Auf drei Gedenktafeln wird in Kindberg der Opfer von Gräueltaten während des zweiten Weltkrieges gedacht.
Durch das Anbringen von drei Gedenktafeln rücken drei dramatische Ereignisse, die sich im Raum Kindberg während des Zweiten Weltkrieges ereignet haben, wieder ins kollektive Gedächtnis. „Uns als Stadt geht es darum, dass Erinnerungen von Zeitzeugen dokumentiert werden, diese in einem historischen Kontext zusammengefasst sind und somit der Nachwelt als mahnende Erinnerung erhalten bleiben“, erklärt der Kindberger Bürgermeister Christian Sander die Beweggründe für das Anbringen dieser Gedenktafeln.
Pflegebedürftige Menschen ermordet
Eine Gedenktafel bei der Dreifaltigkeitskapelle an der Wienerstraße im Nahbereich des Siechenheimes und des ehemaligen Landespflegezentrums erinnert an die 137 pflegebedürftigen Personen, welche im Jahr 1941 aus der Siechenanstalt von Kindberg nach Hartheim transportiert und im Rahmen der „Aktion T4“ durch Giftgas ermordet wurden. Über den QR-Code, der an der Gedenktafel angebracht ist, kommt man auch zu den Namen der 137 ermordeten Personen.

Massaker auf der Hofbaueralm und im Möstlinggraben
Die zwei anderen Gedenktafeln widmen sich den Gräueltaten in den letzten Kriegstagen im April 1945. Eine Tafel wurde am Pfingstsamstag auf der Hofbaueralm an der Gemeindegrenze zwischen Kindberg und Breitenau eingeweiht und erinnert an die über zwanzig Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter und Deserteure, die sich auf der Hofbaueralm versteckt hielten, verraten wurden und die durch Splittereinheiten des Militär vom noch herrschendem Regime auf bestialische Weise ihr Leben lassen mussten. Nur drei Menschen haben dieses Massaker überlebt, einer davon war Konrad „Kurt“ Kammerhofer (siehe nachstehend). Die Gedenktafel wurde am Längsbalken des Wegkreuzes auf der Hofbaueralm montiert, dort befindet sich bereits ein stark verwitterter Hinweis auf dieses Massaker. An der Kapelle in der Kindberger Schlossallee, welche zeitgleich mit der Schlosspforte errichtet wurde, wurde die dritte Gedenktafel angebracht. Sie soll an den Hinrichtungsplatz der Nazis erinnern, bei dem in etwa 14 Personen im April 1945 von der Ortsmitte über die Schlossallee Richtung Möstlinggraben an ihren Hinrichtungsort getrieben wurden.

Arbeitsgruppe
An der geschichtlichen Aufarbeitung zu den Geschehnissen im 2. Weltkrieg waren mehrere Personen unabhängig voneinander beteiligt, die Bürgermeister Christian Sander zu einer Arbeitsgruppe zusammengeführt hat und die sich beruhend auf die vorhandene Literatur mit Aussagen von Zeitzeugen mit den fürchterlichen Begebenheiten des Nationalsozialismus in und um Kindberg auseinandergesetzt haben. Mitglieder dieser Arbeitsgruppe waren Rudolf Schlaipfer, der sich schon seit vielen Jahren mit der Geschichte der Siechenhaus-Bewohner beschäftigt hat, weiters der Kindberger Restaurator Ferdinand Fladischer, der sich auf Erinnerungen seiner Mutter stützt sowie der Alt-Hadersdorfer Christian Zöscher, der bereits seit mehreren Jahren die Vorgänge auf der Hofbaueralm erforscht. „Ausgangslage für meine Recherchen war das Buch des Engelbert Kremshofer ,Mutige Steiermark’, das sich mit steirischen Widerstandskämpfern während des zweiten Weltkriegs befasst. Durch Zufall ist der Hadersdorfer Georg Smith zu mir gekommen und plötzlich hat sich das Puzzle fast wie von selbst zusammengefügt“, erzählt Christian Zöscher. Dessen Onkel war nämlich der Kindberger Konrad „Kurt“ Kammerhofer – ein Überlebender des Massakers auf der Hofbaueralm.
Es soll eine Mahnung an die kommenden Generationen sein. 1918 hat es geheißen ,nie wieder’, 1945 ebenso ,nie wieder’ und auch heute scheint es so, als hätte die Menschheit nicht aus diesen Ereignissen gelernt.
George Smith
Sein Neffe George Smith, Sohn eines britischen Soldaten hat die Erzählungen seines Onkels, der vor 20 Jahren verstorben ist und bis zu seinem Tod in Oberösterreich gelebt hat, verschriftlicht. „Mein Onkel Kurt war einer von drei Männern, die das Massaker überlebt haben, er wäre heuer 100 Jahre alt geworden. Mein Onkel soll nicht heroisiert werden, es hat tausende Menschen mit ähnlichen Schicksalen in dieser Zeit gegeben. Aber es soll eine Mahnung an die kommenden Generationen sein. 1918 hat es geheißen ,nie wieder’, 1945 ebenso ,nie wieder’ und auch heute scheint es so, als hätte die Menschheit nicht aus diesen Ereignissen gelernt“, erzählt Georg Smith.

„Diese Zeichen erinnern an schmerzliche Zerstörung – und an die beständige Kraft des Wissen und Glaubens, die sich selbst unter den schwierigsten Bedingungen bewahren konnte“, schließt Ferdinand Fladischer ab. An allen drei Gedenktafeln ist auch ein QR-Code angebracht; scannt man diesen mit dem Handy ein, kommt man zu den detaillierten Schilderungen der damaligen Ereignisse. Eine weitere Gedenktafel soll bei den „Stolpersteinen“ in der Fußgängerzone an das Schicksal der jüdischen Familie Sensel erinnern.
Die Geschichten sind auch auf der Homepage der Stadtgemeinde Kindberg einsehbar: www.kindberg.at/gedenkprojekte





