Hackl trifft Mike Reiter: Der Gründer und Mastermind der Leobener Werbe- und Veranstaltungsagentur Brainsworld 360. Er erzählt über seinen Einstieg ins Kreativgeschäft, über seine Freude mit der KI und seiner Liebe zu Leoben.
Markus Hackl: Lieber Mike Reiter, wie geht es der Design-Agentur Brainsworld 360?
Mike Reiter: Danke der Nachfrage, uns geht es sehr gut. Wir haben uns in knapp 17 Jahren zu einer 360 Grad Agentur entwickelt, weil unsere Kunden uns immer wieder vor neue Aufgaben gestellt haben. Heute konzipieren, gestalten und begleiten wir Projekte bis zur fertigen Umsetzung. Wir sind regional stark verwurzelt und gleichzeitig für viele Kunden in zahlreichen Ländern tätig. Aktuell sind wir zwischen 16 und 18 Angestellte, sehr gut ausgelastet und mit unserer Entwicklung wirklich zufrieden.
Hackl: Wie ist es eigentlich zur Gründung von Brainsworld gekommen?
Reiter: Noch vor meinem Studium war ich viele Jahre als Deejay international unterwegs und habe mir dabei ein starkes Netzwerk aufgebaut. Mein Geschäftspartner Philipp und ich sind seit knapp 40 Jahren befreundet und haben heute gemeinsam mehrere Unternehmen. Er ist der Organisator mit großem technischem Verständnis, ich der kreative Part und Netzwerker. Aus ersten Veranstaltungen Ende der 2000er Jahre und eigenen Gestaltungen entstand schließlich die Idee zu Brainsworld. Begonnen haben wir zu zweit in einem kleinen Hinterhofbüro. Unsere ersten Kunden kamen aus der Musikszene, kurz darauf Red Bull, für die wir bis heute global arbeiten dürfen.

Foto: Viktoria Pischl
Hackl: Brainsworld ist als Agentur sehr breit aufgestellt. Kannst du in wenigen Sätzen das Wirken der Agentur festmachen?
Reiter: Wir denken tatsächlich 360 Grad. Das beginnt bei Branding, Design und digitalen Anwendungen und geht bis hin zu Corporate Architecture und Projekten, die wir konzipieren, gestalten und bis zur Umsetzung vor Ort begleiten. Vieles davon wird mittlerweile international realisiert. Besonders schön ist es, wenn Mitarbeiter von uns irgendwo auf Urlaub sind und plötzlich Fotos schicken, weil sie dort etwas von uns entdeckt haben. Das ist kürzlich erst wieder in Cannes passiert. Solche Momente sind schon ein richtig gutes Gefühl, weil man merkt, wie weit die eigene Arbeit inzwischen reicht.
Hackl: Ihr heimst internationale Preise am laufenden Band ein. Was hat euch den großen Durchbruch gebracht? Oder kann man das gar nicht an einem Projekt festmachen?
Reiter: Einen einzelnen Durchbruch gab es eigentlich nie. Es war vielmehr die Summe aus vielen Projekten, guten Kunden und konsequenter Arbeit über viele Jahre. Mittlerweile haben wir rund 50 nationale und internationale Awards gewonnen, obwohl wir selbst nie besonders viel Werbung für uns gemacht haben. Sichtbarkeit haben uns sicher die Auszeichnungen gebracht, aber genauso unsere eigenen Veranstaltungen und Festivals wie der Iron Road for Children oder das vor Kurzem stattgefundene Three Days Live mit knapp 10.000 Besuchern. Entscheidend war für uns aber immer, dass gute Arbeit am Ende die beste Empfehlung ist.
Hackl: Wird Euch Leoben nicht langsam zu klein? Ihr könntet ja auch in Wien oder Berlin sitzen?
Reiter: Ich war gerade erst wieder in Berlin, und die Frage wird uns tatsächlich öfter gestellt. Wir haben dort und in vielen anderen Städten sehr gute Netzwerke. Trotzdem sind wir bewusst in Leoben. Wir sind hier stark verwurzelt, betreuen viele große Unternehmen der Region und arbeiten gleichzeitig international. Über weitere Standorte denken wir immer wieder nach, notwendig war es bisher aber nie. Von Leoben aus funktioniert das für uns sehr gut.

Hackl: Die Kreativbranche ist ein sehr dynamisches Geschäft und sehr schnelllebig. Wie schafft man dieses Tempo?
Reiter: Das Tempo gehört für uns einfach dazu. KI hilft uns heute, viele Dinge noch schneller und effizienter zu machen. Einen großen Anteil daran hat auch Flora Adelmann, mit der ich gemeinsam studiert habe und die heute unsere operative Geschäftsführerin ist. Sie hat ein sehr gutes Gefühl für Timing und achtet darauf, dass alles zur richtigen Zeit passiert. In all den Jahren haben wir keine Deadline versäumt. Darauf sind wir schon stolz.
Hackl: KI heißt die neue, große Herausforderung in der Kreativbranche. Also keine Bedrohung für dich?
Reiter: Überhaupt nicht. Wir haben KI von Anfang an als Chance gesehen und schon sehr früh damit gearbeitet. Mit Österreichs größtem Frisör KLIPP haben wir bereits vor rund drei Jahren eine unserer ersten KI Kampagnen umgesetzt und damit in Paris den DNA Design Award gewonnen. Das zeigt ganz gut, was möglich ist, wenn man neue Technologien früh versteht, sie zulässt und kreativ sinnvoll einsetzt. Für uns nimmt KI nichts weg, sie eröffnet neue Möglichkeiten.
Hackl: An Social Media kommt man heute nicht mehr vorbei. Welches Gewicht aber haben für dich noch klassische Printmedien?
Reiter: Ich glaube nicht an entweder oder. Entscheidend ist immer, welches Medium für die jeweilige Aufgabe die stärkste Wirkung hat. Social Media ist heute unverzichtbar, aber Print, Radio und Außenwerbung schaffen oft etwas, das digital schwerer kann: Präsenz, Wertigkeit und Erinnerung. Gerade in einer Welt, in der sehr vieles flüchtig geworden ist, bekommen gut gemachte klassische Medien für mich wieder eine besondere Stärke.
Hackl: Jetzt zur Iron Road for Children, die 2022 auch als Österreichs bestes Charity Event ausgezeichnet wurde: In den letzten Jahren kamen jeweils mehr als 45.000 Besucher, insgesamt wurden etwas über 800.000 Euro an Spendengeldern gesammelt. Heuer hat die IRFC pausiert. Wie geht es weiter?
Reiter: Die IRFC ist ja mittlerweile Österreichs größtes Charity Festival. Ein Festival dieser Größe können wir alle paar Jahre organisatorisch zwar stemmen, aber es funktioniert nur mit starken Partnern aus Wirtschaft, Tourismus und Region. Genau deshalb führen wir jetzt Gespräche und schauen sehr genau, wie groß deren Bereitschaft ist, das Ganze mitzutragen. Danach werden wir evaluieren, ob und in welcher Form eine Umsetzung möglich ist. Für 2027 ist es zeitlich zu knapp. Aber wenn die Partner bereit sind, sind auch wir offen für Ideen, wie, wann und ob die IRFC zurückkommt.
Hackl: Zu deiner Person: Wo und wie siehst du dich in 20 Jahren? Gibt es für dich ein Ausstiegsszenario?
Reiter: Ein klassisches Ausstiegsszenario habe ich eigentlich nicht. Dafür macht mir das, was wir tun, einfach zu viel Spaß. Gleichzeitig ist mir wichtig, bewusst Zeit für meine Familie und vor allem für meine Töchter zu haben. In 20 Jahren werde ich sicher manches anders machen als heute, aber ich kann mir kaum vorstellen, gar nicht mehr zu arbeiten. Solange wir als Team Freude daran haben, neue Ideen umzusetzen und coole Dinge entstehen zu lassen, möchte ich genau damit weitermachen.

Hackl: Gibt es für dich eine Kampagne, ein Projekt, oder eine Veranstaltung, die du unbedingt einmal umsetzen möchtest?
Reiter: Eigentlich setzen wir gerade schon vieles um, was ich immer machen wollte. Mit Frontline haben wir heuer gemeinsam mit der Kleinen Zeitung und Antenne Steiermark Three Days Live mit Thomas Stipsits, Jan Delay, Village People und Boney M. realisiert. Mit Brainsworld und dem Künstler Tom Lohner entsteht gerade ein großes Kunstprojekt in Dubai und den Emiraten. Genau solche Projekte reizen mich. Und davon dürfen gerne noch viele kommen.
Hackl: Wo zieht es dich im Urlaub hin? Bist du eher der Berg- oder Meertyp?
Reiter: Ganz klar Stadttyp. Ich mag es, Städte zu entdecken und dort einfach einzutauchen. Mit der Familie war ich kürzlich in New York, und persönlich liebe ich Los Angeles und Tokio. In Städten fühle ich mich einfach wohl. Und wenn dann noch irgendwo ein Strand dabei ist, nehme ich den natürlich gerne mit.
Zur Person
Mike Reiter leitet zusammen mit Philipp Maier die „Brainsworld 360° Agency“ mit Sitz in Leoben. Die beiden haben das weltweit agierende Werbe-Unternehmen vor 17 Jahren auch zusammen gegründet. Die Kunden kommen mittlerweile aus der ganzen Welt. Als Leiter mehrerer Unternehmen organisiert er beispielsweise auch Großveranstaltungen wie die Iron Road for Children oder Three Days Live in Leoben und den Internationalen Logistiksommer.





