Im Gespräch: Der Niklasdorfer Andreas Steinegger, kürzlich vom Bauernparlament zum Präsidenten der Landwirtschaftskammer Steiermark wiedergewählt.
Im Interview erzählt der wiedergewählte Andreas Steinegger über die großen Herausforderungen in der Bauernschaft und was er der nächsten Generation auf den Höfen rät.

Der Kindberger Markus Hackl ist seit knapp 25 Jahren journalistisch in der Obersteiermark aktiv und seit 2025 als freiberuflicher Journalist tätig. Für die Leserinnen und Leser der Rundschau bittet er Menschen zum Gespräch, die in der Region viel bewegen und entsprechend etwas zu erzählen haben.
Markus Hackl: Lieber Andreas Steinegger, Sie wurden Anfang März vom Bauernparlament neuerlich zum Präsidenten der steirischen Landwirtschaftskammer gewählt. Trotz Formalakt, welche Bedeutung hat diese Wahl für Sie?
Andreas Steinegger: Die Monate bis zur Wahl im Jänner waren sehr intensiv, voller Eindrücke und wertvoller Erfahrungen. Gleichzeitig markiert die Wahl den Punkt, an dem ich meinen neuen Auftrag bewusst annehme und gemeinsam mit dem gesamten Team mit frischer Energie in die neue Periode starte.
Hackl: Bei der Wahl im Jänner hat der Bauernbund 67,3 Prozent erhalten. Ein starker Vertrauensbeweis der Bauernschaft?
Steinegger: Es ist mir nochmals ein Bedürfnis, danke zu sagen, dass die Bauernschaft mir beziehungsweise dem Bauernbund dieses Vertrauen ausgesprochen hat. Jetzt jedoch sind wir über alle Parteigrenzen hinweg damit beschäftigt, beste Arbeit für alle Bäuerinnen und Bauern zu leisten.
Hackl: Ein Wort zur Wahlbeteiligung von knapp 30 Prozent?
Steinegger: Ein Thema, das uns natürlich beschäftigt. Es zeigt sich bei allen Wahlen der Trend einer sinkenden Wahlbeteiligung, da ist auch die Landwirtschaftskammer nicht ausgenommen. Wir wollen jedoch wissen, warum die Menschen nicht zur Wahl gegangen sind und werden das Thema sehr bewusst aufarbeiten. Daraus soll ein Zukunftspaket hervorgehen, um alle Landwirtinnen und Landwirte anzusprechen und mit unseren Themen auch zu erreichen.

Hackl: Was sind die großen Herausforderungen für die aktuelle Periode?
Steinegger: Ein zentrales Thema ist die Erstellung eines mehrjährigen Finanzrahmens, weiters die Veränderungen der klimatischen Grundlagen zu erkennen und zu bewältigen. Was ich schwerpunktmäßig auch platzieren möchte, das ist die Unterstützung der Bäuerinnen in der Landwirtschaft; dazu muss es uns auch gelingen, mehr Frauen als Funktionärinnen zu gewinnen.
Hackl: Stichwort Mercosur, wie kann aus Sicht der Bauernschaft ein faires Handelsabkommen ausschauen?
Steinegger: Wir als Kammer sind ja nicht grundsätzlich gegen den freien Handel, es braucht aber für alle Handelspartner die gleichen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben, die auch eingehalten werden müssen. Wir in Österreich haben strenge Tierschutz- und Umweltauflagen einzuhalten, diese müssen jedoch auch für jene Länder gelten, die Produkte nach Österreich exportieren. Kontrolliert werden muss aber nicht erst an unseren Grenzen, sondern regelmäßig direkt an den jeweiligen Produktionsstandorten. Es braucht auch eine Kennzeichnungspflicht, wo das Lebensmittel herkommt; diese Kennzeichnungspflicht sollte auch bei allen verarbeiteten Produkten gelten.
Wir sind nicht grundsätzlich gegen den freien Handel, es braucht aber für alle die gleichen Rahmenbedingungen.
Andreas Steinegger
Hackl: Bedeutet nicht eine Kennzeichnungspflicht wiederum mehr an Bürokratie?
Steinegger: Es kommt darauf an, wie klug man es umsetzt. Fast alles läuft über digitale Lieferscheine, und es würde keinen zusätzlichen Aufwand bedeuten, das Herkunftsland anzuführen. Ich vergleiche es gerne mit dem steirischen Wein: da ist auf der Etikette das Land, die Region und auch der Produzent angeführt – und die Konsumenten sind stolz auf solch ein Produkt.
Hackl: Sie selbst haben einen Milchvieh-und Forstbetrieb. Wie schwierig war es, als sie im März des Vorjahres erstmals zum Präsidenten gewählt wurden, sich in andere Sparten wie Obst- Weinbau oder Schweinemast hineinzufinden? Oder liegen die Probleme und Anforderungen gar nicht so weit auseinander?
Steinegger: Ich bin ja auch Landwirtschafts- und Forstwirtschaftsmeister, da sind alle Hauptsparten in die Ausbildung integriert. Zu Hause verarbeiten wir zusätzlich auch Obst und haben lange Zeit auch Schweine gehalten, somit gab es nie diese Scheu vor den anderen Branchen. Ich nehme mir aber ganz bewusst viel Zeit, besuche alle Sparten und lasse mich direkt von den Bauern vor Ort informieren, wo der Schuh drückt und wo die größten Herausforderungen liegen.

Hackl: Am eigenen Bauernhof produzieren Sie auch erneuerbare Energie. Wie sehr belasten steigende Energiepreise die Bauernschaft oder kann man es sogar als Chance betrachten?
Steinegger: Als Chance würde ich es nicht sehen, weil am Bauernhof hauptsächlich Energie verbraucht wird, die noch nicht erneuerbar ist. Unsere Traktoren fahren hauptsächlich mit Diesel, da gibt es noch zu wenig Alternativen. Ein teurer Treibstoff schlägt sich natürlich auch auf die Produktionskosten nieder.
Hackl: Mit Biogas- und Hackgut-Heizanlagen sind die Bauern ja doch auch Energielieferanten?
Steinegger: Beim Biogas kämpfen wir noch um die Akzeptanz dieser Produktionsform, wobei hier die Wertschöpfung durchaus in der Region verbleiben würde. Im Bereich der Hackschnitzel haben wir in der Steiermark die meisten Kleinanlagen, es liegt aber auch noch genügend Potenzial in diesem Bereich, das noch gefördert werden sollte. Die Kammer berät und informiert gerade in diesem Bereich sehr intensiv.
Hackl: Die Weichen für eine Hofübernahme werden oft früh gestellt, dabei spielt schon die Wahl der Ausbildung eine wichtige Rolle. Was raten Sie potenziellen Jungbauern bzw. Jungbäuerinnen, warum sie diesen Schritt in dieser herausfordernden Zeit trotzdem machen sollen?
Steinegger: Die Betriebsgröße an sich ist nicht der entscheidende Faktor bei der Betriebsübernahme, viel wichtiger sind die „geistigen Hektar“, um den verstorbenen Landesrat Hans Seitinger zu zitieren. Entscheidend ist eine Top-Ausbildung, somit sind unsere Betriebsführers bestens ausgebildet. Wichtig ist der starke Praxisbezug während der Ausbildung und nicht zuletzt braucht es die Leidenschaft zum „Bauersein“, nur so wird man erfolgreich. In Österreich sind 23 Prozent der Hofübernehmer unter 40 Jahre – das ist ein Spitzenwert in Europa und zeigt, dass auch die Eltern bereit sind, den Kindern frühzeitig das Ruder zu überlassen.
Wichtig sind die „geistigen Hektar“, um den verstorbenen Landesrat Hans Seitinger zu zitieren.
Andreas Steinegger
Hackl: Bei den Ausbildungseinrichtungen wie beispielsweise den Landwirtschaftlichen Fachschulen, der HBLFA in Raumberg-Gumpenstein, der Forstschule in Bruck und dem FAST Pichl in St. Barbara ist man ja bestens aufgestellt und ein österreichisches Vorzeigemodell?
Steinegger: Absolut, auch weil wir so vielfältig aufgestellt sind. Wir haben in der Steiermark in den Schulen unterschiedliche Schwerpunkte, beispielsweise am Grabnerhof mit der Almwirtschaft, in Hatzendorf die Schweinewirtschaft und am Grottenhof die Biowirtschaft. Mit der Forstlichen Ausbildungsstätte in Schloss Pichl in Mitterdorf haben wir sowieso die perfekte Ausbildungsstätte im Erwachsenenbereich.
Hackl: Wie intensiv ist der Austausch mit den übrigen Interessensvertretungen von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer bzw. Landarbeiterkammer?
Steinegger: Auf Präsidentenebene gibt es regelmäßige Treffen, wir sind persönlich gut vernetzt und wir stehen in der Steiermark in einem guten Austausch. Wenn Probleme auftauchen, können wir diese auf kurzem Dienstweg vorab besprechen, und das bringt viel Ruhe ins Geschehen. Ich möchte die Wichtigkeit der Sozialpartner für die Steiermark betonen und dass sie einen großen Anteil daran haben, dass Wirtschaft funktioniert und die Interessen ausgeglichen dargestellt werden.
Hackl: Wie viel Zeit bleibt Ihnen selbst noch, um am Betrieb daheim mitzuarbeiten?
Steinegger: Wenn ich ehrlich bin, sehr wenig. Schließlich ist das Präsidentenamt ein Full-Time-Job. Mein „Bauernhof“, bei dem es die Ärmel aufzukrempeln gilt, ist die Landwirtschaftskammer Steiermark. Zu Hause führen meine Gattin Annamaria und mein ältester Sohn Andreas den Betrieb. Sie sind ein tolles Team und leiten den Hof mit großer Leidenschaft und Hingabe.
Hackl: Und was war am Bauernhof Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Steinegger: Meine große Leidenschaft war immer die Forstwirtschaft. Ich arbeite liebend gerne im Wald, melke aber auch gerne Kühe und war stets gerne auch bei der Geburt eines „Kalberls“ mit dabei.

Zur Person:
Andreas Steinegger ist Jahrgang 1970 und ausgebildeter Landwirtschafts- und Forstwirtschaftsmeister. Er ist Biobauer und bewirtschaftet in Foirach bei Niklasdorf gemeinsam mit seiner Gattin Annamaria und Sohn Andreas den Obermayerhof als Milchvieh- und Forstbetrieb mit Direktvermarktung. Von 2015 bis Februar 2025 war er Bauernbund-Bezirksobmann von Leoben, von 2016 bis März 2025 Bezirkskammerobmann, seit 14. März 2025 Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer, wiedergewählt heuer am 4. März. Zudem ist Steinegger Obfrau-Stellvertreter im steirischen Bauernbund (Obfrau ist Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer).





