Die Bergrettung Tragöß gibt Tipps für einen sicheren Wanderherbst und -winter.
Wenn die Temperaturen sinken und sich die Blätter bunt verfärben, zieht es viele Menschen in die Natur und besonders in die Berge. Die Bergrettung Tragöß, die im nächsten Jahr ihr 80-jähriges Bestehen feiert, gibt dazu wertvolle Tipps für eine sichere Zeit am Berg.
Planung ist alles
Um Unfälle zu vermeiden, ist eine sorgfältige Tourenplanung unerlässlich. Auch außerhalb der Herbstmonate sollte man sich vorab über das jeweilige Gebiet informieren. Wanderführer und Bergsport-Apps helfen dabei, wichtige Information über die Wegbeschaffenheit und die Schwierigkeitsgrade der Routen einzuholen. Neben der passenden Ausrüstung wie Regenschutz, Stirnlampe, Haube, Handschuhe und Erste-Hilfe-Paket gehört auch Wechselkleidung in den Rucksack. Die Verpflegung sollte an den Kraftaufwand und die Dauer der Tour angepasst werden. Ebenso wichtig ist es, die Route entsprechend der eigenen körperlichen Kondition zu wählen. „Lieber früher umkehren, solange das noch sicher möglich ist“, rät Ortsstellenleiterin Carmen Reiter. Noch ein wichtiger aktueller Tipp: Von 15. September bis 15. Oktober gilt der Bereich rund um Sonnschienalm und Häuslalm als jagdliches Sperrgebiet. Zudem sollte vorab beachtet werden, dass während dieser Zeit einige Schutzhütten bereits geschlossen sein können.
Vorsicht im Winter
Zur Vorbereitung im Winter gehört neben dem Wetterbericht auch das aufmerksame Lesen und Verstehen des Lawinenlageberichts. Bei Schneeschuhwanderungen und Schitouren im freien Gelände muss die Notfallausrüstung immer vollständig mitgeführt werden. Diese besteht aus Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde und Schaufel. Sollte trotz aller Vorsicht ein Unfall passieren, gilt es, Ruhe zu bewahren und umgehend einen Notruf abzusetzen: 140 für die Bergrettung oder 112 für den Euronotruf. Im nächsten Schritt achten Begleitpersonen auf den Eigenschutz. Ist die Unfallstelle sicher zugänglich, muss umgehend Erste Hilfe geleistet und die verletzte Person vor Unterkühlung geschützt werden, idealerweise mit einer Rettungsdecke oder einem Biwaksack.
Der Einsatzfall
Die Alarmierung der Bergrettung erfolgt über die Landeswarnzentrale (LWZ). Über diese werden sowohl die Einsatzleitung als auch die gesamte Einsatzgruppe per App informiert. Parallel dazu wird die Alpinpolizei verständigt. Vor Ort rückt rasch ein Stoßtrupp aus, der je nach Situation aus mehreren Bergrettern und Sanitätern besteht. Er übernimmt am Einsatzort unmittelbar die medizinische Erstversorgung und erkundet die Lage. Die restliche Mannschaft folgt mit weiterem Bergematerial. Die Bergrettung konzentriert sich dabei ausschließlich auf die Rettung und Versorgung der betroffenen Personen, etwaige Erhebungen zum Unfallhergang obliegen der Alpinpolizei. Die Verrechnung der Bergekosten ist landesweit einheitlich geregelt. Die Einnahmen fließen zweckgebunden direkt in die Anschaffung moderner Rettungsausrüstung sowie in die fundierte Aus- und Weiterbildung der Bergretter.
Erfahrung erforderlich
Wer sich für den Dienst bei der Bergrettung entscheidet, muss solide bergsteigerische und schifahrerische Fähigkeiten sowie Klettererfahrung mitbringen, diese Kenntnisse werden in der Ortsstelle vorausgesetzt. Wann Anwärter erstmals zu Einsätzen ausrücken, entscheidet die Einsatzleitung individuell nach dem jeweiligen Ausbildungsstand. Nach den landesweiten Sommer- und Winterkursen folgt der Abschluss als vollwertiger Bergretter. Danach stehen verschiedene Spezialisierungen offen, etwa in der Canyoningrettung, als Einsatzleiter oder in der Hundestaffel.

Einsatzübungen
Neben den regelmäßigen Übungen in der Ortsstelle finden mehrmals im Jahr gemeinsame Gebietsübungen statt, häufig auch in Zusammenarbeit mit der Alpinpolizei, der Feuerwehr oder den Hubschrauberstaffeln von Polizei und Bundesheer. Diese Gebietsübungen dienen nicht zuletzt dem gegenseitigen Kennenlernen der Bergretter über die einzelnen Ortsstellen hinweg. So greifen bei komplexen Gebietseinsätzen alle Rädchen nahtlos ineinander, und jedes Mitglied kann gezielt nach seinen individuellen Stärken eingesetzt werden. „Manche Einsätze fordern uns über viele Stunden im schwierigen Gelände“, sagt Carmen Reiter. „Wenn man die Stärken der anderen genau kennt, macht das die Zusammenarbeit enorm effizient und sicher.“





