Der Krieglacher Helfried Hainzl hat die ersten Windräder am Hochpürschtling und auf der Stanglalm aufgestellt und das Unternehmen Windheimat gegründet. Nach seinem Tod im Jahr 2021 führt Michael Hainzl das Unternehmen weiter und zählt mittlerweile zu den größten privaten Windparkbetreibern der Steiermark. Zusammen mit Mit-Geschäftsführer Christoph Gmoser spricht er über Ausbaupläne, Speicherformen und Widerstände.
Markus Hackl: Lieber Michael Hainzl, wie geht es Euren mittlerweile 22 Windrädern, verteilt auf drei Windparks?
Michael Hainzl: Sie laufen. Einen Teil sieht man ja auch von unserem neuem Firmenstandort in Krieglach. Wenn die Windräder einmal in Betrieb sind, dann läuft es grundsätzlich sehr gut für uns. Was hinzu kommt: Heuer scheint es ein gutes Windjahr zu werden, das vorige Jahr hingegen war nicht so gut, mit einem Windertrag von zirka minus zehn Prozent.
Hackl: Gefühlt würde man meinen, dass tendenziell mehr Wind gehen würde als früher?
Hainzl: Das können wir so nicht behaupten. Mehr Wind gibt es sicher nicht, tendenziell eher gleichbleibend, wobei das Jahr 2026 schon ein Ausreißer nach unten war. Bei unseren Windparks haben wir aber keine so großen Schwankungen beim Wind, wie es andere Windparks durchaus haben. Was wir sehr wohl herauslesen konnten: In den vergangenen Jahren ist es viel wärmer geworden, im Winter gibt es weitaus weniger Vereisungstage als noch vor 13 Jahren.
Christoph Gmoser: Weniger Eis ist für uns durchaus positiv, weil es weniger Stillstand bedeutet. Die neuen Anlagen verfügen jedoch über Heizsysteme in den Rotorblättern, was die Stehzeiten verringern würde.

Hackl: Wie weit sind die Verfahren zum Windpark Rosskogel am Höhenrücken zwischen Malleisten-Alm und Kaarl fortgeschritten? Wann wäre die Inbetriebnahme geplant?
Hainzl: Am Rosskogel sind wir erst am Beginn der Projektentwicklung, da gibt es noch nicht viel Spruchreifes. Es steht weithin sichtbar ein Windmessmast, im Herbst werden die Windmessungen abgeschlossen und parallel dazu werden Erhebungen für die UVP durchgeführt, um gut gerüstet ins Verfahren zu gehen. Was die Sache leichter macht: Der Rosskogel liegt in einer Wind-Vorrangzone. Konkreter ist es beim Windpark Hochpürschtling II auf dem Höhenrücken der Fischbacher Alpen. Da warten wir nur mehr auf den Bescheid zum Genehmigungsverfahren. Einerseits die Erweiterung des Windparks und andererseits werden die alten Anlagen durch neue Windräder ersetzt.
Gmoser: Die Anlagen sind 13 Jahre in Betrieb, der Austausch würde frühestens 2030 passieren, aber es macht Sinn, alles zusammen in einem Genehmigungsverfahren abzuwickeln, zumal hier auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung abgewickelt werden muss und diese Verfahren nehmen sehr viel Zeit in Anspruch.
Hackl: Neue Windräder produzieren ja auch mehr Strom als die alten?
Hainzl: Dazu nur ein Vergleich: Die Windräder am Hochpürschtling, 2013 in Betrieb genommen, mit 92 Meter Rotordurchmesser produzieren jedes Windrad zwei Megawatt und war damals die größte Anlage am Berg. Die Anlagen auf der Stanglalm, 2022 in Betrieb genommen, mit 126 Meter Rotordurchmesser erzeugen bereits 3,45 MW, zählte aber zu den kleinsten Anlagen, die in Österreich in Betrieb genommen wurden. Die neuen Anlagen produzieren bereits mehr als das doppelte, als jene Anlagen aus 2013.
Gmoser: Die Energie Steiermark stellt in der Weststeiermark mittlerweile Windräder mit Rotordurchmesser von 175 Metern auf. Keiner kann sagen, wann hier der Plafond erreicht ist.
Hainzl: Je größer der Rotordurchmesser, desto mehr Strom wird erzeugt. Gradmesser für Anlagen im alpinen Bereich ist immer, wie bringe ich die Anlage auf den Berg. Diese Hürden gibt es bei Windparks im Burgenland und in Niederösterreich nicht.
Hackl: Wären für die Windheimat GmbH auch Anlagen im Flachland denkbar?
Hainzl: Die Windkraftbranche in Österreich ist mit 15 bis 20 Betreibern denkbar klein. Wir sind in der Steiermark neben der Energie Steiermark schon die größeren Betreibern. Unsere Maxime ist es, den Markt vor unserer Haustür zu bespielen, hier kennen wir die Situation, wir kennen die Leute, man kennt uns. Im Osten Österreichs hingegen gibt es ein großes Gerangel um die verfügbaren Flächen. Machen könnten wir es, wir würden es gerne auch probieren, weil es für uns vergleichsweise einfache Baustellen wären. Es ist aber auch momentan nicht unser Kernfokus. Unsere Stärke ist die Regionalität.
Am Traidersberg haben wir jetzt die größte PV-Anlage der Steiermark in Betrieb genommen.
Michael Hainzl
Hackl: Sind weitere Projekte in Planung? Die Windheimat GmbH betreibt zusammen mit Partnerunternehmen mittlerweile auch schon Photovoltaikanlagen.
Hainzl: Wir haben gerade mit Traidersberg hinter der Voestalpine in Donawitz mit 28 Hektar und 61.000 Modulen und mit 400 Schafen die größte PV-Anlage der Steiermark eröffnet. Photovoltaik ist für uns ein neues Betätigungsfeld, ist aber nicht unsere Kernaufgabe. Was wir noch bauen, ist unser erstes großes Speicherprojekt. Beim tiefst gelegenen Windrad im Windpark Stanglalm werden Batteriespeicher in sechs Containern errichtet. Hier können wir 20.000 Kilowattstunden Energie speichern und ist somit die zweitgrößte Speicheranlage der Steiermark. Das entspricht in etwa einem jährlichen Stromverbrauch von sieben Haushalten. Bei voller Leistung würde der Windpark den Speicher in vierzig Minuten auffüllen. Die Speicher helfen uns die Strompreisunterschiede zwischen Tag und Nacht auszugleichen, schaffen aber Stabilität bei überlasteten Netzen.

Hackl: Gegenwind kommt immer wieder von Seiten der Alliance for Nature. Sie haben das Abnahmeverfahren beim Windpark Stanglalm beeinsprucht. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Gmoser: Durch diese Einwendung, die ihm selbst nur 50 Euro gekostet hat, kommt die Angelegenheit zum Bundesverwaltungsgericht, dieser hat gerade alle Unterlagen angefordert und dann wird geprüft, inwiefern diesem Einspruch stattgegeben wird. Inzwischen ist jedoch der Alliance for Nature der Status einer Umweltschutzorganisation aberkannt worden, dieser Bescheid des Innenministeriums ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
Hainzl: Mit nur 50 Euro bringt er uns zum Verwaltungsgericht. Uns entstehen dadurch enorme Kosten, die wir nie mehr zurückbekommen, auch dann nicht, wenn wir Recht bekommen sollten. Das ist ein grobes Missverhältnis.
Hackl: Wie hilfreich für den Ausbau der Windkraft ist das kürzlich beschlossene Erneuerbare-Ausbau-Beschleunigungsgesetz und welche konkrete Auswirkungen hat es auf euer Unternehmen?
Gmoser: Grundsätzlich ist es positiv zu beurteilen. Es wird sich jedoch erst in der Praxis zeigen, wie sehr dieses Gesetz eine positive Wirkung entfalten kann. Wird ein Projekt UVP-pflichtig, am Berg passiert das ab drei Windräder, dann ist das EABG ausgehebelt und ist nicht anwendbar. Ausgenommen sind Beschleunigungsgebiete. Diese werden von den Bundesländern festgelegt, jetzt bleibt abzuwarten, welche Regionen als Beschleunigungsgebiete definiert werden. Das ist ein politischer Prozess, der noch nicht vollzogen wurde. Sollten wir als so eine Region definiert werden, bleibt immer noch das Problem, das unser Sachverständigenapparat heillos überlastet ist und dadurch die Verfahren in die Länge gezogen werden.
Bis eine Anlage in Vollbetrieb gehen kann, dauert es zirka zehn Jahre – sofern alles ohne Komplikationen verläuft.
Christoph Gmoser
Hackl: Wie lange dauert es, einen Windpark umzusetzen – von der Planung bis zur Inbetriebnahme?
Gmoser: Ein anschauliches Beispiel liefert der Windpark Hochpürschtling II: Hier haben die Planungen 2018/19 begonnen, im Frühjahr 2024 wurde das Projekt zur UVP eingereicht, jetzt warten wir auf den Genehmigungsbescheid. Dann dauert es noch drei bis vier Jahre, bis die Anlage in Vollbetrieb gehen kann. Also zirka zehn Jahre – und bei diesem Projekt ist bislang alles gut und ohne Komplikationen gelaufen. Allein die Projektentwicklung verschlingt mehrere Millionen Euro, und da reden wir noch nicht von Kosten für Wegebau und Anlagenbau.
Hackl: Wie schwer oder wie leicht ist es, Abnehmer für den erzeugten Strom zu bekommen?
Gmoser: Strom wird an einer Börse gehandelt und wir bringen unseren Strom über einen Vermarkter auf den Markt. Hier gilt es zwischen den Energieträgern zu unterscheiden. Bei Photovoltaikanlagen ist es deutlich schwieriger, hier gibt es eine große Kanibalisierung. Beispielsweise wird heute zu Mittag null Euro Börsenpreis für Sonnenstrom, das heißt wir liefern Gratisstrom für den Markt. Wind hingegen hat den großen energiewirtschaftlichen Vorteil, dass Wind hauptsächlich dann weht, wenn es wenig Sonne und somit wenig Sonnenstrom gibt. Deshalb ist es relativ einfach, den Wind zu vermarkten. Zwei Drittel des Windstroms wird im Winter erzeugt. Deshalb wird unser Fokus beim Wind bleiben.
Hackl: Es gibt PV-Anlagen auf Hausdächern, es gibt Luft- und Erdwärmepumpen, aber es gibt nur sehr vereinzelt Windräder für Einfamilienhäuser. Warum eigentlich?
Hainzl: Weil die Kleinanlagen schlicht zu wenig Strom erzeugen, weil der Wind im Tal fehlt. Und es fehlt an der Fläche, die den Wind aberntet. Ein großes Windrad geht ab einer Windstärke von 10 km/h in Betrieb – und da weht schon recht ordentlich der Wind.
Hackl: Das rote Dauerblinken der Windräder in der Nacht ist bald Geschichte. Wann hört das Blinken auf der Stanglalm auf?
Hainzl: Es gibt endlich eine gesetzliche Grundlage dazu. Erste Anlagen von einem Hersteller haben schon begonnen, die Lichter abzudrehen. Wir werden dieses System auch bei unseren neuen Anlagen implementieren. Die Lampen blinken ja weiterhin, aber nur der Infrarotteil und somit für Nachtsichtgeräte sichtbar. Ganz wird das Rotblinken nie verschwinden, es gibt zwar ein Flugverbot für Flugzeuge ohne Instrumentenflugtechnik, aber sie dürfen um eine Stunde länger fliegen, als wir unsere Blinklichter schon eingeschaltet haben müssen. Diese eine Stunde gibt es jeweils in der Abend- und Morgendämmerung.
Hackl: Der Alpenverein mit seinen fast 700.000 Mitgliedern positioniert sich immer stärker auch als Naturschutzorganisation und nimmt eine eher skeptische Haltung zum Ausbau der Windkraft im Alpinen Raum ein und findet damit starke Unterstützung in den westlichen Bundesländern. Eine Haltung, die Euch ärgert?
Hainzl: Grundsätzlich schon, wobei es hier die Haltung der Alpenvereinszentrale in Innsbruck ist und nicht auf die Sektion Wartberg zutrifft: Hier gibt es eine gute Zusammenarbeit und viel gegenseitige Wertschätzung. Hauptzweck der alpinen Vereine war ja stets die Erschließung der Alpen für touristische Zwecke. Wenn man sich jetzt als Naturschurschutzorganisation versteht und jetzt gerade bei Windparks Schutzgebiete und Ruhezonen fordert, dann müsste das ja auch für touristische Zwecke gelten. Hier misst man meiner Meinung nach mit zweierlei Maß. Österreich hat eine stark ausgeprägte Kulturlandschaft, unberührte Naturzonen sind sehr selten. Allein das Mürztal hat eine sehr ausgeprägte Industrie im Tal und extrem stark bewirtschaftete Wälder, wobei es dem Wald so gut geht wie nie zuvor. Gerade die westlichen Bundesländer sind wegen der Skigebiete bis in die Gletscherregionen erschlossen und das ist reinster Massentourismus. Das ist für mich ein krasser Widerspruch in der Argumentation. Ich bin sehr wohl für eine geordnete Umsetzung mit ausgewiesenen Vorrangzonen und einem Sachprogramm für Windkraft – so wie es in der Steiermark geschieht.
Zur Windheimat GmbH:
Mitte der 2000er-Jahre werden in der Steiermark die ersten Windräder errichtet. Im Jahr 2009 gründet Helfried die Windheimat GmbH, zu dieser Zeit laufen bereits die Planungen für den Windpark Hochpürschtling auf dem Gemeindegebiet von Krieglach. 2013 geht der erste Windpark der Windheimat in Betrieb. Parallel dazu haben bereits die Planungen und Vorarbeiten für den Windpark Stanglalm begonnen, der 2021 in Betrieb geht. Im Jahr 2019 beginnen die Planungen für den Windpark Silbersberg bei Trofaiach, dieser geht 2024 in Betrieb. 2021 wird die Grünstrom GmbH gegründet und 2023 die PV-Freiflächenanlage Schlossbauer in Trofaiach in Betrieb genommen. 2024 wird die PV Traidersberg GmbH gegründet; heuer im Juni wurde die Photovoltaikanlage 2026 in Betrieb genommen.





