Als im Jahr 2019 in Alt-Hadersdorf an der Gemeindegrenze zwischen Kindberg und St. Lorenzen der Hochwasserschutz feierlich eröffnet wurde, schien für die Anrainer alles eitel Wonne. Mehr als sechs Jahre später scheint die Wonne der Wut zu weichen.
Mehr als 20 Jahre haben die Bewohner des Ortsteiles Alt-Hadersdorf um den Hochwasserschutz am Lammerbach gekämpft. Daraus hat sich auch der Verein „Lebenswertes Hadersdorf“ gegründet. „Im Jahr 2019 schienen wir am Ziel, als die Talsperre des Rückhaltebeckens fertig geworden ist und auch die ergänzenden Schutzmaßnahmen umgesetzt wurden. Die Herstellung des erforderlichen Stauvolumens war für uns nur mehr Formsache“, erzählt ein enttäuschter Manfred Fraiss, Obmann des Vereines „Lebenswertes Hadersdorf“.
Der Grund für seinen Ärger liegt in Unstimmigkeiten zwischen Wildbach- und Lawinenverbauung und dem Steinbruchbetreiber, der Rohrdorfer Baustelle Austria GmbH. Auf diese Unstimmigkeit haben die beiden Bürgermeister Christian Sander (Kindberg) und Johann Haberl (St. Lorenzen) in einer Presseaussendung aufmerksam gemacht: Das Projekt sollte den Schutz der Siedlungsgebiete Hadersdorf und Alt-Hadersdorf sowie wesentlicher Verkehrswege bis zu einem 100-jährlichen Hochwasserereignis gewährleisten.

Im Zuge der Umsetzung kam es schon bisher zu erheblichen Schwierigkeiten durch Kostensteigerungen und kommt es nunmehr auch zu Unstimmigkeiten zwischen Wildbach- und Lawinenverbauung und der Rohrdorfer Baustoffe Austria GmbH über die Erfüllung der vertraglichen Grundlage. Bislang liegt eine unzureichende Herstellung des Rückhaltebeckens – derzeit nur 40.000 Kubikmeter statt der projektgemäßen 92.000 Kubikmeter – vor und ergibt sich letztlich auch daraus ein Fehlen des zugesagten Schutzes für ein 100-jährliches Hochwasser. Es wäre damit lediglich ein Schutz vor einem 30-jährlichen Hochwasserereignis gewährleistet. Für die Gemeinden ist dies jedoch nicht zu akzeptieren, da der Bevölkerung stets ein Hochwasserschutz in Zusammenhang mit einem 100-jährlichen Hochwasserereignis zugesagt wurde.
„Es obliegt der Wildbach- und Lawinenverbauung, der man für ihre bisherige Unterstützung Dank ausspricht, den Steinbruchbetreiber anzuhalten, eine angemessene Lösung zu erzielen“, so die beiden Bürgermeister. Die beiden Ortschefs richten einen Appell an den Bund und an das Land Steiermark: „Nachdem wir weder Einfluss noch Mittel haben, um das ursprünglich zugesagte Schutzniveau zu erreichen, haben wir uns an den zuständigen Bundesminister und den Landeshauptmann um Hilfe gewandt. Wir erhoffen eine lösungsorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten, um den dringend notwendigen Hochwasserschutz für ein 100-jährliches Hochwasserereignis sicherzustellen.“
„Das werden wir nicht akzeptieren“
Ein zentrales Ziel des Vereins „Lebenswertes Hadersdorf“ ist seit rund 20 Jahren der umfassende Hochwasserschutz. Für dieses Anliegen wurden spontan über 300 Unterschriften gesammelt. Ein Rückbau auf ein HQ30 (Hochwasserabfluss, der statistisch gesehen alle 30 Jahre auftritt) ist für die Anrainer auf keinen Fall hinnehmbar. Manfred Fraiss: „Die Schwachstelle entlang des Lammerbaches ist die Betonbrücke mitten im Ort. Deren Durchfluss ist auf das oben liegende Rückhaltebecken ausgelegt. Ist dieses Rückhaltebecken jetzt nur mehr auf ein HQ30 ausgelegt, so würde sich bei einem Hochwasserereignis hier an der Brücke alles aufstauen, und der ganze Ortsteil würde wieder überschwemmt werden. Somit wären alle gesetzten Maßnahmen hinfällig, und man hätte 5,7 Millionen Euro sprichwörtlich in den Schlamm gesetzt.“

Manfred Fraiss fühlt sich insofern gefrotzelt, als er sich persönlich bei den Anrainern dafür eingesetzt hat, dass sie die erforderlichen Grundstücke und die notwendig gewordene Umfahrungsstraße zum Teil kostenlos oder zumindest weit unter dem Verkaufswert abgetreten haben, nur um einen umfassenden Hochwasserschutz garantiert zu bekommen. „Wären jetzt die jahrelangen Bemühungen umsonst gewesen, so wäre es eine riesige Sauerei“, sagt er.
Christian Zöscher, ebenfalls von der Initiative „Lebenswertes Hadersdorf“, hat alle behördlichen Abläufe protokolliert: „Tatsache ist, dass es Versäumnisse bei der Herstellung des Rückhaltebeckens durch den Steinbruchbetreiber gibt. Datum der Fertigstellung der völligen Ausgestaltung des Rückhaltebeckens im Steinbruch inklusive der Ausbildung der Bruchwände wäre der 31. Dezember 2024 gewesen. Die notwendigen Rekultivierungsarbeiten hätten bis Ende 2025 abgeschlossen werden müssen. Passiert ist dahingehend sehr wenig. Hat hier die Behörde nicht genau hingesehen und auf die Baufristen hingewiesen?“
Die Initiative jedenfalls gibt sich kämpferisch. „Wo bleiben die einst gegebenen Zusicherungen, Verträge und Versprechen? Wir werden sämtliche uns zur Verfügung stehenden Mittel und Wege nutzen, um uns gegen diese Verschlechterung zu wehren. Unsere Plakatständer stehen bereit – alle rechtlich möglichen Aktionen werden ergriffen“, erklärt Manfred Fraiss.





