Wanda Dokter aus Kammern ließ die Informatik hinter sich und verwirklichte sich solo den Traum von der eigenen Ziegenwirtschaft.
Im Internationalen Jahr der Bäuerinnen, ausgerufen von den Vereinten Nationen, hat auch die Landwirtschaftskammer Steiermark ihre Woche der Landwirtschaft 2026 ganz den Frauen gewidmet. Bei Medienterminen quer durchs Land wurden die Situation und speziell die Leistungen der Bäuerinnen beleuchtet. Gastgeberin im Bezirk Leoben war Wanda Dokter, die sich als Quereinsteigerin einen Ziegenbetrieb mit eigener Käserei in Kammern im Liesingtal aufgebaut hat.
Mutiger Quereinstieg
Die heute 33-Jährige hat tatsächlich bei Null begonnen. Wanda Dokter kommt aus der Informatik, hatte aber den Traum von der eigenen Landwirtschaft. „Mit drei Geißen habe ich angefangen und mich zuerst um Pachtflächen bemüht. Dann bin ich über das Grundstück hier mehr oder weniger gestolpert“, erzählt sie. Wobei schon der Grunderwerb für jemanden ohne landwirtschaftlichen Hintergrund keine einfache Übung ist. „Ich habe zu dem Zeitpunkt berufsbegleitend schon die Ausbildung zur landwirtschaftlichen Facharbeiterin gemacht, und so hat es am Ende doch funktioniert“, so Dokter.

Den Traum verfolgt
Heute steht auf dem Grund im Kammerner Ortsteil Seiz ein Stall für mittlerweile mehr als 80 Ziegen, etwa die Hälfte davon Kitze. Den Stall hat Wanda Dokter komplett selbst geplant, ebenso ihre Käserei, die sie unlängst in Betrieb genommen hat. Ihre Produkte sind vorerst beim Nahversorger im Kammerner Ortskern (Nah&Frisch) und im Selbstbedienungs-Hofladen der Imkerei Stabler (ebenfalls in Kammern) erhältlich. Parallel zur Betriebsführung studiert Wanda Dokter Agrarmanagement.
Anerkennung
Bezirksbäuerin Barbara Pollauf sagt: „Wanda ist ein tolles Beispiel und steht sinnbildlich für das Jahr der Bäuerinnen.“ Zugleich gehe es aber auch um eine Stärkung der Frauen im klassischen Hof-Familienverbund. „Den Spruch ,I bin jo nur daham’ sollten wir eigentlich nicht mehr hören – Bäuerin ist ein wertvoller Beruf, und das soll sich auch in Selbstwert und Anerkennung widerspiegeln.“ Ihre Stellvertreterin und Kammerner Ortsbäuerin Marianne Ofner verweist auf ein Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft Bäuerinnen Österreich und sagt: „Es sind fünf ganz konkrete Forderungen festgehalten, nämlich in Bezug auf wirtschaftliche Absicherung, Bildung, Gesundheit, Gleichstellung sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Botschafterinnen
Lena Schweiger, als Fachberaterin der Landwirtschaftskammer für Bäuerinnen und Konsumenten für den Bezirk Leoben und das Obere Murtal zuständig, spricht die Rolle der Bäuerinnen als Botschafterinnen und Wissensvermittlerinnen an: „Wer sollte die Leute besser über regionale Lebensmittel informieren, wenn nicht wir selber!“ Die Öffentlichkeitsarbeit samt Seminaren und Schulbesuchen ist ein Schwerpunkt der steirischen Bäuerinnen-Organisation, mit 30.000 Bäuerinnen das größte Frauennetzwerk im Land. Dazu kommt auch viel Arbeit nach innen mit Weiterbildungsangeboten für die Bäuerinnen selbst.
Beratung
Auch in der Beratung durch die Bezirkskammer Obersteiermark gilt den Bäuerinnen besonderes Augenmerk, wie Kammersekretär Andreas Rinnhofer sagt: „Ein Schwerpunkt ist die sozialrechtliche Absicherung der Bäuerinnen, etwa in der Pensionsvorsorge. Und unabhängig davon, ob die Frau oder der Mann den Betrieb führt, geht es auch um Unterstützungsleistungen für die Familien.“ Dazu kommt der Umstand, dass in der Landwirtschaft berufliches und privates Umfeld nicht voneinander zu trennen und Höfe keine konfliktfreie Zonen sind. „Die Beratung umfasst daher im Bedarfsfall auch Fragen rund um finanzielle und rechtliche Folgen von Trennung und Scheidung“, so Rinnhofer.
Höfe in Frauenhand
Dafür, dass sich der Begriff „Bäuerin“ längst nicht mehr auf „Frau des Bauern“ beschränkt, ist Wanda Dokter als Single natürlich ein Paradebeispiel. Aber auch im Familienverband sind die Bäuerinnen häufig die Chefinnen: Auf 27 Prozent der Höfe im Bezirk Leoben sind Frauen die alleinigen Betriebsführerinnen, steiermarkweit sind es sogar 38 Prozent. Zu weiteren rund elf Prozent sind Paare im Bezirk gemeinsam als Betriebsführer eingetragen.
Blick in den Nachbarbezirk
Der Medientermin für den Bezirk Bruck-Mürzzuschlag fand auf dem Hof der Bezirksbäuerin Maria Kamsker in St. Barbara statt. Neben der Gastgeberin haben sich dort fünf weitere Bäuerinnen aus dem Bezirk vorgestellt. Zum Beitrag geht’s hier.





