Erwin Kappel verbindet Handwerkstradition und Social-Media-Kultur. „Hallo, große Welt“, lautet der Gruß des Tierpräparators an seine 68.000 Follower, die ihn für Authentizität und kernige Sprüche schätzen.
Dass traditionelles Handwerk und Social Media sehr gut Hand in Hand gehen können, stellt der Präparator Erwin Kappel aus Kammern unter Beweis. Als „Influrator“ kennt man ihn auf der Plattform Instagram, auf der er aktuell rund 68.000 Follower hat. Seit zwei Jahren flimmert der 39-Jährige über die Handybildschirme seiner Fangemeinde, mit Einblicken in die Werkstatt, aber auch ins Privatleben, und immer wieder auch mit kernigen Sprüchen.
Kein Heile-Welt-Kanal
„Zu Beginn waren es 150 Follower, und da habe ich auch nur ein paar Fotos hergezeigt. Es hat ein Zeiterl gedauert, bis ich mich das mit den Videos getraut habe“, so Kappel. „Hallo, große Welt!“, lautet seitdem sein immer gleicher Gruß am Beginn seiner Beiträge. Das Echo sei fast durchgehend positiv, sagt er: „Alle 50.000 Aufrufe ist vielleicht einmal ein negativer Kommentar dabei.“ Sein Rezept: „Authentisch sein und die Dinge zeigen, wie sie sind. Ich habe keinen Heile-Welt-Account, es gibt keine Filter und keine Schönfärberei. Die Leute bekommen auch mit, wenn’s mir einmal dreckig geht.“

Selbstständig mit 19
Wie an Followern herrscht beim „Influrator“ auch an Aufträgen kein Mangel. „Annahmepause bis 30. April“, ist die erste Botschaft, die beim Aufrufen seiner Homepage ins Auge springt. Begonnen hat er im doppelten Wortsinn ganz klein. „Mit 14 habe ich auf einem Flohmarkt eine Jagdzeitschrift aus den 1940er-Jahren gekauft, das war letztendlich die Inspiration“, erzählt Kappel. Mit 15 hat er die Lehre begonnen und sich mit 19 selbstständig gemacht. Die Werkstatt war ein Schuppen neben dem Elternhaus im Burgenland, der erste Jahresumsatz betrug 6700 Euro, der zweite 12.000 Euro. „Oft einmal hab’ i plärrt“, entfährt es Kappel beim Zurückdenken an die Zeit. „So ab 2008 und 2009 ist es dann aber ordentlich angelaufen, ich habe einen richtigen Firmenstandort gemietet, später gekauft.“ Ins Liesingtal nach Kammern hat es ihn 2014 verschlagen. Anfangs war der Hof an der Hauptstraße – nebenbei ein Pferdeeinstellbetrieb – Kappels zweiter Standort neben jenem im Burgenland, seit 2017 führt er ihn als Hauptstandort.
Klare Positionen
„Am Anfang schätzen die meisten Kunden nicht dein Können, sie schätzen deinen Preis“, sagt Kappel, „dass sich das ändert, musst du dir erarbeiten.“ Die Wertschätzung fürs Handwerk ist für ihn überhaupt hoch angeschrieben. „Wenn einer für einen hochdotierten Abschuss um einen sechsstelligen Betrag nach Asien fliegt und dann mit dem Handwerker daheim um ein paar Hunderter auf oder ab fürs Präparat zum Feilschen anfängt, dann hab’ ich dafür null Verständnis“, sagt er. Das gleiche gilt für die Wertschätzung dem Tier gegenüber, Spaßpräparate lehnt er grundsätzlich ab. „Das gehört sich nicht“, sagt Kappel, „ein Raurackl oder ein Fuchs in Lederhosen? Nie im Leben, das wird man von mir nicht kriegen!“ (Anm.: Ein Raurackl ist ein Fantasie-Mischwesen, geläufig ist auch die Bezeichnung Wolpertinger). Auch Aufträge fürs Präparieren von Haustieren nimmt er nicht an.

Family Business
Den Betrieb in Kammern schupft Erwin Kappel gemeinsam mit Ehefrau Evelyn. Als Helfer ist auch sein guter Freund Miroslav Makic eifrig mit von der Partie. „Ohne den Micky im Hintergrund würd’s nicht laufen“, sagt Kappel, „und er macht das tatsächlich als Hobby, für Gotteslohn, weil er sich fürs Wild und fürs Handwerk interessiert.“ Apropos, wer selbst hautnah Einblick gewinnen will, kann beim „Influrator“ einen Besuchstag in der Werkstatt buchen.




