Mit einer „Bank der Erinnerung“ wahrt man in Mürzzuschlag das Gedenken an die vier Zwangsarbeitslager während des Zweiten Weltkriegs.
Der Mürzzuschlager Bürgermeister Karl Rudischer brachte es bei der Gedenkveranstaltung bei der Kirche Hönigsberg auf den Punkt: „Es ist ein dunkler Fleck in der Geschichte unserer Stadt. Die Thematik Zwangsarbeiter wurde bislang historisch nicht aufgearbeitet. Mit diesem Projekt setzen wir jedoch ein deutliches Zeichen des Nicht-Vergessens.“ Barbara Habermann vom Wintersportmuseum hat diesen Erinnerungsprozess gestartet: „Im Sommer 2025 erzählte mir die Wiener Historikerin Barbara Holzheu mit Wurzeln in Kapellen von den Barackenlagern der Schoeller-Bleckmann-Werke im Zweiten Weltkrieg. Wir sinnierten und ich schlug ein Schulprojekt vor – und im Herbst starteten wir mit den 7. Klassen des Herta-Reich-Gymnasiums mit dem Projekt.“

Idee einer Erinnerungsbank
Ein Vorschlag aus diesen Arbeitsgruppen war die Schaffung eines dauerhaften Erinnerungselements. Eine Kleingruppe hatte die Idee einer Erinnerungsbank. „Wir haben den Grafiker Michael Gletthofer von der Idee erzählt und er hat diese sofort aufgegriffen. Gemeinsam mit seiner Tochter Paula hat er wirklich etwas Besonderes gestaltet“, so Barbara Habermann. In einem kleinen Festakt bei der Kirche in Hönigsberg wurde diese Erinnerungsbank von Pfarrer Boguslaw Swiderski eingeweiht. Michael Gletthofer erklärt sein Werk: „Es ist eine Skulptur zum Sitzen. Es soll eine Bank der Erinnerung und gegen das Vergessen sein. Es gibt eigentlich keinen Beipacktext, jeder kann die Skulptur für sich selbst definieren.“

Zwangsarbeiter in Mürzzuschlag
Im Zweiten Weltkrieg waren die Schoeller-Bleckmann-Werke in Mürzzuschlag Zulieferer für die Rüstungsindustrie. Der enorme Arbeitsaufwand wurde mit Frauen und Zwangsarbeitern bewältigt. Im Raum Mürzzuschlag hat es vier Barackenlager gegeben – bei der Ziegenburg, in der Nähe des Ganzsteins, gegenüber der ehemaligen Billa-Filiale und in Hönigsberg im Nahbereich der Kirche, wo nun auch die Erinnerungsbank aufgestellt wurde. Mehr als 400 Zwangsarbeiter waren in den Mürzer Barackenlager untergebracht. „Es hat faktisch kaum Unterlagen darüber gegeben, einzig Herbert Simonitsch hat dazu ein wenig recherchiert gehabt“, sagt Habermann. Fündig wurde man nach und nach im Nachlass des Herbert Brenner – er hat das Buch „Im Schatten des Phönix“ mit verfasst. „Auch im Archiv der Firma Schoeller-Bleckmann in Ternitz wurden wir fündig. Plötzlich gab es Pläne, Dokumente und Aufzeichnungen, aber leider keine Fotos“, so Barbara Habermann.





