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Startseite » Der Amtsschimmel ist kein jagdbares Wild
Lokales

Der Amtsschimmel ist kein jagdbares Wild

Karl Doppelhofervon Karl Doppelhofer26. Februar 20263 Minuten Lesezeit
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Zwei Männer neben einer mit Hirschtrophäen geschmückten Wand
Martin Spreitzhofer (li.) und Hannes Fraiß: „Wir sind bei der Abschussfreigabe am obersten Zacken. Alle bemühen sich ehrlich, das gehört respektiert.“ Foto: KD
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Der Bezirk Bruck-Mürzzuschlag ist Hotspot bei Verfahren gegen Jäger wegen geringfügiger Abschussplanverfehlungen. Bei insgesamt erfülltem Plan.

„Da kommen wir vor lauter Bürokratie nicht mehr dazu, uns draußen in den Revieren um das Wesentliche zu kümmern!“ Mit diesen Worten warnte der Mürzzuschlager Bezirksjägermeister Hannes Fraiß schon im vergangenen Jahr vor einer übergenauen Auslegung eines einzelnen Unterabsatzes im Jagdgesetz. Einer Formulierung, die – sofern auf Punkt und Beistrich befolgt – schon bei kleinsten Verfehlungen des Abschussplanes Sanktionen gegen den betreffenden Jäger vorsieht. Jedes einzelne statistisch fehlende Stück (bei landesweit mehr als 50.000 Reh-Abschüssen pro Jahr, Anm.) muss demnach gemeldet und auf gut Verwaltungsdeutsch „beamtshandelt“ werden.

Was der Einzelne knapp nicht geschafft hat, das hat oft der direkte Reviernachbar mehr auf dem Zettel. Also warum, bitte?!

Martin Spreitzhofer

Die Befürchtung des Bezirksjägermeisters hat sich bewahrheitet, jedenfalls im politischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Für das Jagdjahr 2024/25 sind 79 Verfahren anhängig, das heißt, rund jedes fünfte Revier ist betroffen. „Überall anders haben die Bezirksbehörden die Sache anders gehandhabt. Im Verhältnis zur Anzahl der Reviere gibt es in allen anderen Bezirken nur einen Bruchteil an Verfahren“, sagt der Obmann des Jagdschutzvereins Mürzzuschlag Martin Spreitzhofer. Und er nennt einen Aspekt, der die Situation zusätzlich unverständlich macht: „Über den gesamten Bezirk betrachtet liegt die Planerfüllung bei 100 Prozent. Und was der Einzelne knapp nicht geschafft hat, das hat oft der direkte Reviernachbar mehr auf dem Zettel. Also warum, bitte?!“

Eigentlich wollen wir für die Jäger und fürs Wild da sein.

Hannes Fraiß

„Die Behörde hat sich mit der rigiden Vorgehensweise selbst viel Arbeit aufgehalst“, sagt Spreitzhofer, „denn von den 79 Bescheiden wurde mehr als die Hälfte beeinsprucht.“ Und das mit sehr ernstem Hintergrund, denn schon bei zweimaliger Sanktionierung würde als mögliche Konsequenz der Verlust der Jagkarte drohen. „Dass wir im Vorfeld ein Jahr lang auf die Notwendigkeit einer vernünftigen Handhabe hingewiesen haben, macht die Sache umso ärgerlicher“, sagt Spreitzhofer, und Fraiß fügt an: „Wir sind beim Abschuss ja am obersten Zacken, bei dem, was die Jäger bewältigen können. Und wir besprechen im Jagdbezirk die Pläne mit allen Revieren separat unter Einbeziehung der Landwirtschaftskammer. Alle bemühen sich ehrlich, das gehört respektiert.“ Als Bezirksjägermeister habe er die Verpflichtung, die Zahlen zu melden, alternativlos. „Eigentlich wollen wir Funktionäre aber für die Jäger und fürs Wild da sein“, so Fraiß.

In der Steiermark werden jährlich mehr als 50.000 Rehe erlegt. Foto: AdobeStock

Reparatur in Aussicht

Ihren Ausgang hat die bürokratische Misere in einer Novellierung des steirischen Jagdgesetzes im Jahr 2024. Damals ist eine Formulierung in den Absatz 3b des Paragraphen 56 gerutscht, die beim behördlichen Umgang mit der Abschussplanerfüllung de facto keine Luft lässt. „Es ist eine Änderung in Vorbereitung, und sie wird voraussichtlich im Lauf des kommenden Jagdjahres in Kraft treten können“, sagt Martin Spreitzhofer. Die Bezirksjägermeister sollen dadurch Spielraum in der Beurteilung zurückerhalten. „Vor allem ist geplant, den Jägern die Möglichkeit einzuräumen, Verfehlungen schriftlich zu begründen“, sagt Hannes Fraiß. Derzeit ist es unerheblich, warum ein Stück auf der Strecke fehlt. Da mögen die Gründe noch so nachvollziehbar sein, es gilt allein die nackte Zahl.

Für 0,24 Prozent ein akutes Problem

Ein wesentlicher Hintergrund jagdlicher Abschussvorgaben, die mit der Land- und Forstwirtschaft abgestimmt werden, ist die Vorsorge gegen Schäden durch zu hohe Wildpopulationen. „Wenn so etwas passiert, ist es für den Grundeigentümer natürlich ein ernstes Problem“, sagt Martin Spreitzhofer, „aber die Häufigkeit, von der wir da reden, ist zum Glück bzw. eher dank guter Bejagung eine sehr geringe.“ Ein Problem mit Wildschäden haben laut Spreitzhofer steiermarkweit 0,24 Prozent aller Reviere. „97 Hektar gelten derzeit als gefährdet – von insgesamt 1,6 Millionen Hektar Jagdfläche im ganzen Land.“

Bezirk Bruck-Mürzzuschlag Jagd
Karl Doppelhofer
Karl Doppelhofer

Aufgewachsen in Langenwang im Mürztal, jetzt in Bruck an der Mur daheim. Hat sich 1997 als Quereinsteiger in den Journalismus verirrt und nimmer rausgefunden. Redaktionsleiter der Rundschau seit deren Gründung im Jahr 2012.

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