Das Mürzer Brahms-Museum feiert 35-jähriges Jubiläum mit neuen Exponaten – neu zu sehen sind Originalmöbel und die persönliche Soldatensammlung des Komponisten.
Seit ein paar Wochen bereichern Möbel aus Johannes Brahms’ Sommerwohnung in Bad Ischl den Exponate-Schatz des Brahms-Museums in Mürzzuschlag: Ein Sofa und Polstersessel aus dem Wohnzimmer sowie das Bett samt Nachtkästchen und Waschtisch aus dem Schlafzimmer. Neben Krug und Schüssel befindet sich auf dem Waschtisch auch ein Stück Seife, ganz gezielt von einem Hersteller, den es auch zu Brahms’ Lebzeiten schon gab. „Es ist plausibel, dass er diese Marke verwendet haben könnte“, sagt Museumsbetreiber Ronald Fuchs, „bloß zu rund ist sie mir, die Seife. Man hat sie damals meines Wissens eckiger hergestellt.“ Eine Momentaufnahme, die viel verrät von der Akkuratesse und der Hingabe, die Fuchs in die Leitung des Museum legt.
35 Jahre
Ronald Fuchs, Modehändler von Beruf und Musiker von Berufung, hat das Brahms-Museum gemeinsam mit Ehefrau Elisabeth und dem Bühnenbildner Hans Kudlich im Hammerherrenhaus in der Wienerstraße 4 gestaltet. Die Ausstellung „Johannes Brahms auf Sommerfrische“ war erstmalig 1991 zu sehen, gleichzeitig mit der steirischen Landesausstellung „Sport – Sinn und Wahn“. Das heißt, heuer feiert das Brahms-Museum sein 35-jähriges Bestehen. 1993 erhielt es den europäischen Museumspreis, 2025 erfolgte die jüngste Neuverleihung des Österreichischen Museumsgütesiegels. In mehreren Ausbauschritten ist das Museum mittlerweile auf gut 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche angewachsen, inklusive der originalen Sommerwohnung des Komponisten.

Mürzzuschlager Sinfonie.
Johannes Brahms verbrachte die Sommer der Jahre 1884 und 1885 in Mürzzuschlag. Im Mürztal komponierte er mehr als 30 Lieder und Chöre sowie seine komplette 4. Sinfonie. Einen sehr prominenten Gast hatte das aus dem 16. Jahrhundert stammende Hammerherrenhaus schon gut 150 Jahre zuvor gehabt. Kaiser Karl VI. nächtigte 1728 zweimal dort. Sein Schlafgemach heißt heute Kaisersaal und dient als Konzertsaal des Museums.

Klaviersammlung
Im Brahms-Museum steht unter anderem der Streicher-Flügel, auf dem der Komponist seine einzige eigene Schallaufnahme auf einem Wachszylinder-Phonographen eingespielt hat. Insgesamt umfasst die Klaviersammlung des Museums rund 30 historische Instrumente von Herstekllern wie eben Streicher, Bösendorfer, Steinweg, Steinway, Ehrbahr, Bachmann, Blüthner und anderen. Zudem besitzt das Museum knapp 1200 Lochrollen für teilautomatisierte Klaviere, Kostproben können bei Führungen gehört werden.Künftig soll sich ein neuer Ausstellungsteil explizit Johannes Brahms als Pianisten widmen. Er tourte unter anderen mit Clara Schumann, mit der ihn auch eine enge Freundschaft verband.

„Soldatenhansel“
In einem Brief an Clara Schumann von 1855 berichtete der damals 22-Jährige ganz beseelt vom Kauf neuer Soldatenfiguren. Mit Zinn- bzw. Bleifiguren hat Brahms nachweislich bis ins junge Erwachsenenalter Schlachten nachgestellt, aus der für ihn entspannenden Tätigkeit bezog er auch manche musikalische Inspiration. Einem Freund gegenüber nannte er sich selber einen „Soldatenhansel“, die Sammlung hat er bis zu seinem Tod behalten. Seit kurzem ist sie als Leihgabe des Kammerhofmuseums Gmunden ebenfalls im Mürzzuschlager Brahms-Museum zu bestaunen.

Musik im Museum
Von Anfang an war und ist es Ziel des Brahms-Museums, hochkarätige Konzerte in Salon-Atmosphäre anzubieten. Neun Konzerte stehen in der Saison 2026/27 auf dem Programm, eines davon im Mai als Gastspiel in der evangelischen Heilandskirche zur Einweihung eines Konzertflügels, einer Dauerleihgabe des Museums an die Kirche. Er wird auch im September 2027 bei zwei Konzerten im Rahmen des internationalen Brahmsfests erklingen. Dieses ist seit 1994 eine fixe Größe unter den Klassik-Festivals in Österreich. Zwölf Jahre stand es unter der künstlerischen Leitung von Christian Schuster, dann übernahm Helena Dearing, seit 2018 gestaltet die Meisterpianistin Sofja Gülbadamova das Programm.
Ganzjährig offen
Das Brahms-Museum Mürzzuschlag ist ganzjährig freitags bis sonntags jeweils von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet, weitere Termine auf Anfrage unter Tel. 03852/3434 oder per E-Mail an info@brahmsmuseum.at. Eine Vorschau aufs Musikprogramm ist auf www.brahmsmuseum.at zu finden. Und sollte jemand ein eckiges Seifenstück der Firma Schicht überzählig haben – in der Wienerstraße in Mürzzuschlag wär’s gut aufgehoben.





