Der Kirchturm in St. Lorenzen wird einer umfassenden Sanierung unterzogen, die Fertigstellung ist Ende Juni geplant.
Im April startete eine umfassende Sanierung des Kirchturms der Pfarrkirche in St. Lorenzen. Was bereits seit längerer Zeit geplant war, wurde schließlich aus Sicherheitsgründen dringend notwendig: Immer wieder hatten sich Mauer-, Gesimse- und Putzteile gelöst und waren herabgefallen, wie Pfarrer Herbert Kernstock und Brigitte Kraker als Vorsitzende des Wirtschaftsrates berichten. Bevor die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Bauwerk beginnen konnten, waren jedoch zahlreiche Vorbereitungen erforderlich. Angebote mussten eingeholt, Fachleute beauftragt und mehrere Begutachtungen durchgeführt werden. Neben den ausführenden Firmen war auch das Bundesdenkmalamt in die Planungen eingebunden.
In hellem Ockerton
In den vergangenen Wochen wurde der gesamte Kirchturm eingerüstet sowie lose Mauerteile, schadhafte Putzschichten und beschädigte Gesimsteile entfernt. Auch die Ziffernblätter und Zeiger der Turmuhr mussten abgenommen werden. Während die Zeiger restauriert und neu vergoldet werden konnten, waren die alten Ziffernblätter nicht mehr zu retten. Für die Vergoldung der Zeiger wurden übrigens lediglich 2,52 Gramm Gold benötigt. Eine besondere Entdeckung machte man unter den Metallplatten der bisherigen Ziffernblätter: Dort kam die ursprüngliche Originalfarbe des Turmes zum Vorschein. In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt fiel die Entscheidung, den gesamten Turm künftig wieder in diesem hellen Ockerton zu gestalten. Die Ziffernblätter werden dabei nicht mehr aus Metall gefertigt, sondern direkt auf die Turmflächen aufgemalt. Die Sanierung befindet sich mittlerweile im Endspurt. In den kommenden Wochen werden das Uhrwerk sowie die restaurierten Zeiger wieder montiert. Zusätzlich erhalten die Gesimse sogenannte Regenleisten aus Spenglerarbeit, die künftig das Eindringen von Wasser ins Mauerwerk verhindern sollen.

Fertigstellung Ende Juni
Nach Abschluss dieser Arbeiten werden Gerüste, Schutzvorrichtungen und Baumaterialien entfernt, ehe eine abschließende Reinigung erfolgt. Herbert Kernstock und Brigitte Kraker zeigen sich zuversichtlich, dass die Arbeiten Ende Juni abgeschlossen werden können. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 138.000 Euro. Zwar wird die Sanierung von der Diözese und dem Bundesdenkmalamt gefördert, dennoch verbleibt für die Pfarre ein Eigenanteil von rund 85.000 Euro. Zur Finanzierung setzt die Pfarre auf die Unterstützung der Bevölkerung. Ein Benefiz-Orgelkonzert wurde bereits veranstaltet. Zudem können Interessierte symbolische „Bausteine“ in Form von Zeigern und Ziffernblättern erwerben. Darüber hinaus wurde ein eigenes Spendenkonto eingerichtet.
Lange Geschichte
Die Geschichte der Pfarre St. Lorenzen reicht weit zurück. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie bereits im Jahr 925. Archäologische Funde bei Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1990 und 1991 bestätigten diese frühe Erwähnung eines Kirchenbaus. St. Lorenzen war einst der kirchliche Mittelpunkt des gesamten Mürztales. Der heutige Kirchenbau entstand im Kern als spätromanische, dreischiffige Pfeilerbasilika um 1270 bzw. 1280. Mehrfach wurde die Kirche im Laufe der Jahrhunderte von schweren Schicksalsschlägen getroffen. Beim großen Ortsbrand am Florianitag 1787 brannten Kirche und Pfarrhof vollständig nieder. Beim Wiederaufbau erhielt der Turm seinen markanten Zwiebelhelm. Ein Blitzschlag zerstörte 1806 erneut Turm und Kirchendach, die Wiederherstellung zog sich bis 1834 hin. 1907 wurde der Kirchturm durch eine Unachtsamkeit des Mesners abermals ein Raub der Flammen. Zu den kunsthistorischen Besonderheiten zählen der Hochaltar aus dem Jahr 1748 mit einem Altarbild von Johann Baptist Scheit sowie die gotischen Fresken, darunter der Dreikönigszug und der Feiertagschristus. Der Volksaltar wurde von der Künstlerin Christine Brettschuh gestaltet.




