umgewandelt. „Voestalpine Greentec Steel ist das größte Klimaschutzprogramm Österreichs“, sagte Vorstandsvorsitzender Eibensteiner. Allein der erste Schritt mit der Stilllegung von je einem Hochofen in Donawitz und Linz wird die CO2-Emissonen ganz Österreichs (!) um fünf Prozent senken. Das Investitionsvolumen allein dafür beträgt rund 1,5 Milliarden Euro.

Schrott als Rohstoff
Die Umstellung der Technologie macht Donawitz künftig vom Hütten- zum Umschmelzwerk. Denn während der Hochofen mit Erz gefüttert wird, dient beim Elektrolichtbogenofen zu 80 Prozent Schrott als Vormaterial. Das verbleibende Fünftel sind vorreduzierte Erzpellets, Hauptbezugsquelle wird laut Kainersdorfer vorerst der konzerneigene Standort Corpus Christi in den USA sein. Die Verhüttung bzw. Reduktion des Siderits vom Erzberg soll in Zukunft mit Wasserstoff als Energiequelle geschehen – in Linz wurde dafür eine Pilotanlage errichtet.

Bau bei vollem Betrieb
Kainersdorfer sprach auch die logistischen Herausforderungen bei der Errichtung der neuen Anlagen an. „Wir bauen ein neues Stahlwerk innerhalb eines Stahlwerks bei laufendem Betrieb“, sagte er und fügte an: „Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die seit Baustart an Greentec Steel mitarbeiten, insbesondere dem rund 100 Personen umfassenden Projektteam.“ Für die Bauphase hat die Voestalpine rund 100.000 Quadratmeter Lagerfläche rund ums Werksgelände geschaffen bzw. angemietet.





