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Startseite » „Bis dahin Vollgas!“ – Bürgermeister von Gasen hört mit Jahreswechsel auf
Politik

„Bis dahin Vollgas!“ – Bürgermeister von Gasen hört mit Jahreswechsel auf

Karl Doppelhofervon Karl Doppelhofer22. Mai 20266 Minuten Lesezeit
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Ein Mann steht lächelnd auf der Straße, im Hintergrund links ein Haus mit der Aufschrift "Volksschule Kindergarten", rechts ein Haus mit Holzfassade
Erwin Gruber ist seit 28 Jahren Bürgermeister von Gasen, rechts das Amtshaus samt Turn- und Kultursaal, links Kindergarten und Volksschule. Foto: KD
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Erwin Gruber plant mit Jahreswechsel seinen Rückzug als Gasener Bürgermeister. Bis dahin hat er noch einiges vor, die Nachfolge ist besprochen.

Die Feststellung, sie hätten ein Ablaufdatum, heißt für Politikerinnen und Politiker für gewöhnlich nichts Gutes. Der Gasener Bürgermeister Erwin Gruber sieht das ganz entspannt, er hat sich seines selber aufgedruckt. „Mit Jahreswechsel ist Schluss“, sagt er, „bis dahin gebe ich noch Vollgas!“

28 Jahre Ortschef

Erwin Gruber ist seit 36 Jahren in der Gemeindepolitik, seit 28 Jahren als Bürgermeister. „Ich habe versucht, viel richtig zu machen“, sagt er. „Spannend ist es ja immer dann, wenn man den Bereich der Schönwetterpolitik verlassen muss.“ Nach der Budgetsitzung im Dezember werde er seinen Rücktritt schriftlich einreichen, so Gruber. Für die Nachfolge sei innerhalb der ÖVP Gasen bestens Vorsorge getroffen. Die Fraktion wird den amtierenden Vizebürgermeister Robert Stelzer als neuen Bürgermeister nominieren. In die Funktion des Vizes soll Gemeinderat Hannes Willingshofer nachrücken.

Das „Familiendorf“

Mit knapp 850 Einwohnern zählt Gasen zu den kleinsten Gemeinden in der Region. Gleichzeitig aber traditionell auch zu den jüngsten Gemeinden im ganzen Land. Zwischenzeitlich hielt man beim Anteil der Jugend an der Gesamtbevölkerung sogar den absoluten Spitzenplatz. „Wir setzen sehr viel daran, im Vorderfeld zu bleiben“, sagt Bürgermeister Erwin Gruber. Und das auf einer sehr guten Basis, wie der Ortschef anmerkt: „Denn Gasen ist ganz einfach ein absolut wunderbares Dorf für Familien mit Kindern oder mit Kinderwunsch.“

Ein Kind, das in Gasen aufwächst, bekommt ein Riesen Fundament.

Erwin Gruber

„Es klingt vielleicht ein wenig kitschig, aber es ist so: Wir sind hier noch ein bisserl in einer heilen Welt“, sagt Gruber. Gute Nahversorgung, Arbeitsplätze, ein gutes Freizeitangebot, die Einbettung in die Natur und ein sicheres Umfeld mit starkem gesellschaftlichem Zusammenhalt und viel Liebe zur Musik sind Punkte, die der Bürgermeister ins Treffen führt. „Was kann man sich für ein Kind besseres wünschen, als in einem Ort wie Gasen und in einer solchen Gemeinschaft groß zu werden! Ein Kind, das in Gasen aufwächst, bekommt ein riesen Fundament“, so Erwin Gruber.

Kinder und die Steirische sind Ankerpunkte in Gasen. Das ist keine Neuerfindung, sondern hat Tradition. Das Bild zeigt die Eröffnung des Harmonika-Klettergeräts auf dem Spielplatz vor einigen Jahren. Foto: Gemeinde Gasen

Schule und Kindergarten

„Wir haben eine sehr gut funktionierende Volksschule – modern, gut ausgestattet, mit engagiertem und kompetentem Team. Dazu kommt ein ebenfalls sehr gut geführter Kindergarten, an zwei Tagen die Woche gibt es auch Nachmittagsbetreuung, und für mehrere Wochen auch Sommerbetreuung“, sagt Gruber. Die Elternbeiträge für die Betreuung sind sehr moderat. „Da strecken wir uns als Gemeinde selbst nach der Decke, denn Modelle, die in die Landesförderung fallen, zielen meistens auf größere Einheiten ab“, sagt der Bürgermeister und fügt an: „Wir nehmen in diesem Bereich bewusst und gezielt Geld in die Hand, weil wir das einfach gewährleisten wollen.“

Sichere Wege

Auch für den sicheren Transport der Schul- und Kindergartenkinder sorgt die Gemeinde selbst. „Wir haben das Mietwagengewerbe und organisieren den Schülerverkehr mit eigenen Fahrzeugen.“ Rund 40.000 Euro pro Jahr sind allein dafür budgetiert – „auch da geht es uns darum, den Elternbeitrag in einem niedrigen Rahmen zu halten.“ Nebeneffekt des Modells: Die Schülerbusse der Gemeinde können wochenends kostengünstig von Vereinen genutzt werden.

Beachvolleyballplatz

Klein, aber fein ist das von einem Verein betriebene Freibad in Gasen. In der heurigen Saison wird es um eine Attraktion reicher, denn auf dem benachbarten Spielplatzgelände errichtet die Gemeinde einen Beachvolleyballplatz. Die Eröffnung soll mit Beginn der Sommerferien am 10. Juli erfolgen. Das Bad selber startet je nach Witterung schon davor in die Saison, angestrebter Termin ist der Pfingstsonntag.

Das Gasener Freibad wird auf Vereinsbasis betrieben. Foto: KD

Mehr Bauland

Um die Attraktivität für Familien weiter zu steigern, soll auch die Verfügbarkeit von Bauland gestärkt werden. Seit geraumer Zeit laufen in der Gasener Amtsstube intensive Vorbereitungen auf eine Revision der Flächenwidmung. „Unser Ziel ist es, neues Potenzial für Häuslbauer zu schaffen“, sagt Bürgermeister Erwin Gruber. 15 Parzellen sollen ausgewiesen werden, als Optionen seien auch Doppelhäuser oder ein Geschoßbau mit angedacht. Noch ist die Revision der Flächenwidmung nicht besiegelt, das neue Bauland soll ab 2027 zur Verfügung stehen.

Ideen fürs Sporthaus

Eines der größeren Vorhaben der Gemeinde Gasen wird in den kommenden Jahren laut Erwin Gruber die Sanierung des Sporthauses sein. „Es ist von großer Bedeutung für das Vereinsleben in der Gemeinde“, sagt er, „wir arbeiten intensiv an der Vorbereitung eines Sanierungskonzepts.“ Baubeginn könne aus heutiger Sicht 2027/28 sein, wie Gruber sagt. Ins Konzept soll eine Überdachung für den Stocksportbereich mit einfließen. „Multifunktional, sodass eine Nutzung für unterschiedlichste Veranstaltungen möglich ist“, so Gruber.

Fürs Sporthaus wird ein Sanierungskonzept erarbeitet. Foto: KK

Große Ausgaben im heurigen Jahr

„Wir bringen wieder viel Geld auf die Straße“, sagt der Bürgermeister Gruber mit Blick aufs heurige Budget. Für Instandhaltung und Sanierungen im Gemeindestraßennetz sind rund 250.000 Euro vorgesehen. Ebenfalls rund eine Viertelmillion ist für einen neuen Kommunaltraktor samt Zusatzgeräten in Planung. Das Fahrzeug hat 200 PS – „beim Schneeräumen in unseren steilen Lagen brauchst du ganz einfach die Power“, sagt Gruber.

Plädoyer für die Nahversorgung

Ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität in Gasen ist die funktionierende Nahversorgung. „Seitens der Gemeinde laden wir die Bevölkerung herzlich ein, selber mit drauf zu schauen, dass das auch so bleibt“, sagt Bürgermeister Erwin Gruber. „Das Angebot kann nur Bestand haben, wenn es auch genutzt wird. Und es ist eine bewusste Entscheidung, wo man für den täglichen Bedarf einkauft, wo man zum Dienstleister geht und wo ins Gasthaus.“

Stoakogler, Edlseer, Hafendorfer und viele, viele mehr unterwegs durchs Dorf. Der Musikirtag in Gasen ist ein Gipfeltreffen der Volksmusik. Foto: Stoanihaus

Musik als Markenzeichen

Als Heimatgemeinde der Stoakogler, mit dem Stoanihaus als Ausflugsziel und hochkarätiger Ausbildungsstätte, ist Gasen – beschauliches Dorf hin oder her – so etwas wie die Volksmusikhauptstadt der Steiermark. Plakativ und lebensfroh zeigt sich das auch heuer wieder im August beim Musikirtag, der tausende Gäste aus Nah und Fern anziehen wird. Gemeinsam mit Pernegg, Breitenau, Birkfeld und seit kurzem auch Fischbach und Anger bildet Gasen auch die „Straße der Musik“.

Von unseren knapp 850 Einwohnern sind 52 in der Musikschule eingeschrieben. Ich glaube, eine solche Quote sieht man nur ganz selten irgendwo

Erwin Gruber

Bürgermeister Erwin Gruber sagt: „Ich freue mich, dass diese Initiative neuen Schwung erhalten hat. Das Projekt bindet jetzt drei Leaderregionen mit ein, ich denke, allein das ist einzigartig.“ Dass die Musik ein Gasener Stärkefeld ist, zeigt sich auch an einer statistischen Zahl. „Von unseren knapp 850 Einwohnern sind 52 in der Musikschule eingeschrieben. Ich glaube, eine solche Quote sieht man nur ganz selten irgendwo“, so Gruber.

Das Stoanihaus beherbergt auch die Musikschule Stoanineum. Foto: KK

Erwin Gruber Gasen
Karl Doppelhofer
Karl Doppelhofer

Aufgewachsen in Langenwang im Mürztal, jetzt in Bruck an der Mur daheim. Hat sich 1997 als Quereinsteiger in den Journalismus verirrt und nimmer rausgefunden. Redaktionsleiter der Rundschau seit deren Gründung im Jahr 2012.

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