Harald Holzgruber, Inhaber des Brucker Anlagenbauers Inteco, wettert gegen ein schwache EU, freut sich auf „grünen Stahl“ und kämpft um ein starkes Bruck.
Das Brucker Unternehmen Inteco hat sich im Industrieanlagenbau international etabliert und engagiert sich stark als Forschungspartner für Zukunftstechnologien in der Stahlindustrie. Eigentümer Harald Holzgruber ist zudem auch seit vielen Jahren eine fixe Größe in der heimischen Sport-, speziell der Tennis-Szene. Und er hat den Bruckerinnen und Bruckern in diesem Winter den Eislaufplatz auf dem Hauptplatz spendiert.

Der Kindberger Markus Hackl ist seit knapp 25 Jahren journalistisch in der Obersteiermark aktiv und seit 2025 als freiberuflicher Journalist tätig. Für die Leserinnen und Leser der Rundschau bittet er Menschen zum Gespräch, die in der Region viel bewegen und entsprechend etwas zu erzählen haben.
Markus Hackl: Lieber Harald Holzgruber, wie geht es dem Industrieanlagenbauer Inteco im Jahr 2026, in Zeiten einer schwächelnden Industrie, zumindest in Österreich?
Harald Holzgruber: Tatsächlich geht es uns gut. Die Industrie schwächelt ja nicht auf der ganzen Welt, es ist eher ein von Europa selbst verursachtes Problem durch einen überbordenden Regulierungswahn. Uns kommt zugute, dass wir über ein sehr breites Produktportfolio verfügen und sehr international agieren. Wir sind somit nicht abhängig von wirtschaftlichen Entwicklungen in Regionen und Ländern.
Ich bin ein glühender Europäer. Mich stört die Art und Weise, wie das Projekt EU umgesetzt wird.
Harald Holzgruber
Hackl: Man hört Kritik an der EU heraus?
Holzgruber: Nicht falsch verstehen, ich bin ein glühender Europäer. Mich stört die Art und Weise, wie das Projekt EU umgesetzt wird. Durch die oben erwähnte Überregulierung werden Freiheiten für Bürger und Unternehmer massiv eingeschränkt. Dabei sollten doch Behörden, beginnend in Brüssel bis hinunter zum kleinsten Gemeindeamt, Dienstleistungseinrichtungen sein und dem Wohl des Bürgers dienen.
Hackl: Wie sehr beeinflussen die Zoll-Eskapaden eines US-Präsidenten und der Angriffskrieg Russlands das Geschäftsfeld von Inteco?
Holzgruber: Natürlich sind wir betroffen. Bis 2022 war Russland für uns ein sehr interessanter Markt. Vor rund 15 Jahren haben wir begonnen, diesen Markt zu bearbeiten und er hat sich über die Jahre ausgezeichnet entwickelt – mit dem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 war jedoch schlagartig Schluss mit unserem Engagement in Russland. Von unserem Gesamtumsatz hat Russland immerhin 15 bis 20 Prozent ausgemacht. Wir haben jedoch begonnen, uns schnell auf andere Märkte wie beispielsweise Südamerika oder Asien zu konzentrieren. Dadurch hat uns der Wegfall von Russland nicht allzu sehr belastet. Zu den USA möchte ich anmerken, dass immer so groß herausgestrichen wird, das Amerika Österreichs zweitgrößter Handelspartner nach Deutschland sei. Diese Aussage ist insofern irreführend, als sie die Vereinigten Staaten mit ihren 50 Bundesstaaten mit Einzelstaaten wie Deutschland und Italien vergleichen. Wenn, dann sollte man Europa mit den USA vergleichen. Die Exportquote Österreichs in die USA betragen 8,5 Prozent, knapp vor Italien mit über 6 Prozent und jedoch deutlich hinter Deutschland mit fast 30 Prozent.

Hackl: Inteco engagiert sich stark im Forschungsbereich, hervorzuheben ist die Partnerschaft mit der Montanuniversität Leoben. Erst kürzlich wurde dort das neue Christian Doppler-Labor eröffnet; auch im neuen Forschungszentrum für Wasserstoff und Kohlenstoff ist ihr Unternehmen als Partner mit an Bord. Wie weit ist man auf dem Weg zum „grünen Wasserstoff“ und zum „grünen Stahl“.
Holzgruber: Wir sind zusammen mit der Montanuniversität auf einem guten Weg, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns. Realistischerweise kann man davon ausgehen, dass wir in zwei oder drei Jahren in der Lage sein werden, auf entsprechenden Anlagen „grünen“ Wasserstoff zu erzeugen.
Hackl: Wie wichtig sind für Inteco solche strategischen Partnerschaften. Bis zur Realisierung solcher Anlagen ist es doch noch ein weiter Weg?
Holzgruber: Diese Partnerschaften sind enorm wichtig. Wir leben in einem Hochpreisland und wir können am Weltmarkt nur dann reüssieren, wenn wir uns ständig weiterentwickeln und wir in der Lage sind, Anlagen und Technologien anzubieten, die weltweit einzigartig sind und einen wirklichen Mehrwert für den Kunden bieten. Erst durch diesen Mehrwert ist der Kunde auch gewillt, einen höheren Preis zu zahlen. Diesen Preis braucht es, damit wir wiederum unsere Mitarbeiter bezahlen können.
Hackl: Inteco wurde 1973 von ihrem Vater Wolfgang in Bruck gegründet. Seit 1973 hat sich die Stahlindustrie doch sehr wesentlich verändert. Der Standort in Bruck passt immer noch für ein mittlerweile global agierendes Unternehmen?
Holzgruber: Bruck ist ideal für uns, weil die Obersteiermark ist die große Eisen- und Stahlregion Österreichs und das seit mehr als 500 Jahren mit dem Erzberg als Grundlage. Alle maßgeblichen Stahlwerke sind hier vertreten und natürlich auch die Ausbildungsstätten – die sind für uns das wichtigste, sowohl die Montanuniversität, als auch die Höheren Technischen Lehranstalten rundherum. Solange wir in der Lage sind neue Produkte zu entwickeln und diese am Markt zu platzieren, sehe ich für diesen Standort kein Problem.
Mir liegt die Stadt am Herzen. Ich bin hier aufgewachsen, bin hier zur Schule gegangen, ich lebe hier.
Harald Holzgruber
Hackl: Sie engagieren sich ja auch für die Entwicklung der Stadt Bruck. Sie haben den Kunsteislaufplatz am Hauptplatz finanziert, der in diesen Tagen abgebaut wird, aber auf enormes Publikumsinteresse gestoßen ist. Warum dieses Engagement?
Holzgruber: Mir liegt die Stadt am Herzen. Ich bin hier aufgewachsen, bin hier zur Schule gegangen, habe studiert, ich lebe hier. Gottseidank geht es dem Unternehmen gut, und insofern war es mir ein Anliegen, einen positiven Impuls für die Region und vor allem für Bruck zu setzen. Mir liegt zudem viel an der Jugend und jeder Beitrag, die Jugend zu mehr Bewegung zu animieren, ist so enorm wertvoll.
Hackl: Wird es eine Wiederholung geben?
Holzgruber: Ich denke schon. Wir werden alsbald mit der Stadtgemeinde ausloten, was es für eine Wiederholung brauchen würde, was könnte man besser machen. Prinzipiell aber denke ich, dass die Stadtgemeinde Interesse hat, und wir sind auch gewillt, dass dieses Projekt fortgeführt wird.

Hackl: Mitarbeiter werden stets gesucht – Inteco positioniert den Stahlarbeiter als Superhelden der Stahlwelt. Gelingt auch hier die Transformation zu einem cooleren Image – weg vom einst grauen Alltag eines Werksarbeiters?
Holzgruber: Unsere Mitarbeiter sind zwar keine klassischen Stahlkocher, aber junge Mitarbeiter die aus der Schule oder dem Studium kommen, erhalten bei uns die Chance auf der ganzen Welt herumzureisen, andere Länder und fremde Kulturen kennenzulernen und auch spannende, technische Herausforderungen zu meistern. Demnach passt das Image des coolen Superhelden gut zu uns.
Hackl: Wird Inteco ein Familienunternehmen bleiben?
Holzgruber: Aus heutiger Sicht ja. Mein Sohn ist eben in die Firma eingestiegen, die nächste Generation ist bereits mit an Bord. Wir werden daran nichts ändern, wobei es immer wieder zu Beteiligungsanfragen von Firmen kommt. Diese Schreiben aber landen stets im Papierkorb.

Hackl: Sie sind auch Obmann des Brucker Tennisvereines. Mit einer großen Gewichtung auf den Nachwuchsbereich zusammen mit der Steve-Rettl-Academy beschreitet man durchaus auch neue Wege im Tennissport?
Harald Holzgruber: Ich sehe mich als unterstützendes Organ, das im Hintergrund Arbeit. Die tatsächliche Vereinsarbeit leistet mein Sohn Thomas als geschäftsführender Obmann sowie die restlichen Vorstandsmitglieder. Ich glaube an den Verein und bin überzeugt, dass wir in eine gute Richtung steuern. Wir planen zwei neue Freiluft-Hardcourts in Kombination mit einer Flutlichtanlage, um sowohl die Attraktivität der Sportanlage zu erhöhen wie auch die Saison zu verlängern. Wir sind immerhin die größte Tennisanlage der Steiermark und wir dürfen heuer im August die österreichischen Jugendmeisterschaften im U12-, U14- und U16-Bereich austragen.
Hackl: Wie oft kommen Sie selbst zum Tennisspielen?
Holzgruber: Ich verfüge über ein Abo, im Winter spiele ich einmal in der Woche in der Halle. Tennis ist für mich ein Wintersport. Den Sommer verplane ich mit anderen Aktivitäten.

Zur Person
Dr. Harald Holzgruber hat die Montanuniversität Leoben absolviert und ist seit 1997 Geschäftsführer bei Inteco. Mittlerweile leitet er die übergeordnete Inteco-Holding GmbH.
Zum Unternehmen
INTECO steht für International Technical Consulting und wurde im Jahr 1973 von Wolfgang Holzgruber und Ludwig Schwarz in Bruck (damals noch am Standort in der Bahnhofstraße) gegründet. Seit 1984 ist das Unternehmen am heutigen Standort in der Wiener Straße angesiedelt. Inteco beschäftigt in Österreich 150 Mitarbeiter, weltweit sind es 250 – mit Standorten in Tschechien, Italien, Indien, China und den USA.




