„Hackl trifft…“ den neuen Kages-Vorstandsdirektor Erich Schaflinger. Vom jungen Primar in Mürzzuschlag zum Chef der steirischen Krankenhäuser. Der Obersteiermark bleibt er verbunden.
Markus Hackl: Seit 1. Oktober sind sie neuer Kages-Vorstand. Graz und Kages sind für Sie ja kein neuer Boden. Haben Sie sich trotzdem schon eingelebt an Ihrem neuen Dienstort?
Erich Schaflinger: Ich habe mich hier schnell eingelebt. Es ist zwar schon eine Weile her, aber ich habe hier in Graz in der Klinik zwölf Jahre gearbeitet und habe auch durch meine Tätigkeit im Landessanitätsrat laufend mit meinen Kollegen in Graz Kontakt. Wie gesagt: das Einleben war nicht schwer.
Hackl: Findet sich die Funktion „Kages-Chef“ in Ihrer Lebensplanung?
Schaflinger: Direkt nicht. Vorrangig war es nicht mein Ziel, Kages-Chef zu werden. Ich bin sehr jung Primarius geworden, war lange Zeit nah am Patienten tätig. Durch meine Tätigkeiten im Ordinationsgremium und Landessanitätsrat bin ich immer mehr in die Management-Rolle gekommen. Ein Weg, der in dieser Form nicht vorgezeichnet war.
Hackl: Lässt es sich an einem Punkt festmachen, wo Sie von der Rolle des Arztes in die Rolle des Managers geschlüpft sind?
Schaflinger: Der Punkt, wo das Management immer mehr in den Vordergrund meine Arbeit gerückt ist, war die Schaffung der Verbundstruktur im LKH Hochsteiermark. Zuvor im „kleinen“ Krankenhausverband Mürzzuschlag-Mariazell waren die Managementtätigkeiten noch überschaubar.

Hackl: Was sind aktuell die größten Herausforderungen in der Kages, die es anzupacken gilt?
Schaflinger: Ganz sicher, den RSG, den Regionalen Strukturplan Gesundheit, so wie von der Landesregierung beschlossen, weiter umzusetzen. Es gilt am Puls der Zeit zu bleiben und das Gesundheitssystem im stationären Bereich mit Bedacht und Augenmaß weiterzuentwickeln. In dem Sinne, dass die Patientenversorgung gewährleistet bleibt, wir in der Steiermark im medizinischen Bereich hochqualitativ arbeiten können – wohl wissend, dass wir einem großen Kostendruck ausgesetzt sind.
In der Hochsteiermark steht die Fertigstellung der Psychiatrie am Standort Bruck für das dritte Quartal 2027 an sowie die Etablierung der Dermatologie, die noch für dieses Jahr geplant ist.
Erich Schaflinger, seit 1. Oktober Chef der Kages
Hackl: Die steirische Spitalslandschaft hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Stichwort Schwerpunktkrankenhäuser. Ein Veränderungsprozess, der weiter fortgeführt wird?
Schaflinger: Die großen Eckpunkte sind hier am LKH-Univ. Klinikum Graz das Programm „LKH 2040“, welches derzeit evaluiert wird. In der Hochsteiermark steht die Fertigstellung der Psychiatrie am Standort Bruck für das dritte Quartal 2027 an sowie die Etablierung der Dermatologie, die noch für dieses Jahr geplant ist. Neben diesen Hauptprojekten, haben wir natürlich die Umsetzung des RSG-2030 im Fokus.
Hackl: Sie waren von 2022 bis 2026 ärztlicher Leiter des LKH Hochsteiermark mit den Standorten Leoben, Bruck, Mürzzuschlag. Hat sich dieses Schwerpunktkrankenhaus nach Ihren Vorstellungen entwickelt?
Schaflinger: Ja, auf alle Fälle. Es war zwar eine mühsame Geburt, es gab – auf gut steirisch – eine Menge Diskussionen mit der Politik auszutragen. Im Endeffekt haben wir alles gut umgesetzt. Ich bin stolz auf alle, die an der Umsetzung mitgearbeitet haben. Es ist ein gutes Team und wir haben alles auf Schiene gebracht. Wir haben es geschafft, eine lückenlose medizinische Versorgung zu implementieren.
Hackl: Die Aufregung um die Schließung der Notfallambulanz in Bruck hat sich mittlerweile beruhigt?
Schaflinger: Es wurde politisch aufgeschaukelt, mittlerweile hat sich die Stimmung beruhigt. Faktum ist: Wenn ich heute einen schweren Autounfall habe, so will ich operativ allumfassend versorgt werden – und das passiert jetzt eben in Leoben. Gleiches gilt für akutes Herzkreislaufversagen bei akuten Herzinfarkten oder Schlaganfällen, die mit höchster Expertise und ebenso wie akuter Lungenerkrankungen in Bruck versorgt werden.

Hackl: Hört man Bediensteten des LKH Hochsteiermark zu, so gibt es doch einige Kritik an der Strukturveränderung. Eine Kritik zum Beispiel richtet sich an die Verteilung der Abteilungen, so hätte man Kardiologie (Bruck) und Gefäßchirurgie (Leoben) nie räumlich trennen sollen. Wie gehen Sie mit Kritik um und wie begegnen Sie den Bedenken und Sorgen Ihrer Mitarbeiter?
Schaflinger: Jede Kritik ist ernst zu nehmen, zu bewerten und gegebenenfalls abzuarbeiten. Es geht vor allem darum, die Summe der Dinge, das sogenannte große Ganze, zu sehen und das auch zu vermitteln. Die Kritik im konkreten Fall ist mir natürlich bekannt und ist mit der Zeit auch schon abgeflaut. Uns war es wichtig, alle Eventualitäten abzuwägen, die Chirurgie an einem Ort zu konzentrieren und die Herzinfarkte, Schlaganfälle und akuten Lungenerkrankungen ebenfalls an einem Ort zu konzentrieren. Mir ist auch bewusst, dass es bei so einem großen Verbund wie dem LKH Hochsteiermark und auch jetzt in der KAGes bei jeder Entscheidung immer wieder kritisch hinterfragt wird.
Hackl: Wer wird Ihr Nachfolger als Leiter des LKH Hochsteiermarks?
Schaflinger: Die Ausschreibung wird demnächst erfolgen. Interimistisch ist derzeit Michael Feichtinger als Ärztlicher Direktor aktiv.
Hackl: Wie oft werden Sie künftig noch „draußen“ in den Krankenhäusern sein?
Schaflinger: So viel wie möglich. Ich werde alsbald eine Tour durch die steirischen Krankenhäuser starten. Mir ist der direkte Kontakt zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern enorm wichtig – vor allem, dass Mitarbeitende bei Entscheidungen eingebunden werden und mitgehen.
Hackl: Stichwort Reha-Zentrum Aflenz: Hier wird immer wieder die KAGes als künftiger Betreiber oder Mit-Betreiber ins Spiel gebracht. Können Sie dieser Idee etwas abgewinnen?
Schaflinger: Dazu kann ich wenig sagen. Bis dato sind wir damit nicht befasst worden. Es müsste aus allen erforderlichen Blickwinkeln gesehen werden, sprich wie hoch sind die finanziellen Aufwendungen, wie viele personelle Ressourcen braucht es. Hinzu kommt, dass es hier auch einen Beschluss der Landesregierung inkl. der budgetären Ausstattung geben müsste.
Hackl: Wird man Sie in der Obersteiermark noch hin und wieder zu Gesicht bekommen?
Schaflinger: Ich wohne weiterhin in St. Kathrein am Hauenstein und brauche nur übers Alpl fahren und bin im Mürztal. Außerdem habe ich noch meine Ordination in Sankt Barbara, wo ich einen halben Tag pro Woche aktiv tätig bin.
Hackl: Ihr Markenzeichen war stets der weiße Arztkittel. Wird es den weiterhin geben?
Schaflinger: Der bleibt. Ich habe ihn jetzt 40 Jahre angehabt und so soll es auch bleiben, der Arztmantel erfüllt mich auch heute noch mit Stolz an Patienten arbeiten zu dürfen. Für mich ist der Arztmantel wie eine Uniform.
Hackl: Ihr Lebensmittelpunkt wird künftig Graz sein?
Schaflinger: Wie schon erwähnt bin ich in St. Kathrein am Hauenstein wohnhaft. Ich genieße die Vorzüge des Landlebens. Wenn es beruflich erforderlich ist, bleibe ich hin und wieder auch über Nacht in Graz.
Hackl: In drei Jahren steht bei Ihnen ein runder Geburtstag an. Haben Sie für sich ein berufliches Ablaufdatum definiert?
Schaflinger: Ja, eine Periode, also fünf Jahre, sind vereinbart – sofern nichts Unvorhersehbares passiert.
Hackl: Es ist ein Managerposten, der viel persönliche Ressourcen in Anspruch nimmt. Bleibt da noch Zeit für Hobbys und Freizeit?
Schaflinger: Zeit, die ich mir sicherlich nehme, um Kraft zu tanken. Am besten und liebsten erhole und entspanne ich mich beim Sport – egal ob beim Klettern oder beim Wasserskifahren und mit meiner Familie und unseren Hunden. Ich liebe es, mich zu bewegen und es hilft beim Stressabbau.

Zur Person:
Erich Schaflinger wird 1959 in Graz geboren. Er studierte Humanmedizin an der Medizinischen Universität Graz und ist Facharzt für Innere Medizin mit den Additivfächern Kardiologie, Gastroenterologie und Hepatologie sowie Geriatrie. Nach seiner Ausbildung war er von 1987 bis 1998 als Assistenz- und Oberarzt an der Medizinischen Universität Graz tätig. 1998 wurde er bereits als 39-Jähriger Primarius der Abteilung für Innere Medizin am LKH Mürzzuschlag und seit 2005 Ärztlicher Direktor des Krankenhausverbundes Mürzzuschlag-Mariazell bzw. des heutigen LKH Hochsteiermark, das die Krankenhausstandorte Leoben, Bruck und Mürzzuschlag umfasst. Seit 1. Oktober ist er Vorstandsdirektor der Kages Steiermark. Neben seiner klinischen Tätigkeit engagiert sich Erich Schaflinger seit vielen Jahren in leitenden Funktionen des steirischen Gesundheitswesens. Seit 2020 ist er Vorsitzender des Landessanitätsrates für Steiermark, seit 2021 zudem Vorsitzender des Koordinationsgremiums für Versorgungssicherheit des Landes Steiermark.





