Obersteirische Rundschau, 20./21. Oktober 2021, Ausgabe Bruck an der Mur

Seite 2 20./21. Oktober 2021 LOKALES www.rundschau-medien.at Tragöß-St. Katharein. Andreas Patek berichtet imTragösser Festsaal von seiner Teilnahme amUltra-Trail du Mont Blanc. 170 Kilometer und je 10.000 Höhenmeter im An- und im Abstieg – das sind die Eckdaten des Ultra-Trail du Mont Blanc, kurz UTMB. Der 38-jährige ge- bürtige Tragösser Andreas Pa- tek hat heuer im August zum ersten Mal an dieser von Ex- tremläufern weltweit begehr- ten wie gefürchteten Tortur teilgenommen. Er erzählt von dem Abenteuer und der Vorbe- reitung darauf bei einem Vor- tragsabend am Samstag, dem 30. Oktober, ab 18 Uhr im Fest- saal Tragöß-Oberort, als Ein- tritt gilt eine freiwillige Spende. Vier Minuten Schlaf. Genau 43 Stunden und 48 Minuten war Patek beim UTMB unterwegs, das reichte für den 1033. Ge- samtrang. „Exakt vier Minu- ten“, lautet seine Antwort auf die Frage, ob er zwischenzeit- lich auch einmal geschlafen habe. Die Strecke führt von Chamonix ausgehend einmal rund ums ganze Mont-Blanc- Massiv. „Damit man sich an- melden kann, muss man bei anderen Läufen Punkte sam- meln“, erklärt Patek. Vier Jahre habe er allein dafür gebraucht. „Das heißt aber nicht, dass du fix dabei bist, sondern dass du an der Startplatz-Verlosung teilnimmst.“ Knapp 9000 hat- ten sich heuer beworben, 2300 durften antreten. Und rund 1500 schafften es wie der ober- steirische Debütant bis ins Ziel. Erfahrung und Ernährung. „Je län- ger ein Lauf, desto wichtiger ist die mentale Verfassung“, sagt Patek, „beim Start war mir be- wusst, dass ich jetzt eine Nacht, den folgenden Tag und dann noch eine Nacht unterwegs sein würde. Damit umgehen zu lernen, ist in der Vorberei- tung fast herausfordernder als der körperliche Aspekt.“ Über die Monsterdistanz sei auch die Ernährung entscheidend: „Man verbrennt unfassbar vie- le Kalorien, es ist nicht nur ein Lauf-, sondern auch ein Ess- wettkampf.“ Gut vier Marathons über Stock und Stein 170 Kilometer und 10.000 Höhenme- ter in den Beinen: Andreas Patek beim Zieleinlauf in Chamonix. Foto: UTMB 18 Das ist los! Veranstaltungs- übersicht für die Region. 36 Kleinanzeigen, Impressum auf Seite 39. 44 Jung & gefragt: Annika Donner, Bodybuilderin. 55 S ervice in der Rundschau, Standesmeldungen ab 54. 30 Der neue Skoda Fabia im Rundschau-Test. Diesmal in der Rundschau 33 Wildtierschutz per App ist in Vorbereitung. karl.doppelhofer@ rundschau-medien.at Kommentar Karl Doppelhofer Ja, diesmal in doppelter Länge, liebe Leserinnen und Leser. Denn es ist wieder was passiert, um es in Anlehnung an den Bundespräsidenten zu formulieren. Aber keine Sorge, es soll hier nicht ein weiteres Mal erörtert sein, wer genau woran genau ver- mutlich unschuldig ist. Vielmehr sei ein Begleit- aspekt beleuchtet: Weil auch ein Medienunternehmen involviert war in das, was da passiert ist und die Bundes- politik so erschüttert hat, stehen die Integrität der Medien und die Informati- onspraxis der öffentlichen Hand durchs Schalten von Anzeigen zur Diskussion. Diese Diskussion treibt mitunter skur- rile Blüten und wird auch für versteckte Grätschen ge- nutzt. Die größte steirische Tages- zeitung servierte am Sonntag ein doppelseitiges In- terview mit einem Medienwissenschafter, der unter anderem konstatierte: „Gratiszeitungen machen den Markt für Bezahlme- dien kaputt.“ In zumindest bescheidener Kenntnis der Branche, der für die Kauf- medien aufgespannten Förderungskulisse und ihrer starken Präsenz auch auf demWerbemarkt tat sich der Autor dieser Zeilen schwer, sich nicht vor Lachen am Frühstück zu verkutzen. Revolverjournalismus ist im Abo genauso zu haben wie frei Haus. Und umgekehrt gibt’s solide recherchierte In- formation kostenfrei genau- so wie gegen Bezahlung. Die Glaubwürdigkeit von Medien (und im obigen Fall über- haupt sowas wie eine me- dienethische Marktberech- tigung, ein bisserl kuder’ ich immer noch) pauschal über einen Kaufpreis zu definie- Offene Information und versteckte Fouls ren, zeugt, mit Verlaub, nicht von medienwissenschaftli- cher Analyse, sondern von protektionistischem Denken im Geiste einer Klientel mit dezent elitär angehauchtem Selbstbild. Die Verfügbarkeit unabhän- giger Information gehört zu den Errungenschaften und zugleich zu den Säulen der Demokratie. Dieser Umstand rechtfertigt ja zum einen das Modell einer staatlichen Presseförderung (deren Ausgestaltung sich weidlich diskutieren ließe, nicht aber ihr Prinzip), zum anderen definiert er die Rolle von Gratiszeitungen aus einem zu selten eingenommenen Blickwinkel: Ein demo- kratischeres Medium als eines, das unbesehen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Status zu jederfrau und jedermann nach Hau- se kommt, ist schwer denkbar. Und zur Frage, ob entgeltliche Einschaltungen ein geeigne- tes Kommunikationsmittel für die öffentliche Hand sind: Selbstverständlich, es ist per se nichts Unlauteres daran. Und das jetzt gar nicht aus der Perspektive des Medienmenschen, sondern schlicht aus der des Bürgers: Ich erwarte mir vom Bund, vom Land und von meiner Gemeinde, dass sie mich über allfällige Berichter- stattung der Redaktionen hinaus auch aktiv über ihre Leistungen und Angebote (Häuslbauerförderungen, Bildungs-, Infrastruktur- und Gesundheitsprogramme, Veranstaltungen, etc.) infor- mieren. Und ich erwarte mir, dass sie sich dabei seriöser Kanäle bedienen, die ich im Alltag nutze, und dass sie das nach marktkonformen Regeln tun. Fotos: KD, AdobeStock

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