Die Woche der Landwirtschaft stand heuer ganz im Zeichen der Bäuerinnen. Einen Medientermin dazu gab’s bei Maria Kamsker in St. Barbara.
2026 ist das Internationale Jahr der Bäuerinnen, ausgerufen von den Vereinten Nationen. Auch die Landwirtschaftskammer Steiermark hat den Fokus ihrer „Woche der Landwirtschaft“ heuer ganz auf die Rolle der Frauen auf den Höfen gelegt.
Höfe in Frauenhand
Wobei sich der Begriff „Bäuerin“ längst nicht mehr auf „Frau des Bauern“ beschränkt: Auf 30 Prozent der Höfe im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag sind Frauen die alleinigen Betriebsführerinnen, steiermarkweit sind es sogar 38 Prozent. Zu weiteren rund zehn Prozent sind Paare im Bezirk gemeinsam als Betriebsführer eingetragen.
Forst, Fleisch, Tourismus
Die Kammer lud anlässlich der Woche der Landwirtschaft zu Medienterminen auf Höfen quer durchs ganze Land, um die Situation und speziell die Leistungen der Bäuerinnen zu beleuchten. Gastgeberin im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag war Maria Kamsker, die gemeinsam mit Ehemann Hubert einen Bergbauernhof auf dem Aichberg in St. Barbara-Wartberg bewirtschaftet. Hauptstandbeine des Betriebs sind die Forstwirtschaft, die Zucht von Murbodner Rindern in Mutterkuhhaltung sowie Urlaub am Bauernhof mit zehn Gästebetten. Zusätzlich bestückt Maria Kamsker „Speiskammerl“-Automaten im Mürztal mit Backwaren, seit heuer fungiert sie zudem als Bezirksbäuerin von Bruck-Mürzzuschlag.

Botschafterinnen
„Auf mehreren Beinen steht es sich besser“, sagt auch Sabine Rinnhofer aus Mürzzuschlag. Forst, Almochsen- und Schweinezucht sowie Milchwirtschaft mit Direktvermarktung im eigenen Hofladen sind die Schwerpunkte des Betriebs im Stadtteil Hönigsberg. „Ich bin Vorarbeiterin, Managerin, Bürokauffrau, Verkäuferin, Tierpflegerin und Logistikerin, aber besonders gern bin ich Botschafterin“, sagt sie, „Kindern und auch Erwachsenen bei Hofführungen oder Aktionstagen in Schulen die Landwirtschaft auf verständliche Weise näherzubringen, reizt mich sehr.“ Die Wissensvermittlung ist ein absoluter Schwerpunkt der steirischen Bäuerinnen-Organisation, mit 30.000 Bäuerinnen das größte Frauennetzwerk im Land.
Lebensmittel
In der Botschafterinnenrolle fühlt sich auch Eva-Maria Krenn aus Thörl wohl, die sich seit vielen Jahren als Seminarbäuerin engagiert. Man kennt sie als kompetente und geduldige Leiterin von Kochkursen, gemeinsam mit ihrem Mann führt sie einen Ochsenmastbetrieb in der Fölz. Zudem ist sie in Teilzeit in einem Gesundheitsbetrieb tätig.
Gründerin
Nicole Fladl bewirtschaftet mit ihrem Mann und vier Kindern einen Bio-Milchvieh- und Forstbetrieb in Turnau. Parallel dazu hat die Bergbäuerin ein Catering-Unternehmen gegründet, mit dem sie hochwertige regionale Lebensmittel unter die Leute bringt.
Milch und Blumen
Zwischen Hof und Blumenladen pendelt Christine Tschuschnigg. Sie arbeitet in gemeinsamer Betriebsführung mit ihrem Mann als Milchbäuerin in Aflenz sowie als Floristin in einem Turnauer Unternehmen. „Es ist viel Arbeit, aber ich empfinde es als großes Privileg, wenn man das tun kann, was man gerne tut“, sagt sie.
Kampfgeist
Die stellvertretende Bezirksbäuerin Margret Karelly aus Aflenz hatte sich nach dem Unfalltod ihres Mannes dazu entschlossen, das Motto „Niemals aufgeben!“ zu leben und ihren Milchviehbetrieb im Vollerwerb weiter zu führen. „Es war die richtige Entscheidung, rückblickend würde ich es wieder so machen“, sagt die dreifache Mutter.

Keine Romantisierung
„Bäuerin ist ein schöner Beruf. Aber auch ein Beruf, der keinen Feierabend kennt“, sagt Barbara Kiendlsperger, Fachberaterin in der Bezirkskammer Obersteiermark und Geschäftsführerin der Bäuerinnen-Organisation Bruck-Mürzzuschlag. Berufliches und privates Umfeld sind nicht voneinander zu trennen, woraus sich eigene Herausforderungen ergeben. „Wir romantisieren nicht und sehen die Landwirtschaft, wie sie ist. Und natürlich ist nicht jeder Hof eine krisenfreie Zone. Wir beraten daher gezielt auch in schwierigen Situationen“, so Kiendlsperger. Kammersekretär Andreas Rinnhofer sagt: „Ein Beratungsschwerpunkt ist auch die sozialrechtliche Absicherung der Bäuerinnen, etwa in der Pensionsvorsorge. Und unabhängig davon, ob die Frau oder der Mann den Betrieb führt, geht es auch um Unterstützungsleistungen für die Familien.“
Blick in den Nachbarbezirk
Der Medientermin für den Bezirk Leoben fand in einem Ziegenstall in Kammern im Liesingtal statt. Wanda Dokter, ausgebildete Informatikerin, hat sich dort im Alleingang den Traum von der eigenen Landwirtschaft erfüllt. Zum Beitrag über die Quereinsteigerin geht’s hier.





