Die Mürztaler Sängerin Caro Fux hat sich beim österreichischen Musikpreis ihren ersten Amadeus in der Kategorie „Songwriter des Jahres“ abgeholt.
Caro Fox ist zweifelsfrei die große Durchstarterin in der österreichischen Musikszene. Im Interview erzählt sie, wie sie zu ihrer Musik kommt, wie sehr sie das Mürztal immer noch prägt, über psychische Belastungsgrenzen und über die Person im Affenkostüm.

Der Kindberger Markus Hackl ist seit knapp 25 Jahren journalistisch in der Obersteiermark aktiv und seit 2025 als freiberuflicher Journalist tätig. Für die Leserinnen und Leser der Rundschau bittet er Menschen zum Gespräch, die in der Region viel bewegen und entsprechend etwas zu erzählen haben.
Hackl: Liebe Caro Fux, wir treffen uns hier beim Krainer in Langenwang im Mürztal. Wie sehr hat dich das Mürztal geprägt und wie sehr prägt es dich immer noch?
Caro Fux: Eine Frage, die ich mir oft selbst stelle. Es hat mich sicherlich mehr geprägt, als mir bewusst ist. Ich habe lange geglaubt, das Mürztal hat wenig mit mir zu tun, aber ich spüre immer mehr, dass es doch nicht so ist. Da ist mehr dahinter. Und die Mürztaler sind schon ein besonderer Menschenschlag und nicht ganz einfach zu knacken. Einfach einzigartig. Besonders die Liebe zum Land und zur Natur wird mir immer bleiben und hat mich als Person und meinen Charakter geformt und beeinflusst. Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch, dafür sorgen schon die Menschen um einen herum, mit denen man aufgewachsen ist.
Hackl: Du bist in einem bäuerlichen Umfeld groß geworden. Wie sehr hat dich das geformt?
Fux: Im Herzen bin ich schon ein Bauernkind – im Sinne von bodenständig und natürlich. Ich bin in totaler Freiheit aufgewachsen: Ich bin zur Tür raus und es war Freiheit spürbar. Ich werde aber das Image eines Bauernkindes sicher nicht ausspielen, so wie es andere Musiker und Musikerinnen machen. Es wird ein Teil meiner Persönlichkeit immer sein, die ich aber nicht groß nach außen tragen werde.

Hackl: Noch wohnst du im Mürztal. Soll das immer so bleiben?
Fux: Ich fühle mich hier gut aufgehoben. Ich kann gut abschalten und finde hier meine ,Seelenruhe’. Das Landleben holt mich runter und verschafft mir die notwendige Ruhe, weil die Musikbranche ist so rasant und immer voll am Anschlag. Ich bin gerne allein im Wald unterwegs, das brauche ich ganz einfach. Ich habe aber auch schon in Graz gewohnt und kann mir auch ein Leben in Wien gut vorstellen – jedoch immer mit einem Rückzugsort am Land.
Hackl: Du machst kein Geheimnis daraus, dass du so um das Jahr 2020 mit psychischen Problemen zu kämpfen hattest und in ein Burn-Out geschlittert bist. War es für dich ein Zeichen, etwas Grundlegendes am Leben zu ändern?
Fux: Es war eine Form von Erschöpfungsdepression. Für mich war es ein schwerer Schlag, der mich völlig aus der Bahn geworfen hat. Es war ein Aufwachen, ein Wendepunkt in meinem jungen Leben – ich war damals 27.
Hackl: Du hast dir professionelle Unterstützung in Form eines Psychotherapeuten geholt?
Fux: Ja, ich war in Therapie und auf Reha. Ich weiß nicht, ob ich es ohne professionelle Unterstützung geschafft hätte. Alleine dreht man sich stets im Kreis und findet nicht heraus. Ich würde jedem raten, der in einer ähnlichen Situation ist, sich Hilfe zu holen.
Hackl: Irgendwie war es auch der Start in die Gesangskarriere, daraus ist auch dein erster Song „Wunderschei“ entstanden?
Fux: Es war der Punkt in meinem Leben, der mich gezwungen hat, etwas im Leben zu verändern. Ich habe mir die Frage gestellt: Was willst du wirklich machen? Willst du wieder in dein altes Leben zurück? Die Beantwortung dieser Fragen führte mich zur Musik – zu meiner eigenen Musik, weil gesungen habe ich schon immer.
Hackl: Wie lange singst du eigentlich schon? Und war Musikerin jemals dein Traumberuf?
Fux: Ich singe, seit ich denken kann. Meine Eltern singen gerne, auch meine Großeltern. Der Zugang zur Musik liegt in unserer Familie. Ich war zwar in der Musikschule und habe Flöte und Oboe gelernt; später auch Gitarre – ich habe aber nie Gesangsunterricht genossen, aber schon als Jugendliche auf Hochzeiten gesungen. Insgeheim war es sicher auch mein Traumberuf, weil mit neun Jahren wollte ich so sein, wie Christina Stürmer. Ich habe aber nie gesagt, dass ich Sängerin werden will. Das Singen aber war stets meine große Leidenschaft.
Hackl: Wie entstehen deine Lieder? Der Text kommt von dir, wer sorgt für die passende Musik dazu?
Fux: Wir sind ein Songwriting-Team, da sind wir zu dritt. Ideen, Textphrasen und teilweise auch Melodien fallen mir im Alltag ein – im Wald, auf der Straße, beim Autofahren oder nach einem Gespräch. Das schreibe ich mir auf, oder nehme es am Handy auf, damit gehe ich zu meinen Songwriters und dann wird Stück für Stück aus einer Idee ein Song. Tamara, meine Songwriterin, sagt immer, dass sich der Song eh von selber schreibt.
Hackl: Lassen sich deine Songs in eine Schublade stecken? Austropop – neue Generation? Schlager – eher nein?
Fux. Cool wäre, nicht in Schubladen zu denken. Was sind schon Schubladen, die schaffen nur Abgrenzung. Ich sehe meine Musik als Austropop oder Dialektpop. Wenn es jemand als Schlager betitelt, dann bitte soll er doch. Wichtig ist, dass die Musik bei den Menschen ankommt.
Ich sehe meine Musik als Austropop oder Dialektpop. Wenn es jemand als Schlager betitelt, dann bitte, soll er doch.
Caro Fux
Hackl: Dialektsingen ist für dich aufgelegt?
Fux: Durchaus. Ich habe kurz überlegt, auf Englisch zu singen, habe aber diese Idee schnell verworfen. Meine Ideen und Botschaften kann ich im Dialekt am besten rüberbringen. Es ist authentisch und meinem Herz am nächsten.
Hackl: Hast du musikalische Vorbilder?
Fux: Christa Stürmer habe ich schon erwähnt, sie hat mich schon als Kind inspiriert. In meiner Jugend hat mich Pink mit ihrer Frechheit fasziniert. Jetzt bin ich absoluter STS-Fan, deren Texte und Aussagen berühren mich. STS haben zeitlose Songs und genau da möchte ich mit meinen Songs auch hin. Ich will auch zeitlos sein.
Hackl: Du arbeitest gerade an deinem ersten Album? Die erste Tournee mit Band startet am 15. Oktober in Graz. Eine neue Herausforderung?
Fux: Am Album arbeiten wir gerade, die Lieder haben wir beisammen. Jetzt geht es an die Verfeinerungen. Es gilt, die besten Songs aufs Album zu bringen. Erscheinen wird es im nächsten Jahr. Auf die Tournee, es ist ja eher eine Mini-Tournee mit sieben bis acht Konzerten, freue ich mich irrsinnig. Unterwegs werden wir mit einer fünf-köpfigen Band sein. Wir sind aber zuvor auch auch sehr vielen Live-Veranstaltungen zu sehen und zu hören.
Hackl: Ohne Management geht es in diesen Sphären nicht mehr. Du hast dich für Annemarie Reisinger-Treiber von Parramatta entschieden. Wie ist es dazu gekommen?
Fux: Seit zwei Monaten habe ich ein eigenes Management. Im Laufe des Herbstes habe ich gemerkt, dass die Arbeit drumherum mit Buchungen, Medienanfragen, Social-Media-Betreuung, Auftritten und Songs produzieren immer mehr wird und dass ich Unterstützung brauche. Auf Annemarie bin ich über Kontakte gekommen, ich habe sie dann kennengelernt und wir haben uns schnell gefunden.
Hackl: Wie viel freie Hand bleibt dir in diesem Gefüge mit Label, Verlag, Booking und Management noch?
Fux: Ich habe völlig freie Hand, das ist mir wichtig. Die letzte Instanz bin immer ich. Ich bin die Künstlerin, die auf der Bühne steht. Wenn ich es nicht will und nicht mache, dann steht das Werkl still. Ich werde mich nicht auf die Bühne zerren lassen, wenn ich es nicht will.
Hackl: Du warst in zwei Kategorien beim Amadeus Award am 6. März nominiert. Jeweils für „Aff im Kopf“ in den Rubriken Song des Jahres und Songwriter des Jahres – zusammen mit Tamara Olorga und Ricardo Bettiol. Im Rennen mit Pizzera & Jaus, Rian, JJ oder Thorsteinn Einarsson. Macht dich das stolz? Ist es irgendwie auch surreal?
Fux: Es ist irgendwie schräg. Ja, es macht mich ungemein stolz und ja, es ist zum Teil surreal; zum anderen Teil auch wieder nicht, weil es genau das ist, wo ich hin möchte. Eine Nominierung war schließlich ein großes Ziel von mir, es überrascht mich nur, dass es so schnell gegangen ist.

Hackl: Du hast den Amadeus in der Kategorie „Songwriter des Jahres“ gewonnen. Wie wird es mit deiner Karriere jetzt weitergehen?
Fux: Die Dankesrede hatte ich schon tagelang zuvor vorbereitet. Aber was soll sich groß verändern? Im besten Fall geht es jetzt noch schneller bergauf mit der Karriere. Allein die Nominierung hat schon sehr viel bewegt, mein Bekanntheitsgrad hat sich rasant erweitert. Schließlich ist es der österreichische Musikpreis – und das ist schon was.
Hackl: Wie gehst du mit dem Erfolgsdruck und der Erwartungshaltung um? Von Falco weiß man, dass er in ein emotionales Loch gefallen ist, als er Nr. 1 in Amerika geworden ist.
Fux: Ich versuche – und es gelingt mir erstaunlicherweise auch sehr gut – diesen Druck auszublenden. Es gibt diesen Druck meinen Partnern gegenüber, die alle mit mir drinhängen; auch die Menschen erwarten sich, dass der nächste Song wieder so klingt, wie der letzte. Ich bin aber auch kein Wunderwuzzi, der einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt. Ich weiß, dass der Druck da ist, ich bin aber nicht auf der Welt, um Erwartungen zu erfüllen. Ich mache Musik, die ich als gut empfinde. Ob jetzt ein Song erfolgreich ist und ein anderer weniger, das liegt nicht in meinem Einflussbereich.

Hackl: Wie groß ist eigentlich deine eigene Erwartungshaltung?
Fux: Die ist sehr hoch, natürlich will man stets besser werden und das bestmögliche abliefern. Ich spüre jetzt schon, dass ich und wir immer besser werden, einfach weil wir es öfter machen. Viele Abläufe beginnen sich dadurch zu automatisieren. Man wird besser beim Song schreiben, auf der Bühne, bei den Interviews. Zwischen meinen Auftritten vor zwei Jahren und jetzt liegen sicherlich Welten dazwischen, einfach weil dazwischen so viel passiert ist.
Hackl: Ist Profi-Musikerin etwas, was du in zehn Jahren auch noch ausüben möchtest?
Fux: Ja, unbedingt. Der Chef von Sony-Deutschland hat mich vor der Vertragsunterzeichnung gefragt: Was willst du erreichen? Einen Hit, oder eine Karriere? Ich habe ihm sehr schnell geantwortet: Ich will die Karriere. Für mich ist es eine sehr bewusste Entscheidung, den Weg als Profimusikerin zu gehen. Bislang habe ich noch nichts gefunden, was mir mehr Freude bereitet und deshalb kann es nicht falsch sein. Irgendwann werde ich in Griechenland in meiner ,Ktima’ sitzen und Texte schreiben, komme für ein paar Konzerte nach Österreich und fliege wieder zurück. So wie der Stipsits. (lachend)
Hackl: Ich frage für einen Freund: Wer steckt eigentlich im Affenkostüm vom Video „Aff im Kopf“?
Fux: Das ist jetzt wirklich lustig. Diese Frage wird mir so, so oft gestellt. Ins Kostüm hat sich eine gute Freundin von mir gezwängt.
Zur Person
Caro Fux, bürgerlich Caroline Putzgruber, ist gebürtige Mürzzuschlagerin und auf einem Bauernhof aufgewachsen. Schon im Alter von fünf Jahren entdeckte sie ihre Begeisterung für Musik. Nach einem Burn-Out im Jahr 2020 entschied sie sich, ihren Lehrerjob an den Nagel zu hängen und eine Musikkarriere einzuschlagen. Mit ihrer Single „Aff im Kopf“ schaffte sie es auf Platz 3 der Spotify Viral Charts in Österreich und in die Ö3 Austria Top 40. Ebenso war der Song im Jänner 2026 der meistverkaufte Austropop-Song. Am 6. März erhielt Caro Fux den österreichischen Musikpreis für Songwriting.




