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Startseite » „Das hängen wir dem Georg Bliem um“
Lokales

„Das hängen wir dem Georg Bliem um“

von Markus Hackl14. Jänner 20266 Minuten Lesezeit
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Ein Mann mit einem Bartkauz auf dem Arm
Abschied auch vom Wildpark: Georg Bliem mit Bartkauz auf dem „Wilden Berg“ in Mautern. Foto: Planai Bergbahnen/Harald Steiner
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Im Gespräch mit „Mister Planai“ Georg Bliem. Nach 14 Jahren als Chef der größten steirischen Bergbahnen, die auch den Wilden Berg in Mautern managen, geht er zwar in Pension, aber ganz sicher in keinen Ruhestand.

Seit 14 Jahren ist Georg Bliem Geschäftsführer der Planai-Bergbahnen. Zuvor war er steirischer Tourismuschef, seine Sporen im Tourismus verdiente er sich viele Jahre in Deutschland. Im Interview erzählt er über sein Wirken in Schladming, über den Fortbestand des Wilden Bergs in Mautern und über den „unmöglichen“ Ruhestand.

Der Kindberger Markus Hackl ist seit knapp 25 Jahren journalistisch in der Obersteiermark aktiv und seit 2025 als freiberuflicher Journalist tätig. Für die Leserinnen und Leser der Rundschau bittet er Menschen zum Gespräch, die in der Region viel bewegen und entsprechend etwas zu erzählen haben.

Markus Hackl: Lieber Georg Bliem, nach mehr als 14 Jahren als Geschäftsführer ist es der letzte Winter auf der Planai. Wie wehmütig sind Sie?
Georg Bliem: Ich gehe ja nicht unvorbereitet. Es ist ein Schritt, den ich mir gut überlegt habe. Es waren 14 erfüllende Jahre, es waren aber auch Jahre, die gezehrt haben, schließlich war es mehr als ein Full-Time-Job. Ich habe zuletzt so viel gearbeitet wie nie zuvor, und das in meinem 69. Lebensjahr.

Hackl: Das Night-Race wird sozusagen ihre Abschiedsfeier?
Bliem: Nicht ganz. Offiziell bin ich zwar bis Ende Jänner als Geschäftsführer im Amt, es gibt aber eine Übergangszeit, die bis ins Frühjahr dauern wird. Genügend Zeit für die neue Geschäftsführung, sich bestens einzuarbeiten.

Hackl: Was ist in diesen 14 Jahren rund um die Planai passiert?
Bliem: Sehr, sehr viel. Es wurden 230 Millionen Euro investiert, neun neue Seilbahnen gebaut. Die Dachstein Bergstation wurde vollkommen neu gestaltet, sämtliche Speicherteiche erneuert und es wurde ein bestens frequentierter Busbetrieb aufgebaut. Nicht zu vergessen die Großveranstaltungen wie zuletzt das Skiopening mit den Backstreet Boys. Wichtig dabei war mir immer die Vernetzung mit der Bevölkerung. Was hilft die beste Investition, wenn die eigenen Leute nicht dahinterstehen.

Hackl: Gibt es auch Dinge, die nicht umgesetzt werden konnten?
Bliem: Eigentlich nicht. Bei einigen Projekten mussten zwar Zwischenschleifen eingezogen werden, aber wir konnten alle unsere Vorhaben umsetzen.

Hackl: Aushängeschild ist ja auch die Seilbahn auf den Hunerkogel im zentralen Dachsteinmassiv. Gletscher gibt es bald keinen mehr. Stirbt damit auch die Bahn?
Bliem: Der Dachstein ist mein Berg, und es steckt viel Herzblut in diesem Projekt. Faktum ist, dass wir genau auf diese klimatischen Veränderungen reagiert haben und die Erlebniswelt rund um die Bergstation so konzipiert haben, dass sie auch ohne Gletscher Bestand haben wird.

Hackl: Seit dem Jahr 2014 sind Sie auch Geschäftsführer am Wilden Berg in Mautern. Wie hat sich dieser einstige Wildpark entwickelt?
Bliem: Im Jahr 2013 stand der Park vor dem Zusperren und war zutiefst defizitär. Bis man beim Land entschieden hat, noch einen letzten Rettungsversuch zu unternehmen: „Das hängen wir dem Bliem um!“ Mittlerweile haben wir die Besucherzahlen von 40.000 auf 100.000 pro Jahr gesteigert. Es gibt ein neues Gastrokonzept und neue Attraktionen. Jetzt sind wir mit dem laufenden Betrieb im Plus.

Hackl: Die Verbindung „Wilder Berg“ und „Planai“ bleibt auch weiterhin bestehen?
Bliem: Ja, Anfang Dezember wurde der Pachtvertrag zwischen dem Land Steiermark und der Familie Reuss als Grundbesitzer bis 2040 verlängert. Damit verlängert sich auch der Kooperationsvertrag zwischen dem Land und den Planai-Bergbahnen. Mit der Verlängerung des Pachtvertrages setzen wir ein klares Zeichen für die Zukunft des Wildparks Mautern.

Hackl: Bei der Planai ist das Land der größte, beim Wilden Berg sogar der einzige Eigentümer. Wie sehr mischt da stets die Politik mit, oder lässt sie der Geschäftsführung halbwegs freie Hand?
Bliem: Es war stets ein gutes Miteinander, wobei ich ja einige Landeshauptleute „verbraucht“ habe. Ich darf behaupten, dass es nie Vorgaben oder Weisungen seitens Graz gegeben hat. Da wurde sehr auf unsere Kompetenz und unser Know-how vertraut.

Hackl: In der Hochsteiermark bzw. in der östlichen Obersteiermark kämpfen viele kleine Schigebiete ums Überleben. Anscheinend hängt alles am Beschneien. Ohne Maschinenschnee kein Schifahren mehr. Stimmen sie dieser Formel zu?
Bliem: In Mittelgebirgslagen und tiefen Lagen wird Schifahren nur mehr mit Beschneiung funktionieren. Und Beschneiung ist teuer und verlangt nach zusätzlichen Investitionen. Nicht jedes Schigebiet wird sich das leisten können, und überall wird es nicht mehr möglich sein, den Schibetrieb aufrechterhalten zu können.

Hackl: Würde ein Buddy-System, die Großen helfen den Kleinen, Sinn machen?
Bliem: Ein Prinzip, an dem wir stets festgehalten haben. So haben wir erst unlängst wieder 70 voll funktionsfähige Schneelanzen an kleinere Schigebiete weitergegeben. Auch mit unserem Wissen über Betriebsführung und Beschneiung helfen wir gerne aus.

Hackl: Kann ein Wintersportgebiet – jetzt nicht unbedingt Schladming und die Planai gemeint – auch im Sommer wirtschaftlich gut funktionieren?
Bliem: Natürlich wird ein Bergbahnen-Unternehmen erst durch den Sommer zu einem Ganzjahresbetrieb. Mittlerweile haben wir bei den Planai Bergbahnen 280 Mitarbeiter das ganze Jahr beschäftigt und bilden 18 Lehrlinge aus. 

Hackl: Man kann Sie sich schwer als Ruheständler vorstellen. Gibt es konkrete Pläne, was Sie ab dem Februar machen werden?
Bliem: Zuerst brauche ich sicherlich einmal Zeit für mich, um vom Tagesgeschehen weg zu kommen. Ich bin gern in der Natur und in unseren Bergen unterwegs. Aber es häufen sich schon die Anfragen, ob ich nicht da und dort als Berater und Unterstützer tätig sein will. Ich freue mich jedenfalls auch auf diesen neuen Lebensabschnitt.

Sechs Männer sitzen an einem Tisch
Pachtvertrag für den Wilden Berg verlängert (v. li.): Der designierte Planai-Chef Peter Weichbold, Grundeigentümer Heinrich Reuss, Landeshauptmann Mario Kunasek, Georg Bliem, Planai-Aufsichtsrat Michael Krainer und Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer. Foto: Land Steiermark

Die Planai-Bergbahnen und Georg Bliem

An den Planai-Hochwurzen-Bergbahnen ist das Land Steiermark mit mehr als 60 Prozent beteiligt; am Wilden Berg in Mautern zu 100 Prozent; Geschäftsführer in beiden Unternehmen ist Georg Bliem. Die Planai-Bahnen halten ihrerseits 80 Prozent an den Galsterbergbahnen und 30 Prozent am Schigebiet Hauser Kaibling. Das Unternehmen beschäftigt ganzjährig rund 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Georg Bliem ist seit 2012 Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen GmbH und Vorstandsmitglied im Verbund Ski amadé. Ab 2004 war er für zehn Jahre Geschäftsführer der Steirischen Tourismus GmbH gewesen, Erfahrung dafür brachte er aus zwölf Jahren im Regionalverband Dachstein-Tauern mit. Begonnen hatte Georg Bliems touristische Karriere mit Jobs in Reisebüros in Würzburg und in Wien in den späten 1970ern.
Im Jahr 2018 wurde Georg Bliem als „Seilbahner des Jahres“ ausgezeichnet; im Jahr 2020 nahm er gemeinsam mit seinen Kollegen den Award für das „Beste Seilbahn-Management“ entgegen. Mit 1. Februar tritt er als Geschäftsführer ab.

Ein Mann mit Brille
Georg Bliem trat 2012 die Geschäftsführung auf der Planai an, seit 2014 managt das Unternehmen auch den Wilden Berg in Mautern. Foto: Gerald Grünwald

Georg Bliem Hackl trifft Mautern Planai Wilder Berg
Markus Hackl

Der Kindberger ist seit knapp 25 Jahren journalistisch in der Obersteiermark aktiv und seit 2025 als freiberuflicher Journalist tätig. Für die Rundschau-LeserInnen bittet er in seiner Rubrik "Hackl trifft" Menschen zum Gespräch, die in der Region viel bewegen und entsprechend etwas zu erzählen haben.

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