Ein Traum aus Tausenden Teilen: Der Brucker Lehrer Peter Rabl hat sich selbst ein Flugzeug zusammengebaut, seit kurzem ist es am Flugplatz Kapfenberg stationiert.
Einen Traum zum Schrauben und zum Nieten hat sich der Brucker Peter Rabl erfüllt. In mehr als dreijähriger Arbeit hat sich der 50-Jährige sein eigenes Flugzeug zusammengebaut. „Rund 1800 Arbeitsstunden habe ich hineingesteckt, und rund 900 Stunden auch mein 87-jähriger Vater, der mir beim Bauen die allerwichtigste Stütze war“, sagt Rabl.
Flieger seit 15 Jahren
Im Alter von 13 Jahren hat Peter Rabl mit dem Flugzeugmodellbau begonnen, mit 35 hat er von der Fernbedienung aufs echte Cockpit gewechselt und hebt seither beim KSV Fliegerklub in Kapfenberg ab. „Beim Spazieren ist mir dann irgendwann der Gedanke gekommen, ich hätt’ gern meinen eigenen Flieger, dann hab’ ich überlegt, wie das zu bewerkstelligen wäre“, so Rabl. Sein Sohn habe ihn dann auf die Option eines Bausatzes aufmerksam gemacht, beziehbar in den Niederlanden. „Ich bin nach Holland, habe mir so eine Maschine angesehen und bin sie probegeflogen – und habe bestellt.“

Werkstatt Wohnzimmer
Und so ist eines Tages ein Container angekommen, voller Kisten, und die wiederum voller Teile, Tausender Teile. Von Beruf ist Peter Rabl Physiklehrer am Gymnasium Bruck und bringt viel technisches Verständnis mit – „aber da musste ich mir zwischenzeitlich selbst viel beibringen, Stolpersteine sind nicht ausgeblieben.“ Große Herausforderungen seien etwa die Motorelektronik und die Ölleitungen gewesen. Die ersten Komponenten wurden daheim im Wohnzimmer zusammengebaut, nämlich Höhen- und Seitenruder sowie eine der beiden Tragflächen. Ja, eine ganze. „Die haben wir mit einem Seilzug durchs Fenster ins Freie gehievt. Wir haben dann eine Werkstatt im Pernegger Ortsteil Zlatten gefunden, in der wir weiterbauen konnten“, erzählt Rabl.

Hightech
Der Motor der viersitzigen Maschine leistet 141 PS und ermöglicht eine Reisegeschwindigkeit von 250 Km/h, 200 Liter Tankvolumen bringen große Reichweite. „Ich könnte nonstop nach England fliegen, nach Valencia oder nach Sizilien.“ Die Spannweite beträgt 9,5 Meter, das Eigengewicht 521 Kilogramm, das maximale Startgewicht 950 Kilo. Bei der Cockpitausstattung hat sich Rabl für eine High-End-Variante entschieden. Elektronik und Dashboard sind auf dem neuesten Stand, samt verlässlichem Autopiloten. „Es ist eine kleine Maschine, aber sie ist ausgestattet wie ein Airliner“, sagt Rabls Fliegerkollege Engelbert Straubinger mit Bewunderung.

„Sehr aufregend“
Zugelassen ist das Flugzeug in den Niederlanden, und dort erfolgte auch die Endmontage der in Zlatten vorgefertigten Komponenten. „Während des Zusammenbaus habe ich in Holland drei Wochen direkt im Hangar geschlafen“, erzählt Rabl. Das erste Mal mit dem eigenen Flieger abzuheben, das sei ein sehr aufregendes Gefühl gewesen, sagt er. Als mit der Zulassung alles klar war, ist Rabl nach kurzem Zwischenaufenthalt daheim gemeinsam mit Sohn Maximilian wieder nach Holland gefahren, um den Überstellungsflug nach Kapfenberg zu starten. „Und wir waren dann alle zwei so heiß aufs Fliegen, dass wir beide eingestiegen sind – mein Auto ist eine Zeitlang in Holland geblieben“, sagt Rabl lachend.

Familienbotschaft
Die Kennung der Maschine lautet PH–FPM, wobei das PH für die Niederlande steht, die restlichen drei Buchstaben für Florian, Peter und Maximilian – also für Rabl und seine Söhne. Einmal jährlich ist ein Check in den Niederlanden vorgeschrieben, die Erprobungsphase in Österreich lief bisher absolut problemlos. Die erste Runde daheim nach der Ankunft auf dem Flugplatz Kapfenberg war ein Flug mit dem Vater auf dem Co-Sitz – übers Mürztal bis Krieglach, und natürlich auch eine Schleife über Pernegg.







